Kann man Flirten lernen oder ist das sowas wie ein Naturtalent – die einen haben es, die anderen eben nicht?

Ich behaupte: Jeder kann flirten lernen. Doch nicht jeder versteht, warum er flirten lernen sollte!

Wenn Du Dich fragst, ob Du besser flirten lernen solltest, wäre es zunächst mal wichtig, dass Du für Dich definierst, was Flirten genau ist und warum Du flirten lernen willst. Denn die meisten Menschen, die zu mir in einen Flirtkurs kommen, wollen eigentlich gar nicht flirten lernen:

Viele Menschen würden lieber lernen, wie sie es schaffen, mit einer einzigen gezielten Aktion genau wissen zu können, dass der Mensch, den sie da bemerkt haben, wirklich zu ihnen passt, dass er Single ist und dass sie genau das Richtige tun können, um diesen Menschen davon zu überzeugen, dass es toll wäre, eine (längere oder kürzere) Beziehung miteinander einzugehen.

Wie bitte?

Nun, die meisten Leute tun sich schwer mit dem Flirten:

  • man weiss ja nicht, ob der andere überhaupt Single ist
  • was ist denn, wenn derjenige gar nicht so passend ist, wie man dachte?
  • Angst, sich zu blamieren
  • keine Ahnung, was man sagen kann
  • Angst, dass man den anderen viellicht nicht mehr los wird
  • ich könnte falsch verstanden werden, und dann…

Kennst Du das auch?

Oder was hält Dich vom Flirten lernen am meisten ab?

Denn: Wenn Du „Flirten lernen“ willst, heißt das ja, dass Du es im Moment vielleicht noch nicht (oder nicht mehr) so gut kannst. Und wenn diese Dinge Dich vom Flirten lernen abhalten, wie willst Du es dann jemals lernen?

Wenn Du etwas lernen möchtest, dann brauchst Du vor allem eins:

Übung!

 

Das gilt auch für’s Flirten lernen!

Um ein guter Flirter zu werden, reicht es nicht, wenn Du einmal die Basics erklärt bekommst oder „die Regeln“ kennst.

So wie Du kein guter Fussballer bist, nur weil Du weisst, was ein Abseits ist oder kein toller Gitarrist, nur weil Du die Noten kennst  und auch kein guter Autofahrer, nur weil Du die Verkehrsregeln gelernt hast.

Wenn Du besser flirten lernen willst, dann gilt dasselbe, wie in allen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Du sonst hast:

Natürlich gibt es „Regeln“, Basics, Infos…

Aber das Wichtigste ist:

Übung.

Und „Übung“ wirst Du nie bekommen, wenn Du voraus setzt, dass Du bereits in der Übungsphase immer alles richtig machst:

 

Flirten lernen heisst nicht, dass Du

  • immer schon sofort weisst, was zu tun ist
  • vom ersten Moment an jede Situation richtig einschätzen kannst
  • für jede Situation den passenden „Spruch“ parat hast
  • nie einen Korb bekommst
  • beim ersten Versuch den Partner für’s Leben kennen lernst

Du würdest nicht erwarten, dass Du sofort nach dem Lernen der Regeln ein spitzen Fussballer bist, oder nach der ersten Fahrstunde ein toller Autofahrer. Du würdest auch nicht erwarten, dass Du einen konzertreifen Auftritt vor Publikum hinbekommst, nachdem Du mal die Gitarre in die Hand genommen und die Noten gelernt hast, oder?

Und das ist der Moment, wo Du mir sagst, dass es mit dem Flirten lernen aber eben nicht so einfach ist: Schließlich geht’s hier nicht ums Autofahren oder Gitarre spielen – es geht ja irgendwie auch um Deine Gefühle und Du willst schließlich auch nicht abgelehnt werden oder Dich blamieren, stimmt’s?

Eine unbequeme Wahrheit

Wenn Du flirten lernen willst: Wenn Du also lernen willst, wie Du

  • Interesse an Dir erkennst
  • Interesse weckst
  • auf andere zugehst
  • andere dazu bringst auf Dich zuzugehen
  • Signale erkennen und senden kannst
  • andere ansprechen willst

und so weiter…  Dann hat das immer damit zu tun, dass zwei Menschen miteinander in Kontakt kommen sollen.

Einer dieser zwei Menschen bist Du.

Der andere Mensch ist ein Fremder.

Und jeder Mensch hat einen freien Willen. Dieser andere Mensch hat seine Träume, Sehnsüchte, einen bestimmten Geschmack, gute und schlechte Erfahrungen mit anderen, Wünsche, Ideen, eine bestimmte Laune in diesem Moment und noch vieles mehr.

