Wie verlieben wir uns eigentlich und warum?

Kann man es sich aussuchen in wen man sich verliebt?

Die meisten Menschen glauben, die Liebe falle einen regelrecht an und man hat quasi keine Chance und keinen Einfluss darauf, in wen man sich verlieben kann oder wird.

Nachdem ich nun seit fast 20 Jahren Menschen berate und sie dabei unterstütze, ihr „Glück in der Liebe“ zu finden, sehe ich das etwas anders. Doch die Zusammenhänge sind nicht so einfach – genau deshalb machen wir ja auch dieselben „Fehler“ immer wieder so gerne.

Diese sieben Fakten musst Du kennen, wenn Du verstehen möchtest, warum und wie Du Dich verliebst – und wie Du das Verlieben für Dich positiv beeinflussen kannst:

Zunächst einmal:

1. Verlieben kann sich nur, wer an die Liebe glaubt

Ich mag den englischen Ausdruck „falling in love“ weil er suggeriert, dass wir uns in die Liebe „hineinfallen lassen“ – eine schöne Vorstellung. Doch damit das passieren kann, muss man an die Liebe glauben.

Wer die Schuld für gescheiterte Beziehungen oder Ablehnung nur bei anderen sucht, der sucht an der falschen Stelle! Natürlich ist es zunächst verführerisch zu denken, Deine Ex-Partner(innen) waren oder sind einfach blöd und gemein – aber das führt dazu, dass Du nur verbitterst, den Glauben an die Liebe verlierst und grundsätzlich die Menschen ablehnst, von denen Du eigentlich angenommen werden willst. Das kann nicht funktionieren. Und Du wirst Dich nicht verlieben (und niemand wird sich in Dich verlieben)

Wenn es dann konkret darum geht, in wen wir uns verlieben – und warum, sind diese psychologischen Prozesse einflussreich:

2. Wir verlieben uns in Menschen, von denen wir glauben, dass sie unsere Bedürfnisse befriedigen können

Viele Menschen wünschen sich – bewusst oder unbewusst – in einer Partnerschaft all das zu erleben, wonach sie sich schon seit ihrer Kindheit sehnen. Sehr häufig wissen wir vieles davon gar nicht – wir erkennen unsere Bedürfnisse häufig erst, wenn jemand vor uns steht, der sie in uns „erweckt“.

Oft wünscht man sich die Befriedigung möglichst vieler Beziehungsbedürfnisse und macht damit einen potentiellen Partner dafür verantwortlich, sich geliebt, geschätzt, begehrt, umsorgt, akzeptiert zu fühlen. Fast immer ist das viel zu viel für diesen einen Menschen. Und oft genug erwarten wir von einem Partner, dass er etwas tut, was wir selber nicht mal bereit sind für uns zu tun: Dass er uns so mag und akzeptiert, wie wir sind.

Man muss sich ja nicht immer „supertoll“ finden – aber wem es gelingt, Frieden mit sich selbst zu schließen anstatt ständig an sich herumzumäkeln, der verbessert deutlich seine Chancen, auch von anderen wirklich gemocht zu werden und „braucht“ keinen Partner mehr, der mitmäkelt und das schlechte Selbstwertgefühl bestätigt.

3. Wir re-inszenieren unbewusst ungeklärte Konflikte unserer Kindheit

Dies ist vermutlich einer der wichtigsten Fakten, die man über Liebe und Partnerschaft wissen muss: Die unerklärliche Anziehung zu bestimmten Menschen ist vor allem darüber zu erklären, dass wir uns Menschen aussuchen, die ein bestimmtes Potential ausstrahlen. Wir alle tragen ungeklärte Gefühlskonflikte in uns, Traumata wenn man so will – Situationen, mit denen wir als Kinder überfordert waren und sie nicht verstehen konnten, sinken in unser Unbewusstes – doch leben weiter in uns fort und sehnen sich nach Erlösung. Meistens jedoch – weil es uns eben nicht bewusst ist – scheitert das, da wir nicht erkennen, dass wir mit unserem Partner gerade ein „Theaterstück“ aufführen:

