Es geht nicht nur Frauen so – auch Männer kennen dieses Phänomen: „Die, die ich will, die wollen mich nicht und die, die mich wollen, die will ich nicht.“ Das Gefühl, sich ständig in „die Falschen“ zu verlieben und immer wieder an der selben Stelle zu landen.

Kommt Dir das bekannt vor?

Dann könnte dieser Artikel äußerst hilfreich für Dich sein, denn er handelt von Selbstwertgefühl und Selbstachtung – und was das damit zu tun hat, dass Du immer wieder dieses Liebeschaos erlebst:

Bei fast all meinen Klienten, die dieses Phänomen beschreiben, gibt es ein wichtige Gemeinsamkeit. Immer wieder stelle ich während des Gesprächs oder des Seminars fest, dass er/sie oft wie eine starke Persönlichkeit wirktaber in Wahrheit (gerade in Sachen Liebe) nicht besonders viel von sich hält.

Die meisten Betroffenen stehen zwar mit beiden Beinen im Leben,  gehen aber mit sich selbst nicht besonders gut um: Sie loben sich und feiern ihre Erfolge eher selten, fühlen sich häufig nicht besonders attraktiv und glauben immer, sich beweisen zu müssen. Viele davon halten sich insgeheim für „schlechte Partner“ (z.B. weil sie „schwierige Fälle“ seien oder unattraktiv für ihre „Zielgruppe“ o.ä.) oder sie sind sogar latent oder ganz offen wütend auf das andere Geschlecht, weil ihre Bedürfnisse immer wieder nicht befriedigt werden.

Was daraus resultiert, ist fast immer, dass sie sich nicht wagen, mit den Menschen, die sie wirklich attraktiv finden, auch Kontakt aufzunehmen. Gelingt dies doch, neigen sie zum Selbstboykott und jeder gute Anfang wird schnell zunichte gemacht.

Woran liegt das?

Obwohl der Mensch mit dem „Ich krieg nie die, die ich will und will die nicht, die mich wollen“ Syndrom nach außen hin erfolgreich wirkt, passiert es ihm häufig, dass er – wenn er sich verliebt – ein Gefühl von totaler Bedürftigkeit erlebt. Das hängt damit zusammen, dass er in Sachen Liebe ein defizitäres Weltbild verfolgt, und daran glaubt, dass er etwas tun muss (und kann), um geliebt zu werden. Das ist der Punkt, wo der Betroffene seine Selbstachtung verliert, wenn er sich verliebt.

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Auswirkungen von mangelnder Selbstachtung auf Deine Beziehungen

Es passiert folgendes – nehmen wir mal ein Fallbeispiel:

Cordula ist äußerlich eine selbstbewusste, erfolgreiche, toughe Frau – doch ihr innerer Antrieb ist nicht Lebensfreude, sondern Ehrgeiz auf der Basis einer tiefen Angst, nicht gut genug zu sein. Beruflich ist sie top – aber sie hat von ihren Eltern oft das Gefühl bekommen, dass sie nicht geliebt wird, wie sie ist und dass sie sich mehr Mühe geben und sich Aufmerksamkeit und Wertschätzung verdienen muss. Obwohl sie nach außen hin alles im Griff hat, hat sie heimlich oft Angst, nicht zu genügen. Ihr sichtbarer Erfolg ändert nichts an den Selbstzweifeln, die ihre Erziehung ihr beigebracht hat – und so fehlt es ihr in den entscheidenden Momenten an Selbstachtung.

Sie würde so gut wie alles dafür tun, von der „richtigen Person“ geliebt zu werden.

Cordula verliebt sich in Karsten – vermutlich weil er so ist, wie sie gerne wäre: Karsten hat, was sie gerne hätte; ist, was sie gerne sein wäre, kann, was sie gerne können würde: Er liebt das Leben und ist erfolgreich, gutaussehend und selbstbewusst.

Cordula gibt ihr Bestes: Sie verwöhnt Carsten, ist aufmerksam, liebevoll und offen zu ihm.