 

Auf all das hast Du keinen Einfluss.

Und keine „Flirttechnik“ der Welt, wird es Dir ermöglichen, diese Dinge zu verändern.

Warum also überhaupt flirten lernen, wenn Du all diese Dinge nachweislich nicht beeinflussen kannst?

Ganz einfach: Auch wenn Du die Wünsche, den Geschmack, die Grundverfassung und all das eines anderen Menschen nicht beeinflussen kannst, so kannst Du lernen, gute Angebote zu machen.

Und genau darum geht es beim Flirten lernen:

Der Flirt ist ein Ritual – ein „Annäherungsritual“

Und dieses Ritual hat „Regeln“ aber auch Ausnahmen. Und er besteht – genau wie Fußball, Gitarre spielen und alles andere –  nicht nur aus der Kenntnis der Regeln sondern eben auch aus Fähigkeiten und Fertigkeiten, Fingerspitzengefühl, Timing, Beobachtungsgabe und so weiter.

Beim flirten lernen solltest Du also auch lernen, worum es wirklich geht, wie Du Deine Ängste und Deine Selbstzweifel hinter Dir lässt und wie Du anderen gute Angebote machst. Denn genau daran scheitern die meisten Menschen, wenn sie sich dann doch mal trauen:

Sie wissen einfach nicht, wie sie ein gutes Angebot machen können. Aber dazu gleich mehr – vorher geht es um etwas anderes:

 

Flirten lernen – Schritt für Schritt

 

Schritt 1 beim Flirten lernen: Den Flirt verstehen

Den Flirt zu verstehen bedeutet, sich damit auseinander zu setzen, dass der Flirt kein Manipulationswerkzeug ist, um Menschen dazu zu bringen, Dich zu mögen, obwohl sie eigentlich gar nicht wollen. Der Flirt ist – wie oben schon erwähnt – ein Annäherungsritual.

Den Flirt zu verstehen bedeutet auch, in sich selbst hinein zu spüren und sich die Frage zu beantworten: „Was genau hält mich wirklich davon ab, mit Menschen zu flirten?“ – also welche Glaubenssätze hast Du über das Flirten?

Wenn Du wirklich Flirten lernen willst – also auch „flirten können“ möchtest, dann wäre es doch toll, wenn der Flirt etwas wäre, was Du gerne machst? Etwas, worauf Du Dich freust und worauf Du Lust hast.

Nicht etwas, wozu Du Dich „überwinden“ musst.

Flirten lernen heißt letztlich, Interesse an spielerischen, heiteren Begegnungen ganz generell zu haben, und mit dem Interesse an Menschen des anderen Geschlechts unbefangen und spielerisch umzugehen und sich gegenseitig ein gutes Gefühl geben zu können.

Und das ist der Moment wo mir viele Menschen sagen: „Was soll das bringen? Ich will ja nicht „mit jedem“ flirten – ich will ja jemanden ansprechen oder anlocken können, der mir gut gefällt – und genau da kann ich es immer nicht.“

Und da sind wir bei

Schritt 2 beim Flirten lernen: Dein Selbstbild positiv stärken

Viele Menschen wollen oder können nämlich in Wahrheit nur deshalb nicht flirten lernen, weil sie wenig von sich selbst halten:

Sie sehen sich als ein Ansammlung von Unzulänglichkeiten und wissen sehr genau, was sie alles nicht sind, nicht können, nicht haben. Kommt Dir das bekannt vor? Damit bist Du nicht allein.

Es ist ja auch so eine Art „Mode“ oder fast schon „gute Kinderstube“, nur nicht allzu viel von sich selbst zu halten. Und auch unser Schulsystem ist so strukturiert, dass es uns beständig nur „unsere Fehler“ und unser Nichtwissen aufzeigt und fordert, dass es ausgeglichen und „verbessert“ wird. Kein Wunder, dass wir als Erwachsene irgendwann ganz automatisch immer nur auf unsere Fehler, unser Nichtwissen und unser Nichtkönnen schauen.

Doch das große Falle dabei ist: Wer sich selbst ständig nur in seiner Verfassung als „Nichtkönner“ betrachtet, hat keine besonders gute Meinung von sich selbst. Kann sich auch nicht vorstellen, dass andere so jemanden haben wollen könnten…

Und dann siehst Du jemanden, den Du toll findest:

Du siehst an diesem Menschen vermutlich erst mal nicht, was dieser Mensch vielleicht alles nicht ist oder nicht kann oder nicht weiß. Nein, Du siehst das tolle Lächeln, die freundliche Ausstrahlung, den attraktiven Körper… was auch immer. Du siehst Dinge, die Dir gefallen. Und Du denkst: „Die/der ist toll!“

Dann vergleichst Du diesen Menschen mit Dir – bzw. mit dem Bild, das Du Dir von Dir selbst gemacht hast: Dem Nichtkönner.

