„Mach das nicht nach – aber glaube, dass es möglich ist!“

– das ist einer der Sätze, die ich immer in meinem Seminar „Die Liebe finden“ sage und es geht um meine eigene Geschichte:

Es war 2007 – ich war 33 – und ich war müde.

Ich war müde davon, Männer kennen zu lernen, Dates zu haben, meine „Geschichte“ zu erzählen (und mich zu „erklären“, weil ich als „Datedoktor“ ja bestimmt ganz hohe Ansprüche hätte oder sonstigen Mist…).

Ich war müde davon, immer wieder Hoffnung zu haben, dass der nächste Mann ja vielleicht der „Richtige“ sein könnte.

Ich war müde davon, immer wieder das Gefühl zu haben, von vorne anfangen zu müssen…

Vielleicht kennst Du das ja auch?

Und das ausgerechnet mir, die ich seit Jahren Menschen half, ihre Schüchternheit zu überwinden oder andere beziehungsverhindernde Muster und Blockaden zu erkennen und zu überwinden… ausgerechnet ich fand keinen passenden Partner, war genervt und frustriert.

Ich hatte mich von meinem letzten Partner getrennt, weil er „nicht echt“ war: Er war immer bemüht, alles für mich zu tun und mir zu gefallen.  Ich merkte, dass es ihm wichtiger war, Harmonie zu haben – als eine eigene Meinung. Das war nicht okay für mich und es änderte sich auch nicht – also war irgendwann Schluss. Danach gab es immer wieder „Episoden“… und irgendwann erkannte ich, was mein Problem war:

Es ist nicht schön, wenn Du bemerkst, womit Du Dich selbst boykottierst – es ist alles andere als schmeichelhaft für Dich selbst. 

Und genau deshalb sind die meisten Menschen unheimlich gut darin, den echten, wirklichen Grund, warum sie nicht das bekommen und erleben, was sie sich wünschen, vor sich selber geheim zu halten. Meistens glauben meine Klienten, sie wüssten schon, woran es liegt… und meistens stimmt das nicht mal ansatzweise…

Und genau so ging es mir auch…

Ich bemerkte, dass ich mir innig wünschte, dass jemand mich so toll fand, dass er mich wirklich „haben“ wollte, dass er verbindlich mit mir sein wollte. Und dann bemerkte ich, dass ich diejenige war, die immer ein Stück weit unverbindlich blieb… Ich wollte eigentlich am liebsten, dass ein Mann ankäme und mir sagte, dass er mich heiraten wolle.

Doch ist selbst sagte immer, dass ich die Ehe für eine unnötige und überholte Institution hielt: Da müsste ich ja was versprechen, von dem ich gar nicht wüsste, ob ich das halten könnte – und ich wollte nichts versprechen, was ich nicht halte! Aus die Maus.

Ich stellte fest, dass es ganz schön blöd ist, herumzulaufen und zu sagen: „Ich mag keine Kekse! Kekse sind blöd!“ und dann immer darauf zu hoffen, dass einer ankommt und mir Kekse anbietet!

Ich bemerkte, dass ich mir wünschte, dass jemand sich wirklich zu mir bekannte.

Und ich bemerkte, dass ich permanent unehrlich war damit.

Die Wahrheit war: Ich wollte etwas, was ich selbst nicht bereit war zu geben. Ich fühlte mich oft einsam und ich war einfach nicht gerne alleine… und noch circa 37 andere Dinge, die ich niemals zugegeben hätte.

Sich all das einzugestehen war nicht leicht – doch es half…

Denn ich bemerkte auch:

Der erste Mensch, der sich unbedingt zu mir bekennen musste, war ich selbst!

Ich hörte auf, mich dafür zu entschuldigen und falsch zu finden, dass ich war, wie ich war… oder wie ich bin:

  • Ich bin laut.
  • Ich bin auffällig.
  • Ich bin aktiv und handle.
  • Ich habe einen hohen IQ und denke sehr schnell.
  • Manchmal bin ich auch sehr töricht, voreilig, verurteilend.
  • Ich habe eine große Klappe und kann meinen Mund oft nicht halten.
  • Ich generalisiere sehr häufig.
  • Ich übernehme gerne die Führung.
  • Ich durchschaue Menschen schnell.
  • Ich bin ein Nerd: Ich liebe Fantasy, Science Fiction und anderes komisches Zeug.

Manche Menschen finden mich aufdringlich, dominant, nervig oder oberflächlich.

Doch warum muss ich mich damit beschäftigen? Und falls ich es tue, wie tue ich es?

Muss ich mich „falsch“ fühlen? Ist es ein Hinweis, dass ich nicht okay bin, wenn mir jemand ein schlechtes Feedback gibt?

Es geht nicht darum, jedem zu gefallen – sondern die zu finden, denen man gefällt!

Und dann zog ich ein paar Konsequenzen:

Ich hörte auf, mich zu „verstecken“ oder „zurechtzubiegen“, wenn ich einen Mann kennen lernte:

Wenn „er“ Probleme damit hatte, dass ich anderen das Flirten beibrachte, war er eben nicht der Richtige – denn ich wollte keinen Mann, der Probleme damit hatte, dass ich anderen das Flirten beibringe: Next!

Wenn ich einen Mann traf, der Angst hatte, dass ich ihn durchschaute, weil ich Coach war, dachte ich mir: Was hat er zu verbergen, was ich auf keinen Falls sehen dürfte? Und was glaubt er, wie dumm andere Frauen sind, dass sie das nicht auch irgendwann sehen würden? Ich wollte keinen Mann, der so wenig Selbstvertrauen hatte: Next!

