„Be a lady, they said!“ Dieses starke Video mit Cynthia Nixon geht gerade viral – doch frage ich mal:

Wer ist eigentlich „they“?

Wer sagt das?

“Dein Rock ist zu kurz. Dein Shirt ist zu tief. Bedeck Dich. Zeig nicht so viel Haut. Sieh sexy aus. Sie heiss aus. Sei nicht so provokativ. Sei nicht zu dick. Sei nicht zu dünn. Mach eine Diät. Du siehst krank aus. Rasiere deine Beine. Lass dir die Brüste machen. Trainiere deine Bauchmuskeln. Sei selbstbewusst. Sieh natürlich aus. Du siehst zu gemacht aus.“

Be a lady, they said – sei eine Dame, sagten sie. 

Wer? Wer sagt diese Dinge?

Sind es die Männer?

Ich glaube, noch viel öfter sind es die Frauen selbst.

Es sind nicht „die“ – nicht „die anderen“ – die von uns fordern.

Es sind wir selbst!

 

Wir brauchen eine Revolution, Baby!

Wir selbst dürfen aufhören, jeden Scheiß von uns zu fordern und uns immer von außen bestimmen zu lassen weil wir uns immerzu am außen orientieren.

Wird es nicht Zeit, dass wir anfangen, selbst zu bestimmen, was gut für uns ist, was schön ist, was Spaß macht, was notwendig ist?

Wäre das nicht wahre Emanzipation?

Wäre das nicht endlich Freiheit?

Wäre das nicht endlich nötig!?

Die Lüge von der starken Frau – wir machen uns was vor, Baby!

Emanzipiert, stark, frei, selbstbestimmt, erfolgreich, glücklich … Begriffe, die verheißungsvoll und sexy klingen und regelmäßig jede Ausgabe nahezu jeder Frauenzeitschrift schmücken.

Zustände, die uns Frauen heute im 21. Jahrhundert nahezu selbstverständlich sein sollten: Haben wir doch alles. Dürfen wir doch alles! Können wir doch alles…

Würden wir all das nur leben, anstatt uns nur mit schlechtem Gewissen danach zu sehnen oder uns selbst etwas vorzumachen!

 

In meiner Coachingpraxis beobachtete ich es jahrelang – und dann, im Austausch mit anderen Frauen bei Kongressen, Seminaren und Treffen, stellte ich fest, dass dieses Phänomen offenbar nicht nur typisch ist für meine Klientinnen, sondern sehr viele Frauen in unterschiedlichsten Situationen betrifft:

  • Die erfolgreiche Karrierefrau, die stark, selbstbestimmt und erfolgreich wirkt – aber nicht glücklich ist, weil sie ständig Angst hat, dass jemand bemerkt, dass sie gar nicht so stark ist. Und die sich ständig wie eine Hochstaplerin fühlt, während sie härter arbeitet als alle anderen. Nicht aus Freude – sondern aus Angst, nicht gut genug zu sein.
  • Die spirituell Inspirierte, die sich selbst verwirklicht, viel reist und Yoga, Massage oder andere tolle Dinge anbietet und lehrt und so frei wirkt – aber ständig Geldsorgen hat, weil sie sich nicht traut, für ihre Dienste eine wirklich angemessene Wertschätzung zu verlangen.
  • Die Angestellte, die ständig das Gefühl hat, sie müsste „mehr“ aus ihrem Leben machen und sich immer latent schuldig fühlt, weil sie sich eigentlich nur ein paar mehr Urlaubstage und einen liebevollen Partner wünscht.
  • Die Ärztin, deren Eltern so stolz auf sie sind – und die so müde ist und so einsam, weil sie als Alleinstehende immer für die Feiertagsdienste eingeteilt wird und ständig Überstunden fahren muss, während die männlichen Arztkollegen lieber Krankenschwestern daten als Ärztinnen.
  • Die Mutter, die ihre beiden Schätze täglich in die Schule und die Kita bringt und nur noch Teilzeit arbeitet – aber deshalb auf eine Karriere verzichtet und immer ein schlechtes Gewissen hat, weil sie das Gefühl hat, irgendwer kommt immer zu kurz, und gar nicht bemerkt, dass sie selbst es ist, die zu kurz kommt, während sie immer wieder versucht, es allen anderen recht zu machen.

