Viele Menschen sind gar nicht schüchtern – eigentlich: Bei vielen würde man niemals glauben, dass sie mit Schüchternheit ein Thema haben,  denn sie sind gut im Job, haben Freunde und Bekannte und können richtig keck und schlagfertig sein, nur wenn ihnen jemand gefällt… dann geht gar nichts mehr.

Kennst Du das auch? Ich nenne das „punktuelle Schüchternheit“ – also eine Schüchternheit, die nur in ganz bestimmten Momenten auftritt, bei Menschen, die sonst im Leben eigentlich gar nicht schüchtern sind.

Genau so ein Mensch war Inga!

Es ist schon eine Weile her – da hatte ich mit Ihr und ihrem Team eine Verabredung: Sie war Fernseh-Reporterin und machte so eine Art „Selbsterfahrungs-Experiment“. Sie war Single und wollte verschiedene Wege ausprobieren, wie man den „Traumpartner“ finden kann. Sie war hübsch, intelligent und alles andere als auf den Mund gefallen. Nur wenn es darum ging, einem Mann in irgendeiner Art „entgegenzukommen“ – da war ihr Selbstvertrauen im Keller und ihr Mut löste sich in Luft auf.

Klarer Fall von „punktueller Schüchternheit“!

Kennst Du das vielleicht auch?

Du bist eigentlich alles andere als schüchtern – nur wenn Dir jemand gefällt… dann wirst Du rot, fühlst Dich hässlich, hast keine Ahnung was Du sagen sollst, benimmst Dich total dämlich oder gehst direkt auf Tauchstation!?

Genau so ging es Inga auch – ich konnte mir das kaum vorstellen.

Da wir in einem Café saßen, machte ich sie auf den nett aussehenden Typen aufmerksam, der nicht weit von uns am Tresen saß und Zeitung las. „Ich hätte gerne noch einen Kaffee“, sagte ich zu ihr, „Kannst Du nicht einfach da hin gehen und wenn er auf Dich aufmerksam wird, während Du bestellst, lächelst Du ihn einfach nett an und sagst Hallo. Ist doch nicht so schwer!?“

Inga wurde knallrot, dann sehr blass und dann wieder rot. Von einer Sekunde auf die andere war sie so aufgeregt und überfordert, dass sie sogar die Kamera abstellen wollte und am liebsten davongelaufen wäre. Schließlich ging sie doch zum Tresen – ich konnte ihre Hände zittern sehen.

Der Mann sah von seiner Zeitung auf, als sie neben ihm stand und sah sie freundlich an. Sie stammelte regelrecht ein halb verschlucktes „Hallo“ raus, um sich dann direkt von ihm weg zu drehen, den Kaffee zu bestellen und so schnell wie möglich wegzulaufen.

Als sie wieder neben mir am Tisch saß, war sie schweißgebadet und machte sich Vorwürfe, wie dämlich sie sich gerade angestellt hatte. Sie hatte alle möglichen Ideen, was der Kerl jetzt über sie denken würde und wie megapeinlich das war.

„Und so fühle ich mich jedes Mal!“, sagte sie zu mir.

Ich tat etwas unglaubliches:

Ich stand auf, ging auf den Mann am Tresen zu, grüßte ihn, redete kurz mit ihm und dann küsste ich ihn. Ich nahm seine Hand und ging mit ihm zu unserem Tisch. Reporterin Inga fielen fast die Augen aus dem Kopf.

Dann sagte ich zu ihr: „Darf ich dir meinen Mann Claudius vorstellen?“

Im ersten Moment war sie sauer, dann musste sie lachen. Und dann hatte sie verstanden:

Ich hatte meinen Mann als „Lockvogel“ mitgebracht, um ihr zu demonstrieren, dass ihr innerer Zustand überhaupt nichts mit dem Mann zu tun hatte. Der Zustand gehörte vollkommen ihr selbst und wurde nur von ihr und ihren Gedanken herbeigeführt. Der Mann hatte gar nichts damit zu tun.

Dieser Mann war mein Mann: Er war nett, freundlich und er hatte sogar schon auf sie gewartet. Er hatte sich darauf gefreut, von ihr angesprochen zu werden und war mehr als bereit, freundlich auf sie zu reagieren und mit ihr zu sprechen.

Alles was bei ihr passiert war: Die Nervosität, die Anspannung, das peinliche Gefühl, die Angst, die Scham – hatte nichts, gar nichts mit ihm zu tun. Es war nur eine Folge ihrer „Wahnvorstellungen“.