Und vermutlich schneidest Du dabei nicht besonders gut ab, habe ich Recht?

Kein Wunder also, dass Du diesen wundervollen Menschen nicht mit der Bürde Deiner kümmerlichen Existenz belasten möchtest.

Aber es kommt noch schlimmer: Du überträgst nämlich oft genug die Verantwortung dafür auf diesen anderen Menschen!

Was höre ich von meinen Seminarteilnehmern ganz häufig auf die Frage: „Wenn Du jemanden interessant findest und ihn dann offenbar doch nicht anflirtest – welche Gedanken gehen Dir dazu durch den Kopf in diesem Moment, dass Du es eben nicht tust?“:

  • Er/sie will mich bestimmt sowieso nicht
  • Er/sie hat bestimmt schon eine/n Partner/in
  • Ich bekomme bestimmt einen Korb von ihr/ihm

Also fassen wir zusammen:

Weil Du wenig von Dir hältst, denkst Du, dass der andere Dich ablehnen wird.

Nun ja, vermutlich wirst Du damit sogar Recht haben, denn Menschen, die sich die ganze Zeit selbst fertig machen, sind keine besonders angenehme Gesellschaft. Ihre Körperhaltung ist nicht besonders attraktiv und ihr Gesichtsausdruck miesepetrig. Wer will so jemanden schon kennen lernen?

Aber HALT: Schließlich bist Du ja derjenige, der das über Dich denkt – Du könntest ja auch etwas anderes denken?

Du könntest vielleicht damit beginnen, auch mal auf die Dinge zu schauen, die ganz schön an Dir sind. Oder Du achtest vielleicht sogar auf die, die Du kannst und auch auf die, die Deine Freunde an Dir mögen. Möglicherweise kannst Du herausfinden, dass Du doch ein ganz passabler Mensch und vielleicht sogar ein recht guter Partner sein könntest?

Es geht also im zweiten Schritt beim Flirten lernen darum, dass Du Dich auch erst einmal von Dir selbst überzeugst:

  • Warum lohnt es sich für andere, Dich kennen zu lernen?
  • Was macht Dich liebenswert?
  • Was hast Du zu geben?
  • Was kann man mit Dir erleben? Von Dir lernen?
  • Was kann man Dir geben?
  • Wofür stellst Du Dich gerne zur Verfügung?

Du „willst“ nämlich nicht nur etwas vom anderen – Du hast auch etwas anzubieten.

Das wird mit der Zeit auch immer leichter und glaubhafter für Dich, wenn Du mit einem kleinen Flirt Menschen einfach Freude bereitest – nicht nur den Menschen, die Du sexuell attraktiv findest. Hier kommen wir also schon in Richtung „ein gutes Angebot machen„. Denn ein wichtiger Teil dieses Angebotes bist Du!

Also weiter zu:

Schritt 3 beim Flirten lernen: Signale erkennen und selbst zeigen

Stell Dir vor, wie es vielleicht bisher für Dein (noch unbekanntes) Gegenüber ausgesehen hat, Dir zu begegnen (bzw. eben nicht):

Du hast sie/ihn gesehen und Dir gedacht: „Der/die will mich ja eh nicht“. Hast Du schon mal gesehen, wie Du aussiehst, wenn Du solche Gedanken denkst?

Falls nein, mach ruhig das Experiment: Stell Dich vor einen Spiegel. Schließ die Augen und denke mal all die negativen Gedanken, die Du früher oft gedacht hast, wenn Du Dich nicht getraut hast, zu flirten. Dann öffne Deine Augen und schau, wie Du aussiehst.

Würdest Du jemanden mit so einem Gesichtsausdruck und so einer Ausstrahlung gerne kennen lernen wollen? Wahrscheinlich nicht, oder?

Wenn Du Dich also in der Vergangenheit gewundert hast, dass andere sich nicht für Dich zu interessieren scheinen, dann kann es vielleicht auch daran gelegen haben, wie (wenig) einladend Du auf sie gewirkt hast. Nicht aufgrund der Person, die Du bist bzw. sein kannst, sondern aufgrund dessen, was Du von Dir gezeigt hast.