Wer als Kind viel darunter gelitten hat, dass ein Elternteil seine Liebe nicht ausdrücken konnte, wird sich auch als Erwachsener immer wieder einen Partner wählen, der das ebenfalls nicht gut kann.
Wer in der Kindheit das Gefühl hatte, die Mutter ist so eine Art „Justizvollzugsbeamtin“, die einem die Freiheit raubt, der wird immer wieder Frauen kennen lernen, die Partnerschaft mit Besitzanspruch verwechseln und einem den letzten Nerv rauben mit Eifersucht und Einengung der persönlichen Freiheit. Und so weiter…

Die Erlösung liegt darin, zu erkennen, welcher Konflikt in Dir ungelöst ist und diesen mit Dir selbst und den „ursprünglich auslösenden Menschen“ zu (er)klären. Wenn Du den Konflikt oder die traumatische Erfahrung erkennest, entschlüsselst und zum Beispiel durch Vergebung oder Verständnis lösen kannst, wirst Du keinen Partner mehr brauchen, der Dir diese Situation erneut „vorspielt“ oder mit dem Du die Situation immer wieder nachspielst.

4. Es geht dabei nicht nur um „gute Gefühle“ sondern auch um Wachstum

Frage ich meine Seminarteilnehmer, warum sie sich eine Partnerschaft wünschen, sind die Antworten sehr ähnlich: „Um die schönen Dinge im Leben zu teilen“ oder „eine Familie gründen“ und vor allem: „glücklich sein“. Doch in einer Partnerschaft ist man nicht automatisch glücklich – und genau darum geht es auch nicht:

Auch wenn Dein/e Partner/in jemand ist, mit dem Du vieles teilst, oft lachst, ihr Euch helft und ergänzt – so ist auf Dauer genau er/sie auch der Mensch, mit dem Du Dich streitest, der Dich zur Weißglut treibt, von dem Du Dich unverstanden fühlt und der Dir gewaltig auf die Nerven geht.

Und auch genau dafür ist eine Partnerschaft da. Es geht eben nicht nur um die guten Gefühle: Das hat einerseits mit Punkt 3 zu tun – der Re-Inszenierung von ungeklärten Geschichten aber auch damit:

Dein/e Partner/in ist der Mensch, der Dir am nächsten ist. Er kennt am allerbesten Deine wunden Punkte, er/sie findet und „stimuliert“ sie. Dein/e Partner/in ist nicht der, der damit aufhören soll – sondern er ist der Mensch, der Dir zeigt, wo Du „heilen“ und wachsen möchtest, wo Du noch etwas „zu tun hast“, um Dich von Missverständnissen über Dich und die Welt zu befreien.

Dein Partner ist der Mensch, an dem Du wachsen kannst – und wachsen tut eben manchmal auch weh: Eine Partnerschaft zu haben, ist eine der besten Methoden für Persönlichkeitsentwicklung, wenn Du tatsächlich daran interessiert bist (an der Partnerschaft UND an der Persönlichkeitsentwicklung). Dein Partner gibt Dir die Möglichkeit, Dich in Frage zu stellen, Konflikte zu lösen und vieles mehr. Das macht nicht immer glücklich – aber weise.

 

5. Es ist nicht so wichtig, wie Dein Partner ist, sondern wie Du bist

Immer wieder werde ich gefragt, was denn eine „Traumpartner/in“ ist und mitbringen müsse und wie man seinen Traumpartner findet.

Doch die Wahrheit ist: Es geht in der Liebe nicht darum, wie der andere sein sollte, sondern wie wir sein möchten. Wir glauben oft, dass wir wissen, wie ein Mensch sein muss, damit er zu uns passt und wir mit ihm glücklich werden. Doch das ist ein Trugschluss, denn da wir das Gefühl von Liebe ja aus unserem Unbewussten heraus entwickeln, können wir gar nicht bewusst wissen, was uns glücklich machen wird. Was wir aber wissen können ist, wie wir selbst gerne sein möchten, wie wir uns fühlen möchten, wie wir behandelt werden und uns verhalten möchten – in einer Partnerschaft.

Fokussierst Du Dich darauf, musst Du nicht jede Frau / jeden Mann „abscannen“, ob er/sie Dich mag und ob sie so ist, wie Du es Dir wünschst – sondern Du kannst den Menschen kennenlernen und schauen, wie Du Dich mit ihm fühlst.