Wahnvorstellungen

Da sitzt ein total netter Typ (oder eine total tolle Frau) – Du siehst sie/ihn und Du benutzt die Anwesenheit dieses Menschen, um Dir selbst schlechte Gefühle zu machen… und er kann gar nichts dafür der arme Kerl. Mensch bist Du gemein!

Dein Gegenüber ist keine Gefahr – Deine eigenen Gedanken sind es, die eine Gefahr sind – doch diese Gedanken haben fast nie etwas mit der Realität zu tun… und doch glaubst Du ihnen, obwohl sie dafür sorgen, dass Du Dich schlecht fühlst.

Und Du bleibst lieber bei Deinen schlechten, urteilenden, angsterfüllten Gedanken über andere Menschen und machst sie damit zu Deinen Feinden, als die Wahrheit herauszufinden und sie kennen zu lernen… vor lauter Angst, dass irgendeiner von denen tatsächlich mal schlecht reagieren könnte.

 

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Du sagst, Du hast Angst vor Ablehnung – aber: Wer lehnt hier wirklich ab?

Jedes mal, wenn jemand Dich anlächelt oder Dir einen Blick schenkt und Du Dich aus Verlegenheit einfach wegdrehst, lehnst Du jemanden ab.

Du bist ein Ablehner.

So gesehen ist es eigentlich kein Wunder, dass Du Angst hast, von anderen abgelehnt zu werden, denn Du tust es ja die ganze Zeit.

Und Du hast so gute Gründe dafür, nicht wahr? Es ist Deine Schüchternheit. Das ist ein wirklich guter Grund…

Du hast Angst davor, was andere über Dich denken könnten – Du möchtest nicht, dass jemand denkt, dass Du

  • billig bist
  • leicht zu haben bist
  • bedürftig bist
  • nicht gut genug bist
  • hässlich bist
  • nicht souverän bist

Die Liste ließe sich ewig fortführen. Du wärst sicher weniger schüchtern, wenn Du mehr Sicherheit von Deinem Gegenüber bekommen könntest, stimmt’s?

Würde Deine Schüchternheit sich bessern, wenn Du wüsstest, wie der andere auf Dich reagiert?

Wäre es nicht schön, wenn Du wissen und bestimmen könntest, was jemand anders über Dich denkt?

Stell Dir das mal vor: Du könntest durch die Welt gehen und sagen: „Der ist mir egal – aber der da, der soll denken dass ich toll bin. Und der da – der soll auch denken, dass ich toll bin aber er soll auch sofort erkennen, dass er eh keine Chance bei mir hätte und mich nicht ansprechen.“

Wäre es nicht toll, wenn alle Menschen immer so reagieren wie Du es gern hättest?

Für viele schüchterne Menschen klingt dieser Gedanke verlockend – für andere auch wieder beängstigend.

Und ganz ehrlich: Drehen wir doch den Spieß mal um: Wie fändest Du es, wenn jemand anders bestimmen könnte, was Du denkst und was Du jetzt tun sollst? Keine so gute Idee, oder?

Und glaubst Du wirklich, Du bist so wichtig, dass andere Menschen lange über Dich nachdenken? Dass sie sich Gedanken um Dich machen und ihre Zeit damit verbringen, Dich zu studieren und zu beurteilen?

Mensch, Du bist aber ganz schön eingebildet… 😉

Mit anderen Worten:

Höre auf, kontrollieren zu wollen, was andere über Dich denken. Das ist Zeitverschwendung und außerdem ganz schön fies.

Wenn Du Deine Schüchternheit loswerden willst: Fang lieber an, zu kontrollieren, was Du über andere denkst: Mach andere Menschen nicht zu Deinen potentiellen Feinden, wenn Du in Wahrheit gemocht werden willst. Niemand mag jemanden, der ihn vorher zu seinem Feind erklärt hat.

Eigentlich ganz logisch, oder?

Dein Hauptfeind ist Deine eigene Scham – deine Angst nicht zu genügen. Doch das wird nicht besser, wenn Du anderen, die Du interessant findest, direkt unterstellst, dass Sie Dich nicht mögen…

Punktuelle Schüchternheit ist heilbar – wenn man weiß, wo man ansetzen muss.

Und genau darum geht es auch in meinen Seminaren – ich arbeite nicht nur mit Menschen, die offensichtlich schüchtern sind. In meine Seminare kommen auch keine Menschen, die „offensichtlich dämlich“ sind. Ich arbeite fast ausschließlich mit Menschen, die alles im Leben auf die Reihe kriegen – außer eins… und ich liebe es.

 


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