Gerade komme ich zurück von der ersten Veranstaltung „Weiblichkeit erleben“, die ich im wunderschönen Seminarhaus Schlagsülsdorf gegeben habe. Ich bin noch voller Eindrücke und vor allem auch Dankbarkeit und weiterer eigener Erkenntnisse zum Thema Weiblichkeit und Frau-sein.

In der heutigen Zeit, wo es immer mehr um „Gleichheit“ und Achtsamkeit geht, fragte ich mich auch zeitweilig, ob es denn eigentlich überhaupt zeitgemäß sei, ein Weiblichkeitsseminar anzubieten. Und nun im Nachhinein bin ich so froh, es getan zu haben:

 

Wir leben in einer bipolaren Welt

Und das werden wir so bald auch nicht ändern – denn es hilft uns Menschen, uns zu orientieren, dass alle Dinge zwei „Pole“ haben:

  • gut und schlecht
  • schwarz und weiß
  • falsch und richtig
  • Tag und Nacht
  • aufregend und langweilig
  • sauber und schmutzig
  • einfach und kompliziert

Die Einteilung – das „in Schubladen stecken“ ist eine urmenschliche Eigenschaft, die uns eine gewisse Sicherheit verspricht. Auch wenn sie sie nicht immer hält und wenn wir durch die Subjektivität der Bestimmung immer wieder in Konflikt kommen…

So wurde mir an diesem Wochenende klar, dass weiblich und männlich eben auch letztlich nur „Konzepte“ sind.

Die Konzepte von Weiblich und Männlich aufzulösen ist für mich nicht hilfreich, denn zum Einen fehlt uns dann in unserer bipolaren Weltanschauung die Orientierung und zum anderen verdrängen wir damit viele unserer Schätze in die Schatten:

Es war so deutlich, dass viele Teilnehmerinnen Eigenschaften lebten, die man dem männlichen Prinzip zuordnen kann und dass sie damit die Stärken des weiblichen Prinzips komplett ignorierten. Gleichberechtigung und weibliche Emanzipation kann doch nicht daraus bestehen, dass wir das weibliche Prinzip – die polaren Eigenschaften, die man dem weiblichen zuordnen kann einfach „abschalten“, verleugnen, verdrängen, vergessen und verunglimpfen – als wären sie schlecht oder „unzeitgemäß“.

Weiblich und Männlich sind keine Schimpfworte

Denn so kommt es auch mir manchmal schon fast vor: Fast habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich – auch in meinen Büchern – vom „typisch“ Weiblich und Männlich spreche oder schreibe.

Doch die Wahrheit ist:

Wir alle haben alle Facetten und alle Eigenschaften in uns – ist es „unfein“ oder politisch unkorrekt und deshalb falsch, wenn wir etwas tun, was uns Menschen in allen anderen Bereichen unseres Lebens Orientierung gibt? Wenn wir versuchen es einzuordnen?

Weiblich und Männlich sind keine Schimpfworte – es sind keine „Begrenzungen“ – es sind nur Worte. Weiblich und Männlich sind wohl „Schubladen“ – aber das schöne ist:

Alle Menschen haben alle Facetten in sich und sie sollten sie leben. Es wäre traurig, das, was wir dem Weiblichen zuordnen können zu vergessen, weil es „rollentypisch“ oder klischeehaft wäre…. vor allem, wenn die Alternative dann wäre, nur das zu leben, was man dem „Männlichen“ zuordnen könnte, wenn man den wollte und dabei all die Schätze vergisst und begräbt, die im Weiblichen liegen…

Niemand wurde von mir „umgedreht“ – denn nichts ist „falsch“… es ging darum, die Eigenschaften des weiblichen Prinzips anzuerkennen, zu entdecken und auch zu sehen, dass diese keine „Schwäche“ darstellten, sondern ganz im Gegenteil Kraft geben, sinnvoll, hilfreich und berührend sind…. und wie großartig es ist, wenn wir beides anerkennen, nutzen, leben und vor allem: Feiern!

Wenn wir erkennen dürfen,

  • dass Passivität nicht „falsch“ oder gar „schlecht“ ist – an der richtigen Stelle.
  • welches unglaubliche Geschenk im Annehmen liegt.
  • oder auch dass Hingabe etwas ganz anderes ist, als „geschehen lassen“….

Und dass es letztlich der Unterschied zwischen uns ist – der uns interessant und anziehend füreinander macht. Dass in der Bipolarität die Möglichkeit des „Einander-ergänzens“ liegt – nicht im Ausgleich oder im „Stopfen von Löchern“ in der Persönlichkeit des anderen – sondern ganz im Gegenteil, im Spiel der Polaritäten…

So bin ich beglückt und dankbar über diese großartige Erfahrung. Und ebenso dankbar für meine Kolleginnen und Mitarbeiterinnen, meine Teilnehmerinnen, meine Gastgeberin und die die großartige Köchin. Ich fühle mich gerade unglaublich reich beschenkt und bin sehr, sehr froh, diese Abenteuer gewagt zu haben.

Und ich freue mich auf eine Wiederholung – der Termin steht bereits fest: 18. bis 20.05.2018 

Ich freu mich drauf.

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