Wir können und dürfen im Grunde alles und bleiben am Ende doch meistens bei dem, was wir glauben, sein und tun zu müssen.

Ich kenne so viele Frauen, die äußerlich selbstbewusst und stark wirken, aber in sich – ganz heimlich – voller Komplexe, Zweifel, Schuldgefühle, Unsicherheit oder Ängste stecken.

 

Dabei könnte alles so einfach sein:

Wir leben im 21. Jahrhundert, wir sind frei, und unsere Rechte und Pflichten sind gut verhandelt und gesetzlich verankert. Doch scheinen gerade wir Frauen uns mehr um die Pflichten zu kümmern als um die Rechte und die Freiheit, die uns zur Verfügung stünde.

Und dann sind wir unzufrieden, gestresst oder unglücklich und kaufen einen Ratgeber. Manchmal lesen wir ihn sogar. Selten machen wir, was drinsteht … und dann geht das Ganze wieder von vorne los.

Irgendwie scheint uns die Fähigkeit verloren gegangen zu sein, das Leben zu genießen.

Es ist ja nicht so, dass es verboten wäre, das Leben zu genießen und Spaß zu haben, aber irgendwie scheint uns diese Fähigkeit verloren gegangen zu sein – falls wir sie überhaupt jemals hatten.

Vergnügen: allein das Wort schon!

Oberflächlich, fast anzüglich klingt es – nicht nach etwas, nach dem man streben sollte, sondern allenfalls etwas, dem man sich gelegentlich in seiner Freizeit widmet, aber dabei schon irgendwie ein schlechtes Gewissen hat – und nur nicht zu ausschweifend werden sollte …

Vielleicht liegt es generell an unserer Kultur?

„Be a lady“ passt zu uns Deutschen doch sowie nicht wirlich, oder? Benimm Dich wie eine Dame? Pffffhhh…!

Sei fleißig! Mach was aus Dir! Mach Dich nie von einem Mann abhängig. Willst Du gelten, mach Dich selten. Streng Dich an. Sei brav. Sei anständig. Sei nicht so angepasst. Pass Dich an. Pass besser auf. Sei nicht so verbissen…“ Das wären wohl Sätze, die zu uns passen würden.

Hat es damit zu tun, dass wir in Deutschland die Werte „Fleiß“ und „Tüchtigkeit“ einfach zu ernst nehmen? Ist uns fleißig, pünktlich, tüchtig, zuverlässig und strebsam sein einfach zu wichtig? Dennoch sehe ich viel mehr Frauen, die sich damit kaputt machen und leiden, als Männer.

Ja, ich ahne, was du sagen wirst. Ich habe diese Argumente alle schon gehört und vor langer Zeit sogar selbst auch benutzt: Wenn du es als Frau im Berufsleben zu etwas bringen möchtest, musst du nicht genauso gut sein wie die männlichen Kollegen – du musst sogar ein ganzes Stück besser sein als sie.

Und selbst Frauen, die in – immer noch – typischen Frauenberufen arbeiten und kaum „männliche Konkurrenz“ haben, machen es ebenso. Und wir tun das nicht nur beruflich: Wir schaffen es auch, uns im Privatleben regelmäßig den Spaß zu verderben.

Baby, was wir brauchen, ist eine Revolution!

Und zwar eine, bei der wir nicht auf die Barrikaden gehen und von anderen etwas fordern – nein: Wir brauchen eine Revolution unserer selbst!

Wir müssen endlich aufhören, uns ständig nach allem möglich zu richten, das andere von uns gerne hätten oder nicht hätten. Was andere sagen oder was „die Gesellschaft“ will – die Gesellschaft sind wir!

Be a lady? Meinetwegen – aber auf meine Art!

Ich verrate Dir was, Baby:

Gute Dinge passieren, wenn Du Dich gut fühlst!

Du darfst das!

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Ein Teil dieses Textes stammt aus meinem neuen Buch: „Arsch hoch, Baby! Wie Du bekommst, was Du willst und auch noch Spaß dabei hast!“ erschienen im Humboldt Verlag und ab sofort als Paperback und eBook überall erhältlich, wo es Bücher gibt. 

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Ich bin außerdem auf Lesetour – wenn ich auch in Deine Nähe kommen soll: Schreib mir!

 

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