Bin ich verliebt? Und woran erkenn ich, ob ich verliebt bin? Bilde ich mir das verliebt sein gerade ein?

Und vor allem: Wo ist der Unterschied zwischen Verliebtheit und Liebe?

Grundsätzliche Zeichen, an denen Du erkennst: „Bin ich verliebt?“

Ich habe es schon oft erlebt, dass Menschen mir gesagt haben, dass sie sich seit ihrer ersten großen Liebe nicht mehr verlieben könnten. Bei näherer Betrachtung ist dann aufgefallen, dass sie auf ein bestimmtes Gefühl oder eine bestimmte Anspannung gewartet haben, die sie bei ihrer allerersten Verliebtheit erlebt hatten.

Jedoch: Jeder Mensch und jede Beziehung ist anders. Und damit ist auch jedes Verliebtsein ein bisschen anders. Es ist überhaupt nicht ungewöhnlich, dass sich Verliebtheit nicht immer gleich anfühlt. Oft hat das damit zu tun, wie wir einander kennenlernen und zum Beispiel auch welches „Timing“ die Beziehung hat.

Zeichen für Verliebtheit sind:
  • Du denkst an die Person und musst unwillkürlich lächeln
  • Wenn ihr Euch trefft oder treffen wollt, bist Du mindestens ein wenig aufgeregt
  • Wenn Du schlafen gehst, denkst Du an diesen Menschen und wann/ob ihr Euch wieder seht
  • Du hast Tagträume und erotische Fantasien mit ihr/ihm
  • Du überlegst, wie Du es schaffen kannst, mehr Zeit mit ihm/ihr zu verbringen
Wenn Du richtig verliebt bist, kommt dazu möglicherweise auch noch:
  • Konzentrationsschwäche: Du denkst dauernd an den anderen und kannst Dich nur schwer auf Deine Arbeit und andere Dinge konzentrieren
  • Appetitlosigkeit: Du hast irgendwie gar keinen Hunger – kein Wunder: Dein Bauch ist ja voller Schmetterlinge 😉
  • Du summst vor Dich hin oder hast plötzlich einen veränderten Musikgeschmack
  • Du findest Dinge, die Du sonst kitschig und albern findest, plötzlich schön oder „süß“
Zeichen dafür, dass Du „krankhaft“ verliebt bist (und das ist nicht so gut!):
  • Du versuchst mehr über sie/ihn herauszufinden und „stalkst“ die Person heimlich auf Google, Facebook, Instagram etc. oder sogar im richtigen Leben (keine gute Idee!)
  • Du schaust dauernd auf Dein Handy, ob er/sie sich meldet oder irgendwo zeigt
  • Du findest niemand anderes mehr interessant oder attraktiv

 

Verliebt oder mehr?

Verliebt zu sein, ist es etwas anderes als lieben. Darauf gehe ich später noch in diesem Artikel ein. Es gibt einen großen und wichtigen Unterschied zwischen dem Verlieben und dem Lieben.

Viele Menschen, die oft unglücklich verliebt sind oder schon lange nicht mehr verliebt waren, haben das entsprechende Gefühlschaos, wenn sie jemanden kennenlernen. Die Frage „Bin verliebt und ist das richtig so?“ sorgt dafür, dass sie das Verliebt sein nicht genießen können.

Allerdings sind es auch genau so viele Menschen, die verliebt sind in jemanden, der als Partner eigentlich eine totale Katastrophe für sie ist und sie fragen sich: „Warum verliebe ich mich immer wieder in solche Menschen?“

Wie ich schon in meinem Artikel „7 Fakten die bestimmen, ob und und in wen wir uns verlieben“ beschrieben habe, gibt es einige wichtige, unbewusste Faktoren, die dafür sorgen, dass Du Dich von bestimmten Menschen auf diese ganz besondere Weise angezogen fühlst. Manchmal auch gerade von Menschen, die Dir eigentlich nicht gut tun.

