Tom und Ina stecken in einer heftigen Beziehungskrise: Sie will, dass er zuverlässiger, ausgeglichener ist, öfter Zuhause bleibt, sich einen geregelten Job mit einem festen Einkommen sucht und ihr keinen Grund mehr zur Eifersucht gibt. Er ist Künstler und wünscht sich von Ina mehr Verständnis und Unterstützung: Bei ihm geht es eben hoch und runter – das bringt sein Beruf so mit sich und den will er auf keinen Fall gegen irgendeinen langweiligen Job eintauschen. Er versteht nicht, warum Ina so eine große Sache daraus macht – als die beiden sich kennen gelernt haben, hat sie ihn bewundert dafür.   

Auch wenn ich mich als Coach überwiegend (und am liebsten) Menschen bei der Partnersuche unterstütze, wenden sich auch immer wieder Menschen an mich, die – wie Tom und Ina – in einer Beziehungskrise stecken.

„Ist meine Beziehung noch zu retten oder ist eine Trennung der bessere Weg?“, das ist die Frage, die fast alle Menschen bewegt, wenn sie in einer Beziehungskrise stecken und mit dem Partner nicht mehr zurecht kommen. Oft scheinen die Fronten dann schon so verhärtet und die Situation so verfahren, dass man mit dem Partner schon gar nicht mehr „vernünftig reden kann“.

Und oft genug ist das auch gar keine gute Idee:

Wenn zwei Menschen eine Beziehungskrise miteinander haben, dann basieren die sogenannten „vernünftigen Gespräche“ meistens darauf, dass einer von beiden Recht hat – und der andere nicht.

Und das natürlich wechselseitig. Und so geraten sie mit ihrer Beziehung immer weiter in die Schieflage.

Das „Miteinander reden“ ist dann oft nur ein Dialog, der in unterschiedlichen Varianten ungefähr so geht:

  • „Es geht mir schlecht und Du bist schuld!“
  • „Was? Ich soll Schuld daran sein, dass es Dir schlecht geht? Spinnst Du?“
  • „Nein, ich spinne nicht – siehst Du, und so sorgst Du dafür, dass es mir schlecht geht!“
  • „Aber Du hast mich angegriffen!“
  • „Ja, aber Du hast mir vorher schon weh getan!“
  • „Daran bist Du selbst Schuld!“
  • „Ich? Nein, ich bin hier das Opfer! Und Du bist der Täter!“
  • „Was? Nein, wenn überhaupt dann bin ich hier das Opfer!“
  • „Nein, ich!“
  • „Nein, ich!“

Was ist also der Ausweg?

Wenn es Dir ähnlich geht wie Tom und Ina, können diese Punkte Dir helfen, die Beziehungskrise zu überwinden:

Schritt 1: Warum seid Ihr zusammen gekommen?

Als erstes ist es sehr hilfreich, wenn Du Dir klar machst, warum Ihr überhaupt zusammen gekommen seid. Wie und warum habt Ihr Euch verliebt?

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Denn fast immer verlieben wir uns aus den falschen Gründen:

Wir projizieren unbewusste Bedürfnisse und vor alle deren Erfüllung in den anderen und fühlen uns davon magisch angezogen, ohne genau erklären zu können, warum.

Als Tom und Ina sich verliebt haben, war das ähnlich:

Tom wollte immer Künstler sein – aber er wusste auch, dass das freie Leben als freier Künstler seine Risiken hat. Er träumte davon, bekannt zu sein und nur noch von seiner Kunst leben zu können – doch er hatte auch Existenzängste. Ihm fehlte die Sicherheit und das gute Gefühle einer Grundversorgung und Stabilität.

Ina hingegen hatte sich für ein sicheres – aber auch etwas „langweiligeres“ Leben entschieden: Nach dem Abitur und Studium strebte sie eine Beamtenlaufbahn an. Das war nicht unbedingt ihr Lebenstraum – aber definitiv eine sichere Bank. Sie war zufrieden… dass ihr etwas fehlte, bemerkte sie erst, als sie Tom kennenlernte: Dieses Lächeln, seine Spontanität, seine kleinen Verrücktheiten, diese Kreativität und Freiheit. Das alles faszinierte sie.