Doch Karsten entwickelt keine Liebe für Cordula – er bietet ihr „Freundschaft+“ (also eine rein sexuelle Affäre) an. Im schlimmsten Fall behandelt er die unglücklich verliebte Cordula so, wie sie sich selbst behandelt: Respektlos – und das ist die größte Verletzung für Cordula, denn sie möchte ja gut behandelt werden (vor allem deshalb weil sie sich selbst meist nicht gut behandelt… daher wünscht sie sich ja, dass ein anderer sie gut behandeln).

Interessanterweise ist das auch schon vorgekommen: Als sie damals Markus kennen lernte, war sie zunächst fasziniert. Markus tat alles dafür, dass es ihr gut ging. Er behandelte sie liebevoll, respektvoll und aufmerksam. Doch irgendwann hatte sie den Eindruck, dass mit Markus was nicht stimmt… er war viel zu nett. Er war ein Weichei.

Sie fand immer mehr Gründe dafür, warum Markus als Partner total untauglich war und beendete die Beziehung. Im Grunde hatte Markus nur einen Fehler gemacht: Er hatte etwas getan, was Cordula nie tun konnte – er hatte sie gemocht und geliebt – ohne dass sie sich dafür anstrengen musste. Ohne dass es Cordula bewusst wurde, hat sie das als vollkommen inakzeptabel empfunden und ihren Respekt vor Markus verloren.

Dabei hatte Markus sich ihr gegenüber an sich genau so verhalten, wie sei sich auch Carsten gegenüber verhielt… er wollte ihr zeigen, wie gerne er sie hat und sie verwöhnen.

Danach lernte Cordula jede Menge Männer kennen, die „einfach nicht ihr Niveau“ waren: Dickbäuchige, einfältige Muttersöhnchen, die in ihr eine starke Frau sehen, bei der sie sich anlehnen könnten. Da fragt sich Cordula selbst, ob mit ihr etwas nicht stimmt… die will sie wirklich nicht.

Anders bei Karsten: Auch wenn er sie nicht will, löst er diese Faszination bei ihr aus. Insgeheim schmachtet sie weiterhin ohne zu merken, was sie sich selbst damit antut. Sie versucht immer wieder, sich Karstens Zuneigung zu verdienen, indem sie ihm Angebote macht, ihm schmeichelt, immer für ihn Zeit hat und alles tun würde, um von ihm gemocht zu werden. Damit macht sie sich leider immer unattraktiver für Karsten und leidet vor sich hin. Ihre Glaubenssätze „Ich bin nicht liebenswert“ verstärken sich dadurch immer mehr und sie behandelt auch sich selbst so.

Aus Karstens Sicht ist Cordula als Partnerin nicht begehrenswert, weil sie viel zu „bemüht“ ist – doch das bemerkt sie leider nicht: Da sie wenig von sich selbst hält, glaubt sie, dass sie sich bemühen muss, um „gut genug“ zu sein. Wie unattraktiv sie sich damit macht, ist ihr nicht bewusst. Liebe gibt es nicht für Leistung – es ist unsere Ausstrahlung, die andere fasziniert – oder eben nicht… und Ausstrahlung bedeutet, dass das, was innen ist nach außen strahlt.

Thorsten hat genau so wenig Selbstachtung wie Cordula. Er kann es jedoch nicht so gut verbergen, wie sie: Thorsten ist ganz gut sichtbar auch nach aussen so, wie Cordula innen ist: Unsicher und bedürftig. Cordula hält Thorsten für einen Waschlappen und verachtet ihn – auf keinen Fall könnte sie sich in so einen verlieben.

In Wahrheit hält von Thorsten ungefähr dasselbe wie von sich selbst… Und behandelt den unglücklich Verliebten letztlich so, wie sie sich selbst behandelt: Respektlos…

Aus dieser Perspektive könnte sogar der von ihr begehrte Karsten möglicherweise genau so ein Blender sein, wie sie, der in Wahrheit ebenfalls nicht viel Selbstachtung besitzt und sich deshalb nicht in sie verliebt, weil sie so deutlich zeigt, wie wenig sie von sich hält.

Das wäre zumindest nicht ungewöhnlich… und so schliesst sich der Kreis.

Jaja, es ist kompliziert.

Oder doch nicht?