7 Fakten die bestimmen, ob und in wen wir uns verlieben

 

Einige davon sind die besten Hinweise darauf, ob Du verliebt bist:

Du verliebst Dich nämlich

  • in Menschen, von denen Du glaubst, dass sie Deine Bedürfnisse befriedigen können:
    • Man sagt ja so schön, dass Verliebtheit zu über 90 % aus Projektion besteht – und genau das ist damit gemeint.
    • Du projizierst Deine Wünsche und Bedürfnisse auf einen Menschen, der aus irgendeinem Grund dafür besonders geeignet erscheint. Du stellst ihn/sie Dir vor in bestimmten Situationen mit Dir. Du glaubst, dass es ganz toll wäre, wenn dieser Mensch dann so ist, wie Du es Dir gerade erträumst. Er/sie ist einfach eine perfekte „Leinwand“ für Deine Träume und Bedürfnisse.
    • Fragst Du Dich „Bin ich verliebt?“ dann frage Dich einfach mal: „Was erträume ich mir von und mit diesem Menschen?“ und frage Dich auch, ob dieser Mensch überhaupt Anstalten macht, diese Bedürfnisse und Träume, die Du hast, erfüllen zu wollen.
  •  In Menschen, die etwas repräsentieren, das Du gerne hättest oder wärst
    • Oft hat das auch mit Dingen zu tun, die Dir gerade in Dir oder im Leben fehlen: Wer sich z.B. oft in Menschen verliebt, die einen ganz anderen Lebensstil haben, als sie selbst, der ist womöglich nicht ganz so glücklich mit der Art wie er gerade lebt – will es sich aber vielleicht nicht eingestehen. Der Wunsch nach einem anderen „Lifestyle“ wird dann in die Beziehungsebene verlagert.
    • Manche Menschen verlieben sich z.B. in Menschen, die bestimmte Eigenschaften repräsentieren, die sie selbst gerne hätten – die z.B. besonders selbstsicher oder erfolgreich sind oder die ganz andere Werte leben. Ein Klassiker hier ist z.B auch die Urlaubsliebe, wo man sich nicht nur in den Menschen sondern auch in die Freiheit und die tolle Stimmung verliebt, die man im Urlaub (und mit diesem Menschen) vielleicht gespürt hat.
    • Fragst Du Dich also: „Bin ich verliebt?“ dann frage Dich ruhig: „In was genau bin ich verliebt?“ vielleicht ist es viel mehr das, was der Mensch in Deinem Fokus repräsentiert – für welches Leben oder welche Haltung er/sie steht, als der Mensch selbst.
  • in Menschen, die das Potenzial haben, ungeklärte Traumata mit Dir zu re-inszenieren
    • Klingt jetzt erst mal kompliziert – lässt sich aber ungefähr so beschreiben: Oft verliebt man sich in jemanden, der eine Charaktereigenschaft oder auch ein eigenes Trauma hat, die/das z.B. ein Elternteil hatte. Wir verlieben uns quasi in jemanden, der etwas an sich hat, womit man schon als Kind Leid erfahren hat. Doch gerade davon geht eine große Faszination aus und wir fühlen uns genau dazu hingezogen. Sehr offensichtlich ist das z.B. bei Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt werden oder deren Partner Alkoholiker ist: Fast alle hatten einen Vater, der das auch war. Aber es geht auch viel subtiler!
    • Ein Großteil meiner Klienten, die das Gefühl haben, „Pech in der Liebe“ zu haben, haben dieses Problem – und es ist nur deshalb ein Problem, weil sie den Mechanismus dahinter nicht erkannt haben.
    • Letztlich geht es darum, dass das Unterbewusstsein sich einen Menschen aussucht, mit dem es die Situation, die in der Kindheit nicht bewältigt werden konnte, jetzt nochmal erleben kann. Dahinter steht die Hoffnung, dass die Situation endlich gelöst wird und dann das Trauma bewältigt wird uns sich auflöst.

 

Vielleicht fällt Dir beim Lesen dieser drei Hauptmerkmale für Verliebtsein auf, dass die Verliebtheit sehr viel mehr mit Dir zu tun hat, als mit dem Menschen, in den Du möglicherweise verliebt bist, oder?