 

6. Sicherheit finden wir nur in uns selbst und Liebe ist nicht kontrollierbar

Wir laufen ca. 90 % unserer Zeit auf „Autopilot“ durch die Gegend. Das heißt: Wir setzen uns kaum damit auseinander, was wir gerade tun, brauchen oder wollen und vor allem nicht, warum wir es tun oder brauchen.

Viele Menschen wünschen sich zum Beispiel ein Gefühl von Sicherheit oder Kontrolle – doch leider ist nichts so richtig sicher, schon gar nicht, wenn es die Gefühle eines anderen Menschen betrifft. Suchen wir also die Sicherheit „im außen“ oder bei / in einem anderen Menschen, werden wir sie kaum finden können und ständig versuchen, zu kontrollieren, was uns geschieht. Wenn wir jedoch immer im „Schutz- und Kontroll-Modus“ unterwegs sind, wird uns das Abenteuer, das die Liebe und schon die Begegnung mit einem anderen Menschen verspricht, kaum begegnen. In dem Moment, wo wir Angst verspüren oder Kontrolle brauchen, nehmen wir uns die Chance, uns zu verlieben und die Liebe wachsen zu lassen.

Test-Liebesblockaden

7. Liebe ist bedingungslos – Partnerschaft ist es nicht

Der Begriff „Liebe“ ist eines der am meisten missbrauchten Worte unserer Sprache. Denn oft ist er verknüpft mit Dingen, die überhaupt nichts mit Liebe selbst zu tun haben: Mit Eifersucht zum Beispiel – doch die entsteht nicht aus der Liebe, sondern zum Beispiel aus der Angst, den Partner zu verlieren oder aus dem Gefühl heraus, sich vom Partner vernachlässigt zu fühlen.

Liebe sollte bedingungslos sein. Doch in einer Partnerschaft haben wir gewisse Erwartungen und Wünsche – diese jedoch haben wir an die Beziehung und den Partner – nicht an die Liebe. Es ist wichtig, dass wir das trennen und nicht verwechseln! Liebe ist ein Gefühl – es ist Dein Gefühl und es ist in Dir! Je mehr Bedingungen Du an andere Menschen stellst, um Dich geliebt zu fühlen und je schwieriger Du es für Dich selbst macht, Liebe zu anderen zuzulassen, umso schwieriger machst Du es letztlich für Dich selbst, dieses wundervolle Gefühl zu erleben!

 

Fazit: Verlieben ist doch nicht ganz so unwillkürlich, wie wir manchmal glauben, oder?

Mir ist völlig klar, dass diese sieben Punkte nicht einfach so von heute auf morgen bei jedem funktionieren werden. Gerade Punkt 4 – die Auflösung alter innerer Konflikte und Traumata – ist eine schwierige Aufgabe, die viele Menschen nicht ohne fremde Hilfe schaffen oder auch nicht gerne angehen möchten. Genau deshalb tue ich, was ich tue. Genau dafür habe ich den Liebesblockaden-Test und meine Seminare entwickelt.

Die Liebe ist und bleibt ein Stück weit unberechenbar – und ein Geheimnis. Doch es gibt zahlreiche Dinge, die jeder dafür tun kann, dass Liebe für sie/ihn wahrscheinlicher wird. In meiner Arbeit geht es stets genau darum.

Es gibt Verhaltensweisen, Glaubenssätze, innere Einstellungen und Ängste, die führen Dich weg von der Liebe und machen es immer unwahrscheinlicher, dass sich jemand in Dich verlieben kann und es gibt Verhaltensweisen und Annahmen, die machen es Menschen leicht, Dich interessant, liebenswert und attraktiv wahrzunehmen…

Wenn Du zum Beispiel aufgrund von schlechten Erfahrungen nicht mehr an die Liebe glaubst, machst Du es sehr unwahrscheinlich, dass sich jemand in Dich verlieben kann.

Ich hoffe, ich konnte Dir ein paar gute Ansätze geben, wie Du besser verstehen kannst, in wen Du Dich verliebst und warum – und das auch langfristig für Dich zum Guten zu beeinflussen. Zögere nicht, wenn Du meine Unterstützung suchst.

Liebesblockaden-finden

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