Tom und Ina kamen zusammen – und sie wären nie darauf gekommen, dass der jeweils andere etwas repräsentierte, was ihnen fehlte bzw. dass der andere für das stand, was sie sich nicht trauten und nicht leben konnten.

Anfangs ging alles gut: Ina war stolz, wenn Tom Erfolg hatte und in den Zeitungen erschien. Tom war froh, dass Ina da war, wenn es mal ein paar Wochen nicht so gut lief. Doch dann bekamen die beiden ein Baby – und plötzlich wünschte sich Ina von Tom Stabilität – doch das war doch gar nicht sein Part? Die beiden stritten sich immer öfter und machten sich Vorwürfe. Der Satz, der beide ständig beschäftigte, war: „Du verstehst mich nicht!“.

Und beide wären nie darauf gekommen, dass Sie beide Recht hatten damit. Sie verstanden einander nicht – denn sie verstanden sich ja nicht einmal selbst.

Und beide waren zu stolz, um zu erkennen und zuzugeben, was sie im jeweils anderen einmal gesucht hatten.

So kann diese Erkenntnis Dir in einer Beziehungskrise helfen:

Wenn Du in einer Beziehungskrise steckst, finde heraus, was Du in Deinem Partner gesucht hast.
Wofür steht er und was symbolisiert er für Dich?

Ein kleiner Tipp: Es ist wahrscheinlich etwas, das Du früher einmal an ihm/ihr bewundert hast und dass Dich – in einer aus heutiger  Sicht übertriebenen Form – inzwischen wahnsinnig macht.  

Ich erinnere mich, dass einer meiner Ex-Partner sich in mich verliebte, weil ich so „lebendig“ und leidenschaftlich war – und es machte ihn irgendwann wahnsinnig, dass ich so sprunghaft, launisch und aufbrausend war. Doch das waren lediglich die Auswirkungen meiner Lebendigkeit und Leidenschaft – Leidenschaft geht nicht nur in eine Richtung!

Ich erinnere mich, dass ich ich in einen Mann verliebt hatte, weil er so liebevoll und fürsorglich war – irgendwann ging es mir unfassbar auf die Nerven, dass er so ein Weichei und eine Klette war.

Es kann durchaus auch sein, dass Du etwas findest, was Dir ganz und gar unglaublich erscheint:

Viele Menschen, die in ihrer Kindheit von einem Elternteil nicht sehr liebevoll und aufmerksam behandelt wurden, suchen sich zum Beispiel als Erwachsene einen Partner, der das ebenfalls nicht tut. Die Sehnsucht ist in so einem Fall, von einem Menschen, der womöglich emotional nicht sehr zugänglich ist (so wie das Elternteil), dann doch Liebe, Aufmerksamkeit und Zuwendung zu erhalten.

Sei also ehrlich zu Dir und finde heraus, welche ungelebten oder unerfüllbaren Sehnsüchte Dein Partner für Dich repräsentiert. 

Schritt 2: Finde Deine ursprüngliche Verletzung

Das schlimmste an einer Beziehungskrise ist, wenn wir verletzt werden – verletzt durch das, was der Partner sagt oder tut (oder eben gerade nicht tut). Doch diese Verletzung ist nicht real – sie ist eine Enttäuschung, weil nicht das passiert, was wir uns wünschen und doch nicht glauben verdient zu haben.

Tom verstand überhaupt nicht, warum er plötzlich für Ina nicht mehr gut genug war. Kein Wunder: Ina wünschte sich nämlich unbewusst jetzt, dass Tom – wenn das Baby da wäre – ihr die Stabilität geben würde, die sie ursprünglich schon in ihrem Beruf gesucht hatte. Sie ist in Wahrheit ihr Leben lang schon auf der Suche nach Sicherheit und Stabilität gewesen. Auch wenn das Künstlerleben von Tom sie angezogen hatte, weil sie in ihrem Streben nach Sicherheit das Lebendige vermisste. 