 

Liebe und Verliebtheit – der Unterschied

Oft werde ich gefragt: „Wie genau ist denn der Unterschied zwischen Verliebtheit und Liebe?“ und vermutlich kann das niemand so ganz genau sagen. Was ich daher jetzt schreibe, ist meine Definition. Ich habe sie in den letzten 20 Jahren aus meiner Arbeit als Datingcoach und Beziehungscoach erfahren und erarbeitet:

Verliebtheit und Liebe sind beides zunächst einmal „Gefühlszustände“. Das heißt, sie spielen sich im Inneren der Person ab, die sie erlebt. Warum das so wichtig ist und wie meine konkrete Definition von „Was ist Liebe?“ lautet, liest Du in meinem gleichnamigen Artikel in diesem Blog:

Was ist Liebe?

Verliebtheit ist ein aufgeregter und schwankender Gefühlszustand:

  • Der andere macht Dich nervös und aufgeregt.
  • Du stellst Dir alle möglichen Situationen mit ihm/ihr vor.
  • Du projizierst Deine Wünsche und Träume auf die Person.
  • Dein Wunsch ist, dass der andere sich auf eine bestimmte Art verhält.
  • Du willst, dass der andere Dich mag und auch in Dich verliebt ist.
  • Es gilt der Spruch: Du „willst etwas“ von dem anderen.
  • Du stehst auf eine gewisse Art „neben Dir“.
  • Dein Denken dreht sich darum, wie Du den anderen dazu kriegen kannst, sich so zu verhalten, wie Du es Dir wünschst.
  • Du versuchst, herauszubekommen, was Du tun kannst, damit der andere Dich gut findet.
  • Deine Laune ist abhängig davon, wie nah Du Dich dem anderen fühlst.
  • Du machst Dir Sorgen, wenn er/sie etwas/jemand anderes ausser Dir auch gut findet
  • Du denkst zwar permanent an den anderen – aber eher weil Du Dich fragst, ob er/sie Deine Bedürfnisse und Sehnsüchte erfüllen wird

 

Liebe ist ein ruhiger und eher tiefer, verbundener Gefühlszustand:

  • Du hast das Gefühl, dass Du dem anderen vertrauen kannst
  • Du willst und kannst Dich öffnen und zeigen, wie Du wirklich bist
  • Dein größter Wunsch ist, dass es dem anderen gut geht – selbst wenn Du nicht der Auslöser dafür bist
  • Du hast das Gefühl einer Verbindung, die über Worte und Taten hinaus geht
  • Deine Laune ist nicht abhängig davon, ob der andere immer tut was Du willst – Du liebst diesen Menschen auch wenn er Fehler macht
  • Du willst Ehrlichkeit zwischen Euch – auch wenn das manchmal nicht das ist, was Du gerne hörst
  • Du weisst, dass Eure Verbindung etwas besonderes ist und musst nicht eifersüchtig sein
  • Ihr teilt alles – Freude und Sorgen – und seid für den anderen da, wenn er es will und das möglich ist
  • Du  gibst nicht nur, sondern nimmst auch seine/ihre Geschenke und Aufmerksamkeit mit offenen Armen an und lässt Dich lieben
  • Du kannst Freude, Verbundenheit und Zuneigung zum anderen empfinden, selbst wenn sich Eure Wege trennen oder er/sie Deine Bedürfnisse nicht erfüllen kann.

Liebe Test

 

„Liebe ist bedingungslos – Beziehung ist es nicht.“

Das ist der Satz, den ich oft in meinem Seminar „Finde die Liebe“ sage, denn genau das ist es, was das Lieben manchmal so schwer macht:

Dass wir den Gefühlszustand der Liebe und die Situation der Beziehung durcheinander bringen. Beziehungen haben Bedingungen. Das müssen sie auch! Doch wir müssen unterscheiden lernen – und das ist eine lebenslange Aufgabe für jeden Menschen – das einzigartige und wundervolle Gefühl der Liebe zu trennen von unseren höchst menschlichen Bedürfnissen und Wünschen in unseren Beziehungen.

Natürlich wünscht sich jeder Mensch auf der Welt Zuneigung, Geborgenheit, Zuspruch, Wertschätzung, Anerkennung. Und es ist das natürlichste auf der Welt, dass wir uns das ganz besonders von dem Menschen wünschen, mit dem wir in einer partnerschaftlichen Beziehung sind. Doch wir müssen auch lernen, dass wir dies nicht erreichen können durch Manipulation, Leistungsbereitschaft, Beschuldigungen oder ähnliche destruktive Verhaltensweisen.