Das Geheimnis der Selbstachtung

Andere behandeln Dich so, wie Du Dich selbst behandelst: Die Art, wie Du mit Dir umgehst und was Du von Dir selbst hältst, zeigt allen anderen, wie Du behandelt werden möchtest.

Du gibst jedem ein klares Beispiel dafür, wie er mit Dir umgehen soll.

Du glaubst vielleicht, dass andere das gar nicht sehen können – Du irrst Dich:

Selbst wenn Du nicht daran glauben willst, dass alle Menschen „Schwingungen“ aussenden, die vom Unterbewusstsein wahrgenommen werden: Unsere Gestik und Körperhaltung, unsere Mikro-Mimik und unsere Sprache – die Art wie wir sprechen und die Worte die wir benutzen – senden jedem Gegenüber unzählige Signale dafür, was wir von uns halten und wie wir bereit sind, uns behandeln zu lassen.

Menschen die eine hohe Selbstachtung haben, die sich gut behandeln und ein gutes Selbstwertgefühl haben, weil sie sich als wertvoll, liebenswert und sexy empfinden, haben ein sicheres Auftreten und eine freundliche, dabei „unbedürftige“ Ausstrahlung und werden in aller Regel auch von anderen gut behandelt und nur selten abgelehnt.

Menschen mit hoher Selbstachtung buhlen nicht um Aufmerksamkeit – sie erwarten Aufmerksamkeit und Respekt, da sie es sich selbst zugestehen und sie verlassen Situationen, in denen sie nicht respektvoll behandelt werden, um sich dahin zu wenden, wo man sie schätzt.

 

Selbstachtung ist eine Entscheidung

Wir lernen Selbstachtung in der Regel von unseren Eltern – bzw. viele von uns haben es eben nicht gelernt, wenn ihre Eltern selbst nicht gerade viel davon hatten. Ein häufiges Phänomen ist es, wenn Eltern nach den Maßstäben der Vorkriegsgeneration geheiratet hatten, wo die Familie den Sinn hatte, sich gegenseitig „beim Überleben“ zu helfen und später die Sehnsucht nach Romantik aufkam und nich erfüllt werden konnte (oder wollte). So entstand in diesen Ehen oft ein Kreislauf aus Bedürftigkeit, gegenseitiger Beschuldigung (wer wem das Leben versaut hat) und beständiger Opferhaltung (weil man ja für die Familie da sein „muss„) auf beiden Seiten.

Du kannst Dich jederzeit entscheiden, ob Du die Leidensgeschichte Deiner Eltern zum Anlass nehmen möchtest, Dir Dein eigenes Leben zu versauen.

Vielleicht hat man Dir auch einfach (zu oft) gesagt oder vermittelt, dass Du nicht liebenswert bist, dass Du nicht gut genug bist oder dass Du nicht richtig bist, wie Du bist. Doch die Wahrheit ist: Du bist da und Du bist ein Mensch, der alle Fähigkeiten und Möglichkeiten hat, ein gutes und sinnvolles Leben zu führen. In der Liebe geht es nicht darum, „gut genug“ zu sein. Es geht darum „liebenswert“ zu sein. 

Wenn Du bisher jemand warst, der (heimlich) wenig von sich gehalten hat oder der immer wieder unter dem „falsch verliebt“ Syndrom gelitten hat,  ist der erste Schritt, das zu verändern eine Entscheidung:

Wem bringt es etwas, dass Du Dich selbst mies behandelst oder mies machst?

Und wenn Dir jetzt jemand einfällt, frage dich: Gönne ich das diesem Menschen? Vermutlich nicht…

Es beginnt mit der Entscheidung, dass Du gut genug bist, wie Du bist und dass Du es verdient hast, dass Du Dich gut behandelst. Es kann Dir helfen, wenn Du bereit bist, Deine inneren Programme wirklich zu erkennen und zu verändern.

Was denkst Du darüber? Kennst Du dieses Phänomen und hast es vielleicht sogar schon überwunden?

Berichte uns davon in den Kommentaren!

 


 

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In meinem Podcast geht es um die Themen, die mich bewegen: Flirt, Dating, Partnerschaft, Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Männer, Frauen, 6 und Liebe.

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