„Man kann nicht nicht kommunizieren“ ist einer der wichtigsten Sätze von Paul Watzlawick. Und wenn Du bisher so gedacht hast, wie oben beschrieben, dann hast Du mit Deinem Gesichtsausdruck nicht unbedingt ein „Flirtsignal“ kommuniziert. Da kann Dein Gegenüber auch nur schwerlich etwas Positives „senden“… Warum sollte er auch?

Es kommt ja kein Mensch auf die Idee: „Och schau mal, der/die da kuckt so miesepetrig – da schick ich jetzt mal mein schönstes Lächeln hin – denn dieser Mensch findet mich ja bestimmt sehr attraktiv, sonst würde er ja nicht so dumm aus der Wäsche schauen!?“

Manch einer hat auch gehört: „Zum Flirten braucht es ein positives Signal“ – und dann sitzt er da die ganze Zeit und wartet auf ein Signal… doch zum Einen ist das nicht sehr erfolgversprechend, weil ja keiner ahnt, dass der jeweils andere auf ein Signal wartet. Und zum Anderen: Wer bisher von sich selbst dachte, er sei nicht attraktiv, der wird gar nicht glauben, dass ihm überhaupt jemand ein Signal senden würde.

Dabei ist es so einfach: Jemanden anzuschauen und sich dabei zu denken „Dich würde ich gerne kennen lernen“ sollte Dir im Allgemeinen einen freundlich interessierten Ausdruck ins Gesicht zaubern. Ein Lächeln, vielleicht ein Nicken, ein verschmitzter Augenaufschlag…

Letztlich ist ein „Flirt-Signal“ nichts anderes als:

Ich denke etwas sehr nettes, einladendes über mein Gegenüber und lasse mir das in meinem Gesichtsausdruck auch anmerken. 

Und das fällt doch so vielen Menschen schwer, weil sie sich – anstatt genau das zu tun – ihre komplette Ausstrahlung versauen, weil sie nicht in diesem Moment bleiben können! Gedanken darüber, was man sagen müsste oder was als nächstes kommt, lösen nämlich Stress aus. Und wer Stress hat, der sieht gestresst aus – und damit eben wieder wenig attraktiv. Flirten lernen heißt also auch in großen Teilen, einfach „da zu sein“ – in dem Moment der gerade da ist und nicht zu versuchen, zu taktieren oder sich zu sorgen, was als nächstes kommt.

Auch eine ziemlich blöde Taktik ist es, wenn Du jemanden siehst, der Dir gefällt und Du denkst als erstes: „Oh je, der / die  soll bloß nicht denken, dass ich was von ihm/ihr will!“ und Dich dann dementsprechend verhältst. Warum um Gottes Willen soll er nicht merken, dass er Dir gefällt? Was würde denn da passieren? Nun, im Außen vielleicht tatsächlich gar nichts. Zumindest nichts schlimmes.

Aber hier geht es um etwas anderes – und das ist direkt:

Schritt 4 beim Flirten lernen: Scham auflösen und endlich erwachsen werden

Viele dieser Gedanken wie „Er/sie soll nicht merken…“ oder eben auch diese oft unpersönliche Kommunikation nach dem Motto „Hauptsache nett“ hat einen sehr einfachen, aber dennoch sehr schmerzhaften Ursprung: Scham.

Wenn wir jemanden attraktiv finden, dann muss vorher in unserem Unterbewusstsein ein ganz einfacher und uralter Prozess abgelaufen sein: Unser Reptiliengehirn hat sich die Frage gestellt, ob wir mit diesem Menschen Sex haben würden. Lautete die Antwort „ja“, ist die für uns wahrnehmbare Gefühlsregung, dass wir den jeweiligen Menschen „attraktiv“ (= anziehend) finden.

Damit haben viele Menschen Probleme – so starke, dass sie mir Briefe schreiben, dass man doch nicht bei jedem Menschen, der einem begegnet gleich an Sex denkt. Doch tut man. Nur eben nicht bewusst. Das macht unser Unbewusstes gerne und vollkommen automatisch für uns – die Attraktivitätsforschung geht zum Beispiel davon aus, dass wir die Menschen attraktiv finden, die eine besonders gut passenden „Genpool“ versprochen.

Doch die Tatsache, dass so viele Menschen damit Schwierigkeiten haben, zeigt letztlich, was eigentlich unser Hauptproblem ist – wir schämen uns dafür, wenn wir jemanden attraktiv finden. Wir wollen nicht, dass der andere jetzt weiß, dass ein (unbewusster) Teil von uns an Sex mit ihm/ihr gedacht hat.