Ina war verzweifelt. Sie zog sich zurück – das war das Einzige, was sie gelernt hatte: Rückzug, Kritik, emotionale Kälte. Doch sie würde sich eher die Zunge abbeißen, als zuzugeben, dass sie genau das schon als Kind zwischen ihren Eltern beobachtet hatte.

Tom zog sich auf seine Art ebenfalls zurück: In sein Atelier und in sein Künstlerdasein – er stürzte sich in die Arbeit und war so wenig wie möglich Zuhause. Warum auch – wo ihn dort nur Kritik und Ablehnung erwartete? Auch er handelte zunächst ganz automatisch so, wie er es bei sich Zuhause „gelernt“ hatte. 

Natürlich führte das die beiden erst so richtig hinein in die Beziehungskrise. Sie waren enttäuscht und wütend aufeinander.

Verletzungen allerdings sind nie ganz das, was sie zu sein scheinen. Unsere Partnerwahl aufgrund unserer unbewussten Bedürfnisse und heimlichen Sehnsüchte hat eine gewaltige Nebenwirkung: Wir alle haben aufgrund dieser unerfüllten Sehnsüchte unsere „wunden Punkte“ – ungestillter Hunger aus unserer Kindheit, Traumata und emotionale Schmerzen aufgrund von dem, was uns als Kinder enttäuscht, gekränkt, verletzt und beschämt hat.

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Und unser Partner ist der Mensch, der den salzigsten Daumen auf diesen wunden Punkt legen kann.

Und genau das ist es, was in einer Beziehungskrise passiert:

Es ist nicht der Partner, der Dich verletzt – denn die Verletzung war vorher schon da. Der Partner ist nur der „Trampel“, der diese Verletzung triggert.

Eigentlich müssten wir ihm dankbar dafür sein, denn er zeigt uns, wo wir immer noch in unserem Kinder-Ich stecken und darauf hoffen, dass jemand kommt und uns rettet.

Wie findest Du diesen Punkt heraus und was dann?

Sehr einfach: Nimm Dir ein Blatt Papier (quer) und teile es auf in drei Spalten:

Worüber streiten wir uns?    /    Wie fühle ich mich?     /    Woher kenne ich diese Gefühl?

Trage nun in die erste Spalte Situationen ein, über die Ihr Euch in den letzten Tagen und Wochen gestritten habt. Worum ging es dabei? Was war das Thema und der Anlass?

Nimm mindestens drei verschiedene Situationen – es können auch vier oder fünf sein.

Dann schau Sie Dir an, erinnere Dich und trage in die zweite Spalte ein, wie Du Dich jeweils gefühlt hast:

  • Wie ging es Dir – ausser schlecht?
  • Was hast Du gedacht?
  • Hast Du Dich abgelehnt oder belogen gefühlt? Ungerecht behandelt? Nicht gut genug?

Ganz egal, was es war, trage es in diese Spalte ein.

Dann falte das Blatt Papier so, dass Du den Streitanlass nicht mehr sehen kannst – sondern nur noch Deine Gefühle und Gedanken.

Denke zurück an Deine Kindheit:

  • Woher kennst Du es, Dich so zu fühlen?
  • Wann hast Du Dich vielleicht das erst mal so gefühlt?
  • Worum ging es?
  • Mit wem hatte das zu tun?

So erkennst Du, wann diese Wunde wirklich entstanden ist – es ist nicht Dein Partner, der Dich verletzt hat – Du warst bereits verletzt. Du warst bereits enttäuscht. Du hast nur gehofft, dass Dein Partner derjenige sein würde, der diese Wunde ausgleicht. Aber das ist nicht sein Job.

Was dann?

