„Wer fühlt meine Gefühle?“

Das war neulich mal eine „Sonntagsfrage“ auf meiner Facebook-Seite, die einige Leser offenbar verwirrt oder beschäftigt hat. In diesem Artikel geht es daher um Gefühle und was es damit auf sich hat:

Gefühle aller Art und was Du unbedingt darüber wissen solltest.

Doch halt: Was muss man denn über Gefühle unbedingt wissen? Schließlich haben wir alle Gefühle, oder?

Gefühle sind doch ganz normal?!?

Was gibt es denn wohl über Gefühle so unbedingt zu wissen, das Du noch nicht längst weißt?

Vielleicht ist es ja gar nicht das, was Du nicht schon weißt – vielleicht ist es nur das, was Dir nicht wirklich bewusst ist, weil Gefühle so „normal“ sind. Eben weil wir sie ja alle und ständig haben… Also lies selbst und finde es heraus…

1: Wer fühlt Deine schlechten Gefühle?

Die Antwort erscheint zunächst simpel: „Ich natürlich…leider!“

Doch die Konsequenz dessen, ist vielen Menschen nicht bewusst:

Stell Dir also vor, Du hast einen Ex-Partner(in) – und Du bist (immer noch) sauer auf sie/ihn, weil er/sie etwas getan hat, dass Du ihm/ihr niemals verzeihen kannst.

Wie fühlst Du Dich, wenn Du an diesen Menschen denkst?

Fühlst Du Dich schlecht? Steigt Wut, Hass, Trauer oder Abscheu in Dir hoch?

Wie genau fühlt es sich an? Wo in Deinem Körper fühlst Du all das?

Okay – genug für das „Experiment“, Du kannst sehen: Du denkst an diesen Menschen und Du fühlst Dich schlecht. Richtig?

Der Mensch ist vielleicht längst aus Deinem Leben verschwunden… Und doch schaffst Du es, dass Du Dich immer noch schlecht fühlst – wenn Du nur an diesen Menschen denkst. Du hast körperliche Reaktionen, die nicht schön sind und die Dir vermutlich auch nicht gefallen.

Fühlt er/sie sich eigentlich auch schlecht, wenn Du das tust?

Vermutlich nicht – denn er/sie weiss ja nichts davon, denn: Nur Du fühlst Deine Gefühle.

Frage:

Wenn dieser Mensch also längst weg ist und das was er/sie getan hat, längst getan ist und sich nicht mehr verändern lässt, warum fühlst Du Dich dann auch heute immer noch (und immer wieder) schlecht?

Oder genauer: Warum sorgst Du dafür, dass Du Dich schlecht fühlst, obwohl das „Schlechte“ selbst (zum Glück) vorbei und vergangen ist? 


Ein weiser Mensch hat mal gesagt: „Jemandem nicht zu verzeihen ist, als würde man selbst Gift nehmen in der Hoffnung, dass der andere daran stirbt.“


Und genau darauf möchte ich hinaus: Wenn also nur Du Deine Gefühle erlebst und nur Du Dich schlecht fühlst, wenn Du an jemanden (oder etwas denkst) und Du diesen Menschen damit nicht „strafen“ kannst, sondern Dir nur Dein eigenes Leben in diesem Moment wieder schlecht machst (obwohl das, was mal schlecht war doch längst vorbei ist), dann ist das doch keine sehr clevere Methode….

Weder für Rache, noch für ein schöneres, freies Leben ohne diesen Menschen.

Der Mensch ist weg, die Situation vorbei – doch Du leidest weiter? Warum?

Fazit:

Wenn also nur Du Deine Gefühle fühlst – und demnach auch Du darüber entscheidest, dann ist es keine „Strafe für den anderen“, wenn Du ihm nicht verzeihst, sondern nur für Dich. Du solltest Dich nicht weiter selbst quälen, wenn der andere längst damit aufgehört hat, denn das versaut nur Dir das Leben, nicht ihm oder ihr.

 

2: Wer fühlt Deine guten Gefühle?

Auch hier ist die Antwort natürlich zunächst simpel: „Ich fühle meine Gefühle. Also fühle ich auch meine guten Gefühle!“ Klar.

Auch hier ein kleines Experiment: Denke an jemanden, den Du sehr liebst oder sehr magst und wo Dein Herz „hüpft“, wenn Du an diese Person denkst. Fühlt sich gut an, oder?

Doch wer fühlt das? Du.

Sonst noch jemand? Nein, denn nur Du fühlst Deine Gefühle.

Erwidert diese Person Deine Gefühle – also hat dieser Mensch selbst Gefühle, die zu Deinen „passen“, dann ist das toll. Wenn Du Dein Gefühl zeigst z.B. in Form von Worten („Ich liebe Dich!“) oder Gesten (einer Umarmung vielleicht?) und Dein Gegenüber mag das und fühlt ähnlich wie Du, dann wird er/sie diese Gesten irgendwie erwidern und Du fühlst Dich noch besser.

So weit, so schön.

Doch was ist, wenn Dein Gegenüber zwar ähnlich fühlt wie Du, aber seine Geste für Dich nicht dasselbe bedeutet? Oder wenn er/sie Dich enttäuscht oder verärgert hat?

Worauf ich hinaus will:

Da Du – und nur Du – alle Deine Gefühle erlebst, kann niemand Dir ein Gefühl „machen“ oder „geben“. 