Scham als Blockade beim Flirten lernen für Frauen

Bei Frauen hat das die Komponente, dass sie glauben können, wenn der Mann merkt, dass sie ihn attraktiv findet – und daher also folglich weiß, dass sie Interesse an Sex mit ihm hätte, dass er diesen dann auch sofort einfordern möchte. Doch das ist ihr viel zu früh – sie will noch weitere Informationen über ihn sammeln – und deshalb soll er „auf keinen Fall denken, ich will was von ihm“. Doch wenn er gar nichts denkt, kommt es oft genug gar nicht zu einem Kontakt.

Dass wir selbständig und emanzipierte Frauen des 21. Jahrhunderts sind und über unseren Körper und unsere Lust bestimmen dürfen… tja… äh… da war doch was…? Leider wurde das vielen Frauen nicht beigebracht. Sie tun sich schwer damit, nein zu sagen – haben Angst davor. Und scheuen daher lieber jede Art von Situation, in der dies notwendig werden könnte.

Scham als Blockade beim Flirten lernen für Männer

Bei Männern hat diese Scham oft den Hintergrund, dass sie als Kind oder Jugendlicher (meist von Frauen – z.B. der Mutter) „gelernt“ haben, dass es sich nicht gehört, eine Frau zu begehren oder dass es „unanständig“ sei, an Sex zu denken oder auch welchen haben zu wollen (z.B. durch negatives Feedback oder sogar Strafe, wenn man beim Onanieren oder beim Betrachten von Bildern erwischt wird) und dass die Frauen das nicht wollen.

In vielen Familien wird Sexualität auch so erlebt (oder gelebt) dass es ein „Gefallen“ ist, den die Mama dem Papa ab und zu tut. Und so lernt dieser Mensch, sich dafür zu schämen, wenn er eine Frau attraktiv findet. Schlussfolgerung ist, dass die Frau, die er begehrt, das „auf keinen Fall merken darf“. Das ruft bei manchen Männern ein Verhalten hervor, dass der Auslöser für das sogenannte „Friendzone“ Syndrom ist.

Wie kommt das?

Beides hat damit zu tun, dass unserer Gesellschaft nicht sehr viel daran gelegen ist, uns sexuell zu bilden: Wir lernen zwar in der Schule, wie „Fortpflanzung“ rein technisch funktioniert – wo die Organe liegen und was ein Eisprung ist und so weiter. Aber wir lernen nichts über unser Gefühlsleben in diesem Zusammenhang. Es gibt keine Form von Unterstützung, um sexuelle Mündigkeit zu erlangen. Und so kommt es, dass viele Menschen – auch ansonsten im Leben stehende, erfolgreiche Leute – in Sachen Sexualität und Lust die Reife eines/r Fünfzehnjährigen besitzen.

Letztlich liegt es wohl an jedem Selbst, sich sexuell zu emanzipieren – doch dafür muss einem das natürlich erst mal bewusst sein:

Wenn Du ein erwachsener Mensch bist, dann hast Du ein Recht auf eine gesunde, befriedigende Sexualität. Du darfst erfüllende, lustmachende Gedanken haben und andere Menschen begehrenswert finden. Du hast kein Recht, aber auch keine Pflicht, irgendetwas davon mit einer anderen Person wahr zu machen.

Und genau darum geht es auch ein Stück weit beim Flirten: Herauszufinden, ob das was man sich vorstellen könnte beim Gegenüber auf „Gegenliebe“ stösst. Vorher erst einmal, ob es überhaupt zu diesen Fantasien kommt: Ob nämlich das Gegenüber bei näherem Kennenlernen überhaupt Anlass für solche Fantasien gibt oder ob nur das vermehrungswütige Reptiliengehirn angesprungen ist.

Und so ist Flirten ein Spiel für Erwachsene, in dem es darum gehen kann, herauszufinden, ob der andere für eine sexuell motivierte Beziehung bereit und geeignet sein könnte.

Was jetzt erst mal so etwas kompliziert klingen mag, ist „eigentlich“ ganz einfach: Es geht darum, einander näher zu kommen.

Und zwar Schritt für Schritt. Und bei jedem Schritt zu überprüfen, ob man sich darüber einig ist, sich noch einen Schritt näher zu kommen.

Und damit sind wir bei:

Schritt 5 beim Flirten lernen: Ein gutes Angebot machen

Es geht ja beim Flirt im ersten Schritt darum, Deinem Gegenüber das Angebot zu machen, mit Dir in Kontakt zu treten. Und dann – bei gegenseitigem Gefallen – sich nach und nach immer näher zu kommen.

