„Kuschelparty? Was ist das denn?“, fragt mich meine Kollegin und zieht halb belustigt, halb ungläubig eine Augenbraue hoch.

Kuschelparty ist, wenn sich 15 bis 20 Menschen an einem Sonntagabend in einem Raum verabreden, um dort nach bestimmten „Regeln“ miteinander zu kuscheln.

Nun bin ich als Trainerin in Seminaren über Liebe und Flirten und selbsternannte „Umarmungs-Meisterin“ ja nicht unbedingt arm an Berührungen außerhalb meiner Partnerschaft, aber ich habe davon gehört, dass so eine Kuschelparty nicht nur Spaß macht, sondern auch in Sachen Selbstvertrauen, Selbstwahrnehmung und Kommunikation interessante Effekte ergeben soll.

Und das will ich unbedingt wissen.

 

Auf zur  Kuschelparty

„Menschen brauchen Berührung – genau wie sie Luft zum Atmen und Nahrung brauen.“ Das in etwa ist die Botschaft, der Kuschelpartys und damit folgen sie alle auch der Empfehlung eines meiner Idole Virginia Satir: „Wir benötigen pro Tag vier Umarmungen zum Überleben, acht Umarmungen zum Leben und 12 Umarmungen zum Wachstum.“

Also folge ich der Einladung von Angeline und Samuel zur „Conscious Cuddleparty“ nach Berlin-Pankow. Einige Teilnehmer kenne ich bereits, das ist irgendwie beruhigend, denn davon abgesehen habe ich tatsächlich keine Ahnung, was genau mich da erwartet.

Die Begrüßung im „Raum für Körperbewusstsein“ ist freundlich und herzlich und die ersten Teilnehmer sind schon da. Dass alle gepflegt und quasi „frisch geduscht“ sind, ist offensichtlich und schon mal ein gutes Omen. Interessanterweise gibt es einen Männerüberschuss – und keiner von denen wirkt, als ob er zum Kuscheln kommen müsste, weil er beim Flirten und Daten chancenlos wäre.

„Schöne Frau!“, begrüßt mich eine (mir völlig unbekannte), sehr sympathische Teilnehmerin: „Du hast ja eine tolle Ausstrahlung. Darf ich Dich gleich mal umarmen?“ Der Eindruck beruht auf Gegenseitigkeit und sie darf sehr gerne. Ich umarme zurück und freue mich.

Ich schaue mich um und kann mich nicht gegen die üblichen Muster bei der Wahrnehmung des ersten Eindrucks wehren: Wer gefällt mir? Wer ist mein Typ? Wer eher nicht?

Doch das wird sich bald erledigt haben. Das kenne ich nämlich eh schon aus meinen eigenen Seminaren…

 

Als alle da sind, erklärt Kuschelparty-Leiterin Angeline die Regeln:

Diese Kuschelparty basiert auf einem Konzept der amerikanischen Chiropraktikerin und Sexological Bodyworkerin Dr. Betty Martin und lehnt sich an das von ihr entwickelte Konzept des „Wheel of Consent“ (Rad der Übereinstimmung) an:

Jede Form von Berührung wird konkret angeboten bzw. erfragt und darf nur erfolgen, wenn das jeweilige Pendant sein ausdrückliches Einverständnis gegeben hat.

Das klingt erst mal ziemlich „technisch“ und irgendwie auch anstrengend und „unkuschelig“.

Auch diese Vermutung allerdings soll sich bald in Luft auflösen.

Das Spannende dabei ist tatsächlich, dass jeder Teilnehmer im Raum jeden anderen Teilnehmer um etwas bitten oder ihm bzw. ihr etwas anbieten darf (solange die Klamotten anbleiben, sagt Angeline). Und dass ein „Nein“ genau so akzeptiert wird, wie ein „Ja“ und jeder dazu eingeladen ist, dasselbe Angebot oder dieselbe Bitte mehrmals anzubringen – auch bei derselben Person.

Kann ich das? Bestimmt. Muss ich das? Ich weiß nicht… aber damit ich mich daran gewöhne, gibt es erst mal ein paar Aufwärmübungen:

Bewusstes Anschauen aller Teilnehmer gefolgt von kleinen Partnerübungen, die Angeline anleitet: Immer mit einem anderen Partner, erzählen wir einander von unseren „Worst Case“ und „Best Case“ Szenarien. Wir bieten zur Übung abwechselnd absurdeste Dinge an und antworten gezielt mit Nein, dann mit Ja und dann…

…dann sitzt mir plötzlich ein wirklich attraktiver und junger Mann gegenüber.

„Entscheidet Euch, wer A ist und wer B“, sagt Angeline.

„Du bist A“, sagt er schnell und bestimmt zu mir und ich muss schmunzeln – noch. Denn die Aufgabe ist, dass wir unser Gegenüber anschauen, und A zu B sagt, was er (bzw. in diesem Fall ich) tatsächlich gerne mit B machen möchte. Da fällt mir zwar so einiges ein – aber üblicherweise behalte ich solche Gedanken für mich und genieße sie still. 😉

Und da sitze ich jetzt: „Deutschlands Datedoktor Nr. 1“ und frage mich allen Ernstes die verbotenste aller Fragen: „Oh je, was denkt der über mich, wenn ich…“

Und dann muss ich über mich selbst lachen und fange einfach an. Mein Gegenüber grinst mich verschmitzt an – er ist nicht zum ersten mal bei der Kuschelparty und wusste offenbar genau, warum er mich so schnell zu „A“ machte.