Du selbst entscheidest, wie Du eine Situation beurteilst: Du selbst entscheidest, ob die Worte „Ich liebe Dich“ in Dir ein gutes Gefühl auslösen – oder eben nicht. Du selbst entscheidest, wie Du es bewertest, wie andere sich verhalten oder was sie sagen – ob Du das gut oder nicht so gut findest und ob es Dich glücklich macht oder nicht.

Niemand kann Dich glücklich oder unglücklich machen.

Wenn Du Dich mit Deinem Partner streitest, dann ist es keine Strafe für sie/ihn, wenn Du lange böse bist und schmollst, denn Du bist derjenige, der Deine Gefühle fühlt. Du bist derjenige der viel mehr leidet, wenn Du Dir schlechte Gefühle machst. Es ist absolut unnötig, den anderen „leiden“ zu lassen, denn Du leidest genau so. Und wenn Du mit diesem Menschen noch lange zusammen bleiben möchtest, warum solltest Du diese Zeit immer wieder mit Leiden und schlechten Gefühlen verbringen wollen?

3: Wer fühlt die Liebe?

Diese beiden ersten Erkenntnisse bieten uns nun auch die Möglichkeit, uns etwas über die Liebe bewusst zu machen, denn:

Liebe ist ein Gefühl.

Oder viel eher ein sehr komplexes Gemisch von Gefühlen. Und dieses Gemisch sieht bei jedem Menschen ein bisschen anders aus. Es ist für die meisten Menschen ein sehr schönes Gefühl von Nähe, Geborgenheit, Intimität, es ist warm und weich, es ist hell und süß.

Nun, zumindest bei mir. Bei manchen Menschen haben ihre Erfahrungen mit dem, was andere Menschen Liebe nannten dazu geführt, dass sie mit der Liebe auch Enge und Verlust, Angst und Beklemmung verbinden.

Liebe ist nicht nur ein Gefühl – es ist ebenso auch „nur ein Wort“.

Worte dienen uns dazu, Erfahrungen zu beschreiben – uns auszudrücken. Doch hier ist viel Raum für Missverständnisse. Schon alleine, weil es verschiedene Bedeutungen im Wort geben kann.

  • Wie kalt ist kalt?
  • Was ist beispielsweise eine „Bank“?
  • Wie stark sind starke Schmerzen – oder starke Gefühle?
  • Was ist „normal“?
  • Wie fühlt sich Liebe an?

Wir lernen im Laufe unseres Lebens von unserer „Umwelt“ (Eltern, Freunde, Feinde, Lehrer, Verwandte, Nachbarn, Medien etc.), wie wir gewisse Dinge nennen und dann empfinden, wenn jemand dieses Wort benutzt:

Lebst Du im Süden, ist vielleicht 18 Grad schon kalt – in Alaska beginnt „kalt“ vielleicht erst ab Minus 10 Grad? Du lernst, dass eine Bank ein sogenanntes „Teekesselchen“ ist – und je nachdem, was in „Deiner Welt“ häufiger vorkommt, denkst Du dabei an Bänke oder an Banken. Wenn Du schon einmal sehr schlimm verletzt oder krank warst, hast Du vielleicht ein anderes Empfinden für „starke Schmerzen“, als jemand, der sich nur mal das Knie aufgeschlagen hat. Und so weiter…

Und je nachdem, was Du in Verbindung mit dem Wort „Liebe“ erlebt und „gelernt“ hast, wirst Du entsprechende Schlussfolgerungen haben, wenn es um Liebe geht.

Und so kommt es, dass einer sich sehr gut damit fühlt, wenn man seine Liebe zeigt oder ausdrückt – und ein anderer schreiend davon rennt – oder sich zumindest erst mal zurück zieht und das alles „verarbeiten“ muss.

Und es ist auch gut zu wissen, dass – wenn Liebe also ein Gefühl oder ein „Gefühls-Mix“ ist – auch Du nur wieder Deine eigene Liebe fühlen kannst:

Du kannst nicht die Liebe eines anderen fühlen.

Du kannst auch keine Liebe bekommen und Du kannst keine Liebe geben.

Niemand kann von Dir Liebe bekommen und Du kannst sie niemandem geben.

  • Du kannst Dich zu jemandem hingezogen fühlen.
  • Du kannst Dich von jemandem geliebt fühlen.
  • Du kannst jemandem Deine Liebe zeigen und sie „ausdrücken“.

Doch all das entscheidest auch wieder nur Du, denn es sind Deine Gefühle. Es sind Deine Gedanken und Wünsche und Bewertungen. Es ist auch Deine Verantwortung.

Niemand wird automatisch Liebe fühlen, wenn Du liebst.

Niemand kann Dir Gefühle machen.

Du kannst niemandem Gefühle machen.

Wenn Du Liebe auf Deine Art ausdrückst, heisst das noch lange nicht, dass Dein Gegenüber irgendetwas spürt – schon gar nicht das, was Du Dir vielleicht wünschst.

Doch Du darfst jederzeit das fühlen, was Du möchtest.

Also: Es sind Deine Gefühle – und Deine Gefühle bestimmen, wie Dein Leben gerade ist.

Es ist erlaubt, Dich gut zu fühlen…

Du bestimmst selbst.

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