Wie ich oben schon sagte: Ein großer Teil dieses Angebots bist Du!

Es wäre daher hilfreich, wenn Du einen guten ersten Eindruck auf Dein Gegenüber machen kannst. Und da geht es gar nicht immer um „Schönheit“ – grundsätzlich ein gepflegtes Äußeres (allein schon gepflegte Lippen – die man küssen wollen würde) und eine aufrichtige, einladende Körpersprache machen einen großen Unterschied.

Wie sage ich immer:

Wichtiger als das Gesicht, das Du hast, ist das Gesicht, das Du machst. Nina Deissler über Flirten lernen

Nicht nur, weil ich mal Marketing studiert habe, vergleiche ich das Flirten für die Partnersuche mit einem Markting-Funnel… Der Marketing-Funnel (Funnel = Trichter) beschreibt in der Wirtschaft, wie aus einem „Fremden“ ein „Kunde“ wird:

Nicht jeder Mensch, der diesen Artikel via Google, Facebook oder sonst wo gefunden hat, wird ihn auch lesen. Nicht jeder, der beginnt, ihn zu lesen, wird ihn auch bis zu dieser Stelle lesen. Und nicht jeder, der ihn liest, wird sich mein Angebot für den Flirtkurs „Komm in Kontakt“ anschauen. Und auch von denen, die ihn sich anschauen, wird nicht jeder ihn buchen.

Und das hat ja nichts mit dem Kurs zu tun – der Kurs ist großartig (das kannst Du hier zum Beispiel nachlesen >>>) – aber nicht jeder traut sich oder hat das Geld oder hat Zeit… und so weiter. 

Flirtkurs: Komm in Kontakt - Nina Deißler: Überwinde Schüchternheit und finde die Liebe Deines Lebens

Und genau so ist es beim Flirt:
  • Nicht jeder Mensch, der Dir gefällt, hat Interesse an einer Kontaktaufnahme.
  • Nicht jeder, der Dein Signal erwidert, hat auch Lust, sich mit Dir zu unterhalten.
  • Nicht jeder, der sich mit Dir unterhält, ist tatsächlich auch bei näherer Betrachtung noch „Dein Typ“.
  • Nicht jeder, der Dein Typ ist, findet auch Dich bei näherer Betrachtung toll.
  • Nicht jeder bei dem all das passt, ist zum Beispiel ein guter Küsser.
  • Nicht jeder, der ein guter Küsser ist, will auch dieselbe Art von Beziehung wie Du.
  • Und so weiter und so fort…

Mit anderen Worten: Es ist vollkommen normal – wenn am Ende eine/r (!) übrig bleiben soll, sind vorher zig Schritte und „Abgleichungsprozesse“ notwendig, bei denen entweder Du, oder der/die andere „auf der Strecke“ bleibt.

Es wäre ja schön und praktisch, wenn man sich zum „richtigen“ Zeitpunkt sofort die/den „Richtigen“ erkennen würde und einfach alles direkt so „durchrutscht“. Aber so ist es eben im echten Leben nicht. Im echten Leben passt nicht jeder zu uns und wir können Menschen nicht an der Nasenspitze ansehen, was sie wollen und ob sie gut zu uns passen. Wir müssen es eben herausfinden.

Und dieses Herausfinden – und das noch mit ein bisschen Humor, Charme und so weiter – das nennt man „Flirten lernen“.

Erhöhe Deine Chancen

Wenn Du also auf den Geschmack und die Wünsche etc. Deines Gegenübers keinen Einfluss hast, dann gilt es, sich auf das zu konzentrieren, worauf Du einen Einfluss hast!

In diesem Zusammenhang bedeutet flirten lernen auch, dass Du Dir überlegst, wie Du Interesse und Neugier bei Deinem Gegenüber auslösen kannst. (Wir wissen ja inzwischen: Den Blickkontakt zu vermeiden, gehört nicht unbedingt dazu…)

Du bist (noch) ein/e völlig Fremde/r. 

Dein Gegenüber hat also keinerlei Veranlassung, Dir zu vertrauen oder sich für Dich zu interessieren. 