Seinem Gesichtsausdruck nach, fällt ihm das von Angeline verordnete Nein-sagen bei einigen meiner „Vorschläge“ allerdings gar nicht so leicht. (Sehr beruhigend und auch schmeichelhaft.) Noch schöner allerdings ist, dass wir bei dieser Runde nicht wieder den Partner tauschen, sondern er mir dann auch sagen „muss“, was er gerne mit mir machen möchte.

Schade, dass ich dazu der Übung wegen auch immer nein sagen muss…

Trotzdem: Das war gut. Gut war auch, dass im Rahmen dieser Übung auch Menschen vor mir saßen, die nicht unbedingt meinem „Beuteschema“ entsprechen und dennoch alle mir sehr sympathisch werden. Und alle sind auf ihre Art schön: Der eine hat tolle Augen, der andere schöne Hände, alle sind wirklich nett, alle riechen gut. Gott sei Dank.

 

Jetzt kann es losgehen

Aha… Und wie?

Muschelparty

„Darf ich Dir den Nacken massieren?“ ist das erste Angebot, dass ich innerhalb weniger Sekunden von einem Teilnehmer bekomme. Oh ja, bitte!

„Magst Du mir tatsächlich die Hände aufwärmen?“ fragt mich ein anderer Teilnehmer, der mir vorher durch seine eben kalten Hände auffiel.

Klar, warum nicht?

Die erste halbe Stunde bekomme ich stetig „Angebote“ und fast alle davon sind unglaublich verlockend. Nur einmal sage ich nein – und das auch eher nur aus „Überforderung“. Weil ich bereits mit zwei Männern und einer Frau zusammengekuschelt bin und schon gar nicht mehr weiß, wessen Hände ich da halte oder wer mir da gerade den Nacken krault (aber natürlich, dass ich freundlich gefragt wurde!)

So, ich will aber auch mal was anbieten oder einfordern. Ich biete etwas an – und bekomme prompt ein „Nein“. Und erstaunlicherweise ist das völlig in Ordnung.

Meine nächste Frage geht an die tolle Frau, die mich direkt zu Beginn so herzlich umarmte und das „Ja“ kommt prompt, als ich frage, ob sie den Mann, den sie gerade kuschelt auch „teilen“ würde. Natürlich frage ich ihn auch noch – aber meine Frage sorgt auch für Heiterkeit (nicht nur bei dem Mann, um den es geht, sondern auch bei allen anderen rundherum) – und auch das ist sehr angenehm: Niemand hier nimmt sich besonders ernst, es wird nicht nur gekuschelt, sondern auch viel gelacht und gescherzt.

Und tatsächlich kuschelt man sich irgendwie mit der Zeit ein:

Immer intensiver ist der Austausch unter den Teilnehmern, die Raumtemperatur ist gefühlt schon um einige Grad gestiegen.

Plötzlich bildet sich ein „Männerkuschelhaufen“, der mich aus dem Augenwinkel eher an einen Ringkampf erinnert – animalisches Grunzen inklusive. Und die Jungs haben Spaß. Wir auch.

„Wer besser flirten will, sollte zuerst mal seine Homophobie überwinden“, soll der NLP-Trainer Chris Mulzer gesagt haben. Das ist in diesem Fall wohl ganz eindeutig erfolgt.

Mitveranstalter Samuel ist einer der Männer aus dem „Haufen“ und will mit mir auch noch „kuscheln“. Die Anführungszeichen benutze ich, weil diese Kuschelrunde auf den ersten Blick eher „unkuschelig“ daherkommt: Offenbar hat Samuel im Männerkuschelhaufen seine „männliche Energie“ aufgeladen und langt ganz schön hin, als er mich umarmt. Und auch das fühlt sich total gut an.

Und ich gebe ganz ehrlich zu: Wenn andere Leute so über „Energien“ reden, bin ich meist raus. Aber das hier ist sogar für einen energetischen Legastheniker wie mich mehr als deutlich spürbar. Und das macht was mit mir – es fühlt sich an, als würde man eine Batterie aufladen.

Nach insgesamt drei Stunden ist die Kuschelparty offiziell vorbei. Wer will, darf noch bleiben und ein bisschen „chillen“. Ich muss los, denn in einer halben Stunde fährt mein Zug zurück nach Hamburg. Ordentlich verstrubbelt und durchgekuschelt sitze ich in der Bahn… und lächle vor mich hin.

Fazit

Obwohl ich mit vielen der Teilnehmer kaum mehr als ein paar Worte gewechselt habe, habe ich mich die ganze Zeit über absolut geborgen und wohl gefühlt – ganz schnell wie unter wirklich guten Freunden.

Das debile Lächeln auf meinem Gesicht bleibt noch für Stunden und meine Rückenmuskulatur ist auch nach drei Stunden Zugfahrt immer noch erstaunlich entspannt.

Kuschelparty ist wirklich eine tolle Idee!

Und das „Conscious Cuddling“ – also das „bewusste Kuscheln“ ist überhaupt nicht anstrengend. Im Gegenteil.

Ich empfand es als echte Bereicherung.

Kuscheln macht glücklich.

Stimmt.

Bald bringen wir die Kuschelparty aka „Conscious Cuddleparty“ auch nach Hamburg!

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