 

Schritt 3: Gib Deinen Gefühlen Raum

Es ist nicht Dein Partner – es ist Deine eigene tiefe Angst, die Du immer wieder verdrängt hast. Es ist Dein verletztes, jüngeres Ich, dass sich mit Deinem Partner streitet und sich so schlecht fühlt. Und das wird immer so weiter gehen, wenn Du nicht erkennst, dass es nichts mit Deinem Partner, sondern mit diesem verletzten inneren Anteil von Dir selbst zu tun hat.

Es gibt unterschiedliche Wege damit umzugehen. Für mich haben sich zwei besonders bewährt:

Ich schreibe Briefe an die Menschen, die die ursprüngliche Verletzung verursacht haben und lasse in diesen Briefen all meine Wut, Enttäuschung, Angst und Verletztheit zu Wort kommen. Natürlich schicke ich diese Briefe nie ab – ich verbrenne sie.

Es geht nicht darum, die Menschen anzuklagen, die damit zu tun haben – es geht lediglich darum, den Gefühlen Raum zu geben, sie zuzulassen und sie wahrzunehmen. Sie möchten gesehen werden und ernstgenommen werden, genau deshalb kommen sie ja immer wieder.

Schreibe also wütende, verletzte Briefe an Deine Eltern, Geschwister, Lehrer, Kindergartenfreunde – wer immer es ist, der Dich ursprünglich enttäuscht, verletzt, gekränkt oder beschämt hat. Und verbrenne sie anschliessend.

Die zweite Methode kommt aus der Gestalttherapie und ist ebenfalls sehr wirksam:

Stell Dir die Menschen, die es mitverursacht haben in einem Stuhl Dir gegenüber vor und lass es raus: Sag ihnen, was sie getan haben. Schrei sie an, wenn es hilft. Stell sie an die Wand. Lass es raus. Gib Deiner Wut und Deiner Enttäuschung und Deiner Verletztheit Raum und sage, was Du eigentlich schon seit Jahren in Dich hineinfrisst.

Stelle fest, wo Du Deinen Partner – wie in einem Theaterstück – an die Stelle bestimmter Personen in Deiner Kindheit gesetzt hast und ihm/ihr dasselbe unterstellt hast, wie diesen Menschen.

Nimm wahr, dass das so nicht stimmt, sondern dass sie es waren – nicht Dein/e Partner/in. Er/sie hat sich nur dafür hergegeben, hat sich angeboten und zur Verfügung gestellt, diese Rolle zu spielen, damit Du Dir dieser Gefühle bewusst wirst.

 

Schritt 4: Vergebung

Wenn Du all das getan hast – und erst dann: vergib!

  • Vergib den Menschen, die diese Verletzung verursacht haben, denn sie konnten nicht anders: Sie selbst waren Opfer ihrer eigenen Ängste, Beklemmungen, Scham und emotionalen Verletztheit.
  • Vergib Deinem Partner und danke ihm, dass er seine Rolle so gut gespielt hat.
  • Vergib Dir selbst, dass Du es nicht früher bemerkt hast.

Wie heisst es so schön? Es gibt immer einen der macht und einen, der es mit sich machen lässt – und das sollte auch Deine Vergebung berücksichtigen.

Schreibe Dir also auf:

Wer ist die jeweilige Person? Was hat sie gemacht? Was hast Du zugelassen? Was hast Du im Umkehrschluss gemacht? Was hat die Person zugelassen?

Und dann schreibe folgendes auf und sprich es laut aus:

  • Ich verzeih Dir #Name#, dass Du #Sache# gemacht hast
  • Ich verzeih mir, dass ich das zugelassen habe
  • Ich verzeih mir, dass ich #Sache# gemacht habe
  • Ich verzeih Dir #Name#, dass Du das zugelassen hast

So löst Du die emotionalen Verstrickungen und musst nicht beständig Deinen Partner dafür hernehmen, dass er/sie Dich mit den Schmerzen und Themen konfrontiert.