Byron Katie hat einmal während eines Vortrages gesagt: (Deutend auf einen Stuhl, der auf der Bühne stand) „Bedingungslose Liebe ist dieser Stuhl. Er nimmt mich an, wie ich bin. Und wenn ich aufstehe und gehe, dann läuft er nicht hinter mir her und ruft: Warum verlässt Du mich?“ 

Das ist eine recht drastische Betrachtung – aber letztlich: Eine philosophische aber hilfreiche Betrachtung der Liebe an sich und den Unterschied zur äußeren Situation der Beziehung.

 

Bin ich verliebt und wenn ja, was jetzt?

Wie Du vielleicht durch diesen Artikel gemerkt hast, ist Verliebtheit nicht dasselbe wie Liebe und es sogar ein ziemlich „egoistischer“ Zustand. Es ist außerdem auch ein fast schon psychotischer Zustand: Dein Körper schüttet so viele Hormone aus, dass Du an sich nicht mehr  zurechnungsfähig bist.

Unser größter Fehler ist oft, dass wir glauben, dass wir mit jedem Menschen, in den wir verliebt sind, auch unbedingt eine Beziehung anfangen müssen. Auch, wenn der, in den wir verliebt sind

  • gar keine Beziehung mit uns haben will
  • schon (oder noch) eine Beziehung mit jemand anderem hat
  • ganz andere Bedingungen für eine Beziehung hat und will, als wir
  • gar nicht für eine Beziehung mit uns geeignet ist
  • am anderen Ende der Welt (oder des Landes) lebt
  • jemand ist, der uns Schaden zufügen will oder wird

Das hat mit den Illusionen und Projektionen der Verliebtheit zu tun.

Aber vielleicht muss ja nicht aus jeder Verliebtheit direkt eine Beziehung entstehen?

Was wäre, wenn Du wahrnehmen könntest: Ja, ich bin verliebt.

Und wenn Du Dich dann fragen würdest: Was macht mich so verliebt in diesen Menschen?

Verliebtheit entsteht, wenn der anderen etwas in uns „aufregt“, das uns bisher nicht bewusst war: Er/sie repräsentiert etwas Unbewusstes in uns, an das wir alleine nicht heran kommen. Doch das, was uns verliebt macht, ist etwas in uns.

Man müsste also im Grunde statt: „Ich bin verliebt in Dich“ (oder oft auch anstatt „Ich liebe Dich“) fairerweise sagen: „Ich bin verliebt in die Inhalte, die Du in mir weckst und aufregst!“

Das klingt im ersten Moment etwas sehr unromantisch – denn es hat so einen Anklang von: Eigentlich ist einem der andere als Mensch total egal – man ist letztlich ein bisschen wie ein Junkie hinter dem Gefühl her, dass der andere da in uns hervorruft und will möglichst viel davon haben. Und so ist es ja eigentlich auch.

Sehr romantisch kann es dann allerdings wieder werden, wenn man sich dessen bewusst wird und sich dann wiederum ganz bewusst entscheidet, genau diesen Menschen dann auch zu lieben (siehe oben) und nicht nur „verliebt zu sein“.

So könnte man dann auch mit Menschen, die nicht für eine Beziehung bereit oder geeignet sind, besser umgehen: Mach Dir klar, dass es nicht der Mensch ist, den Du willst, sondern nur das Gefühl und die Gedanken, die er bei Dir auslöst. Du musst diesen Menschen gar nicht „haben“. Es ist nicht notwendig, eine Beziehung zu beginnen. Es ist nicht notwendig, sich zum Vollidioten zu machen, damit der andere vielleicht das tut, was Du Dir wünschst…. Du darfst auch einfach so verliebt sein und das Gefühl wahrnehmen.

Du kannst daraus lernen, was es ist, was Du in Deinem Leben haben möchtest, welchen Schmerz Du auflösen möchtest, welche Sehnsüchte Du wirklich hast.

Klingt das nach einem komischen Konzept für Dich oder kannst Du es nachvollziehen?

Diskutieren und Teilen dieses Artikels ist ausdrücklich erwünscht. 🙂

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