Und hier kommt wieder eine kleine Hilfe aus dem Marketing – nicht umsonst ist eine Bedeutung des Flirts auch „Werbung“ (oder besser gesagt, nicht umsonst war das Wort „Werbung“ in der Vergangenheit auch ein gebräuchlicher Ausdruck für das Umwerben eines Menschen, um sein/ihr Herz zu gewinnen):

Die „Werbewirksamkeitsformel“ AIDA
  • Attention – die Aufmerksamkeit eines Menschen gewinnen
  • Interest – Interesse erzeugen
  • Desire – ein Verlangen auslösen
  • Action – eine Handlung initiieren
Die AIDA Formel im Flirt

Zunächst einmal solltest Du natürlich selbst aufmerksam sein – wer durch die Gegend läuft und nur seinen eigenen Gedanken nachhängt und dabei niemanden anschaut, wird nur schwerlich in einen Flirt kommen. Doch dann geht es darum, die Aufmerksamkeit eines anderen Menschen zu gewinnen.

Das kann – je nach Situation – ganz unterschiedlich vonstatten gehen: Manchmal genügt bereits ein Blickkontakt und/oder ein Lächeln. Manchmal kannst Du Hilfe anbieten oder erfragen, ein Kompliment machen oder über etwas in der Umgebung in Kontakt kommen.

Wichtig ist dabei einfach nur, dass Du einen freundlichen, positiven und unverbindlichen* (!) Kontakt anbietest.

Unverbindlich deshalb, weil wir alle von Natur aus Fremden gegenüber (mehr oder weniger) misstrauisch sind. Wir möchten mit einem Menschen, den wir noch nicht einschätzen können, keinen verbindlichen Kontakt eingehen müssen. Es ist daher keine gute Idee, jemanden noch vor einem Blickkontakt oder einem Gespräch direkt zu einem Getränk einladen zu wollen oder ähnliches. Je unvertrauter man sich ist, desto unverbindlicher sollte das Kontaktangebot sein. 

Du kannst es Dir vorstellen, wie zwei Menschen, die in einem Raum in einiger Distanz zueinander stehen – einer von Ihnen sendet ein positives Signal – ein Lächeln vielleicht – und geht damit einen Schritt auf den anderen zu. Wenn der andere das gut und interessant findet, macht er vielleicht auch einen Schritt.

Das wäre eben für den „1. Schritt“ ein gutes Angebot: Etwas, das eine positive Reaktion auslöst oder Neugier weckt und den anderen dazu animiert, auch einen Schritt zu machen.

Denk immer daran, dass es ja auch sein könnte, dass Du im Verlauf der Begegnung feststellst, dass der/die andere gar nicht so toll ist, wie Du es Dir erhofft hast. Es sollte also jeder immer das Gefühl haben, dass der Kontakt „freiwillig“ und leicht ist. Je positiver und interessanter  aber die Erfahrungen bei diesen ersten Schritten sind, umso mehr Interesse erzeuge ich bei meinem Gegenüber.

Desire – also Verlangen – auszulösen ist da schon etwas schwieriger… eine gute Möglichkeit dafür ist aber zum Beispiel das psychologische Gesetz der Reaktanz: Reaktanz ist zum Beispiel das Verlangen nach etwas durch Verknappung (Stichwort „Schlussverkauf“) oder auch der „Reiz des Verbotenen“.

Reaktanz im Flirt

Dies ist der Moment, wo der Flirt zu einem „Spiel“ werden kann:

Wenn Du zum Beispiel auf jemanden zugehst, und ihm/ihr ein Kompliment machst und danach direkt fragst, ob man was zusammen trinken möchte oder die Telefonnummer tauscht, dann ist das nicht mehr unverbindlich. Es löst Druck aus – und durch diesen Druck wird Dein Gegenüber vermutlich eher zurückweichen. Umgekehrt, wenn Du gar nichts tust oder nur sehr wenig, wird Dein Gegenüber Dich nicht einschätzen können und nicht wissen, ob Du Interesse hast – und sich dann auch nicht angezogen fühlen.

Reaktanz auslösen würde zum Beispiel, wenn Du jemandem ein Kompliment machst und dann einfach wieder gehst. Die Person, der Du das Kompliment gemacht hast, freut sich und merkt, dass Du sonst nichts „willst“. Du hast (hoffentlich) eine positive Reaktion ausgelöst und bist dann aber weg. Und genau das ruft Reaktanz hervor: Der Gedanke „Ach schade, das war so nett – und jetzt?“ – der aber nur dadurch entsteht, dass Du Dich entfernt hast.

Nun, hoffentlich hast Du Dich nicht zu weit und auch nicht zu schnell entfernt!? Oder Du kannst dafür sorgen, dass Du dem/der anderen sehr bald erneut begegnest – Du, der Du ein positives Gefühl ausgelöst hast. Dann könntest Du nämlich einen weiteren Schritt machen.