 

Schritt 5: Tritt Deinem Partner gegenüber

Bitte Deinen Partner um fünf Minuten seiner Aufmerksamkeit. Sage ihm/ihr dass Du nichts willst – sondern nur etwas sagen möchtest und sie/ihn bittest, Dir 5 Minuten zuzuhören.

Schreibe Dir zur Not auf, was Du sagen willst: Wenn Du in der Vergangenheit Angst hattest, Deinem Partner Deine Unsicherheit, Verunsicherung, Schwäche, Verletzlichkeit zu zeigen: Das ist der Moment dafür.

Falls Dein/e Partner/in noch nicht bereit ist und stattdessen Dich beschimpft und beschuldigt und seine Sätze mit „Du“ beginnen, wenn er/sie mit Dir spricht: Sag ja dazu.

Ich weiß, das ist das Schlimmste – es klingt wie eine wirklich, wirklich schlechte Idee – aber ich verspreche Dir, es wird sehr viel verändern:

Wenn Dein Partner Dich für etwas beschuldigt, dann fast immer, weil er unter ähnlichen Verletzungen leidet wie Du. Und weil er nicht in der Lage ist, sich daraus zu lösen, muss er Dich immer noch und immer wieder – wie im o.g. Theaterstück an die Stelle des Menschen setzen, der ihn verletzt und enttäuscht hat.

Wenn Du – wie in einem Theaterstück – die Rolle annimmst und ihm/ihr die Gelegenheit gibst, die Emotionen heraus zu lassen – die nichts mit Dir zu tun haben – aber Du nimmst sie an, dann bedeutet das, dass Du sie/ihn annimmst in all seinem/ihrem Schmerz. Ich weiss, Dein Ego und Dein Stolz wollen rebellieren und schreien: „Aber er/sie hat nicht Recht, es ist nicht meine Schuld, ich bin das nicht – ich habe alles getan und alles richtig gemacht.“

Ja, in Deiner Welt ist das so – und in seiner/ihrer ist es anders. Und es geht nicht um Dich. Es geht um die Verletzungen und die emotionalen Schmerzen Deines Partners. Wenn er/sie also das Bedürfnis hat, Dich zu beschuldigen und anzuschreiben, dann stelle Dich zur Verfügung und sage Dir innerlich immer wieder:

„Ich bin Stellvertreter. Er meint nicht mich persönlich – es ist sein/ihr Schmerz, der gehört werden will – ich bin bereit zuzuhören.“ 

Wenn Dein Partner merkt, dass Du da bist und Dich zur Verfügung stellst, anstatt ihn zu bekämpfen und ihm/ihr zu sagen, dass seine Gefühle falsch sind, wird er/sie das wahrnehmen und sich anders verhalten. Wichtig ist, dass Du es nicht „erträgst“ und „klein beigibst“, sondern dass Du bewusst und offen wirklich zuhörst und Dir bewusst bist, dass es in Wahrheit nicht um Dich geht, aber dass Du Dich Deinem Partner für seinen/ihren Schmerz zur Verfügung stellst.

Wenn Dein Partner bereit ist, Dir zuzuhören, sage ihm/ihr dass Du Deinerseits vieles auf sie/ihn projiziert hast. Sag ihm, welche Wunden und Verletzungen Du hattest und wofür Du sie/ihn „missbraucht“ hast. Bitte sie/ihn um Vergebung dafür.

Wenn Du die Geschichte davon aufgeben kannst, dass Dein Partner der Täter ist und Du das Opfer, dann kann er es möglicherweise auch.

Wenn Du es nicht persönlich tun kannst, tu es in einem Brief.

Sei sicher, dass Du keinerlei Anklage oder Beschuldigung erhebst (nach dem Motto „Aber du hast….“) sondern nur und einzig über Deinen Schmerz, Deine Verzweiflung und Deine Verletzung sprichst.

Erwarte nicht, dass Dein Partner das sofort versteht. Gib ihm/ihr Zeit, das zu verdauen.