Und dann noch einen…

Es gibt viele Möglichkeiten, ein gutes Angebot zu machen und Reaktanz auszulösen.

 

Zusammenfassung

Fünf Schritte sind es, die „Flirten lernen“ umfasst – und sie bauen aufeinander auf:

Schritt 1 beim Flirten lernen: Den Flirt verstehen

Flirten ist kein Manipulationswerkzeug. Flirten lernen bedeutet, Spaß daran zu finden, andere Menschen positiv zu berühren und mit ihnen in einem spielerischen Kontakt zu sein. Manchmal wird „mehr“ daraus – und ganz oft nicht. Doch wenn beide gelächelt haben, dann ist die Welt ein bisschen schöner geworden.

Schritt 2 beim Flirten lernen: Dein Selbstbild positiv stärken

Schaue nicht immer auf das, was Du nicht bist und kannst – die Welt da draußen ist nur Dein Spiegel und wer sich selbst ablehnt, wird auch von anderen nicht angenommen. Sei gut mit Dir selbst und dann bringe gutes zu anderen. Das Beste am Flirt: Mit jedem positiven Kontakt steigt Dein Selbstvertrauen.

Schritt 3 beim Flirten lernen: Signale erkennen und selbst zeigen

Wenn Du Dir selbst Stress machst, siehst Du gestresst aus – und niemand möchte jemanden kennen lernen, der gestresst wirkt. Wenn Du lernst, einfach im Moment zu bleiben – nicht darüber zu grübeln, was passiert, wenn…. sondern einfach in dem Moment wo Du jemanden siehst, diesen Menschen nett findest und ihm/Ihr ein Lächeln schenkst, ist das oft schon die halbe Miete.

Schritt 4 beim Flirten lernen: Scham auflösen und endlich erwachsen werden

Wir halten fest: Flirten ist ein Spiel für Erwachsene. Und es geht dabei auch darum, dass man sich attraktiv findet. Sich attraktiv zu finden ist die Antwort auf die unbewusst gestellte Frage „Würde ich mit diesem Menschen Sex haben?“. Und das ist vollkommen in Ordnung, weil wir erwachsen sind und uns das fragen dürfen. Weil wir nein sagen dürfen, wann immer wir wollen (selbst wenn die Frage lautet „Willst Du den hier anwesenden… und so weiter). Weil es für einen Erwachsenen Menschen normal und gesund ist, Lust zu empfinden und das niemals impliziert, dass wir jemandem schaden wollen.

Schritt 5 beim Flirten lernen: Ein gutes Angebot machen

Deine Freundlichkeit, dein Aussehen (und dafür musst Du nicht „schön“ sein – das Gesicht das Du machst, ist wichtiger, als das Gesicht, das Du hast) und Deine Haltung sind der erste Schritt, um die Aufmerksamkeit zu erzeugen. Eine freundliche Geste, ein Kompliment oder einfach nur ein kurzes Gespräch können Interesse wecken. Wichtig ist: Lass es stets unverbindlich sein – und schau, ob Du Reaktanz oder einfach Neugier auslösen kannst.

Und jetzt?

Ich kann mir vorstellen, dass dies für Dich im ersten Moment vielleicht zwar logisch, aber auch ganz schön viel erscheint. Und genau das ist der Grund, warum ich dazu Trainings anbiete:

Stell Dir vor, Du könntest all das ein ganzes Wochenende lang mit anderen üben. Du übst und probierst Dich aus mit Leuten, die genau wie Du besser flirten lernen wollen. Du kannst mir alle Deine Fragen stellen. Du findest neue Freunde – und wer weiß… vielleicht sogar im Kurs schon die Liebe Deines Lebens… das wäre nicht das erste mal!

So ein Flirtkurs ist eben nicht oberflächlich oder gar langweilig… im Gegenteil: Wahrscheinlich wirst Du mir am Sonntag sagen, dass Du selten in Deinem Leben in zwei Tagen so viel gelacht hast. Dass Du Dich noch selten in zwei Tagen so sehr weiterentwickelt hast und dass Du Dich noch nie so frei und stark gefühlt hast, wie nach dem Seminar.

Hier findest Du alle Infos und Termine dazu:

Flirtkurs: Komm in Kontakt - Nina Deißler: Überwinde Schüchternheit und finde die Liebe Deines Lebens

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Neu: Der Nina Deißler Podcast

In meinem Podcast geht es um die Themen, die mich bewegen: Flirt, Dating, Partnerschaft, Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Männer, Frauen, 6 und Liebe.

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