Hier ist der Punkt, wo es sich entscheidet, ob ihr die Beziehungskrise bewältigen könnt, oder nicht:

Jede Beziehungskrise entsteht an der Stelle, wo zwei Menschen eigentlich wachsen und heilen könnten, sich aber gegen die Verantwortung und die Erkenntnis wehren. 

Wenn Du die Schritte 1 – 5 wirklich gemacht hast, heisst das, dass Du bereit bist für den nächsten Schritt – raus aus Deinen Mustern und Verletzungen und weiter zu einem selbstbewussten, freien und starken erwachsenen Menschen.

Wenn Dein Partner Dir nicht zuhören will und Dich wieder und wieder und wieder beschuldigt und anschreit – obwohl Du Dich offenbart und Dich im offen und bewusst zur Verfügung gestellt hast, für seinen Schmerz, dann könnte das bedeuten, dass er/sie nicht bereit ist, ihren/seinen Schmerz loszulassen. Er/sie braucht immer noch einen Schuldigen und eine Projektionsfläche.

Dann wäre es tatsächlich sinnvoll, über eine Trennung nachzudenken.

Wenn Dein Partner allerdings beginnt zu verstehen und langsam bereit wird, sich ebenfalls mit seinen echten Wunden und Bedürfnissen zu beschäftigen, habt Ihr genau das geschafft, wofür eine Beziehungskrise gedacht ist: Ihr seid gewachsen.

Dann gäbe es

Schritt 6: Verbindet Euch wieder miteinander

Die meisten Coaches, Therapeuten oder Ratgeber empfehlen, viel miteinander zu reden. Ich empfehle in dieser Phase etwas ganz anderes:

Nehmt Euch ca. 15 Minuten Zeit – und redet nicht.

Such Dir wenn möglich passende Musik aus: Musikstücke, die für Euch beide angenehm sind und die auch etwas bedeuten: Vielleicht welche, die ihr kennt in denen es um Liebe und Verzeihen geht. Oder welche die Euch verbinden.

Findet 4 – 5 Stücke – so dass es etwa 15 Minuten ergeben.

Setzt Euch einander gegenüber und schaut Euch in die Augen. Für diese 15 Minuten.

Erinnert Euch daran, wie Ihr Euch kennen gelernt habt. Was Ihr aneinander schätzt und mögt. Was ihr schon miteinander erlebt und voneinander gelernt habt.

Lasst alle Gefühle zu, die in diesen 15 Minuten auftauchen.

Wenn einer von Euch weinen muss, lasst ihn weinen. Auch wenn einer lachen muss oder sogar böse wird – alle ist erlaubt. Nur versprecht Euch, diese 15 Minuten auszuhalten und zuzulassen – ohne zu urteilen. Einfach da zu sein und Euch wirklich anzuschauen, Euch wirklich wahrzunehmen.

Und macht dies jede Woche ein mal.

Am besten: Für immer.

Klingt das nach viel Arbeit?

Kann sein! Ist es Aufwand? Ja. Erfordert es Mut? Ganz sicher! Lohnt es sich? Auf jeden Fall!

Und es lohnt sich nicht nur, weil Du Dir damit unter Umständen Rosenkriege, Anwaltskosten und eine Scheidung ersparst, sondern auch, weil Dein persönliches Wachstum und Deine Befreiung jeden Aufwand wert ist, denn genau deshalb hast Du Dich in diese Beziehung begeben.

Das wusstest Du nur damals noch nicht.

Du hast Dich aus den falschen Gründen in Deinen Partner verliebt – doch Du könntest aus den richtigen mit ihm zusammen bleiben.

Eine Beziehungskrise ist eine Chance zu wachsen. Du kannst Dich damit aus dem Täter-Opfer-Spiel befreien – wenn Du willst.

Es erfordert Mut und Willen. Und es ist jeden Moment wert!

Ich wünsche Dir alles erdenklich Liebe und Gute!

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