Wenn ich einen Mann traf, der Angst hatte, dass ich ihn manipulieren würde, sagte ich: „Ich dachte, darum geht’s? Dass wir uns gegenseitig manipulieren… so sehr, dass wir uns richtig super finden und Spaß miteinander haben.“ Und dann ging ich. Next!

Wenn ich einen Mann traf, der „nicht so ganz frei war“, ging ich: Ich wollte einen Mann, der mich wollte und der auch „konnte“, wie er wollte: Next!

Was dafür notwendig war, konnte ich: Ich weiß, wie man Menschen kennen lernt und Kontakt herstellt. Genau das ist es ja, was ich damals schon Menschen beibrachte.

Letztlich ist Partnersuche auch ein bisschen wie Marketing:

Wenn Du viele Menschen kennen lernst, dann dauert es nicht lange, bis es leicht wird, die loszulassen, die nicht das sind, was Du willst – oder die nicht dasselbe wollen wie Du. Du willst Menschen finden, die Dich wollen und die dasselbe wollen, wie Du. Alles andere ist blödsinnig und kostet nur Zeit, Kraft und Nerven. Wenn Du viele Menschen kennen lernst, merkst Du ziemlich schnell, wann das so sein könnte.

Wenn Du nur wenige Menschen kennen lernst, dann ist das ungleich schwieriger.

Also lerne Menschen kennen! Viele Menschen!

Und ich veränderte die Art, wie ich suchte und „wen“ ich suchte: Ich hörte auf, mich „passend zu machen“ – denn genau das, was mich an meinem Ex-Freund gestört hatte, hatte ich selbst auch gemacht. Nur ein wenig… besser getarnt. Und deshalb hatte ich es nicht bemerkt. (Typisch übrigens… habe ich im Coaching dauernd und hätte ich doch eigentlich merken können!?)

Früher hieß es immer: „Du bist so abgedreht, Du musst so einen Ruhigen haben, der Dich erdet!“

Und weisst Du was? Einen Scheiss muss ich!

Denn das ging immer davon aus, dass es falsch ist, so zu sein, und dass ich jemanden bräuchte, der mich „normaler“ macht.

Warum? Was war das für ein Blödsinn!?!?

Und dann sagte ich einfach: „Ich wünsch mir jemanden, der genau so beknackt ist, wie ich es bin!“

Ich wollte jemanden, der mich ansatzweise versteht, der auch spontan verrückt sein kann, der auch manchmal „drüber“ ist, der auch gerne redet, der auch aus vollem Hals in der Öffentlichkeit singt, wenn ihm danach ist, der auch laut ist, der ein riesigen Herz hat…

Ich veränderte auch meine Profil-Fotos:

Ich habe ein sogenanntes „Gummy-Smile“ – das heisst: Wenn ich lache, liegt mein kompletter Oberkiefer frei. „Wie ein Pferd“, haben sie mich früher gehänselt – und ich habe mich geschämt.

Es gab kaum Fotos von mir, auf denen man mich „offen“ lachen sah – weil es „so hässlich“ war. Oft hielt ich die Hand vor den Mund, wenn ich lachte, weil es ja so furchtbar aussah…

Ich hatte ein Foto von mir, wo die Fotografin mich dabei „erwischt“ hatte… ich wollte es am liebsten vernichten – doch diesmal…

Diesmal nahm ich das Foto und machte es zu meinem Profilbild (bei Myspace damals – kennt das noch wer?)

Und ich bekam tatsächlich auch zwei Mails von Leuten die mir sagten, das Foto sei „unmöglich“ bzw. „übertrieben“ – das wäre ja total unauthentisch und „too much“. Aber tatsächlich hatte ich hier einfach nur schallend gelacht und die Fotografin drückte auf den Auslöser, bevor ich den Kopf noch vorne warf, um mich auf dem Boden zu rollen…

(Foto: Svea Ingwersen

Und dann passierte noch etwas:

Ich bekam eine Nachricht von einem Musiker, der mit Bekannten von mir befreundet war. Wir hatten erst kürzlich über seine Musik gesprochen und dass ich mir die unbedingt mal anhören sollte. Ich erinnerte mich an ein Video mit ihm, wo mir seine Präsenz aufgefallen war – und dass er „ganz schön beknackt zu sein schien“…

Als er mir schrieb, erinnerte ich mich sofort – er hatte neue Musik und ich hörte sie mir direkt an. Und mir gefiel ziemlich gut, was ich hörte – deshalb schrieb ich ihm das auch. Nur eine kurze, nette Notiz – ein Kompliment.

Er sah es – sah mein Bild und sagte sich: „Eine Frau, die so lachen kann und mir so ein Kompliment schickt – einfach so – die will ich kennen lernen!“

Zunächst ging es um Musik. Keiner von uns hatte gerade richtig viel Lust auf den „Balztanz“ – darauf, jemanden beeindrucken zu müssen… zum Glück. Wir schrieben uns… wir erzählen uns alles mögliche. Wir schickten einander Songs, die wir mochten.Wir riskierten, uns zu blamieren, weil wir einander „ehrliche Antworten“ gaben.

Und irgendwann merkte ich: Ich finde diesen Typen richtig gut!

Als er mich das erste mal anrief, wusste ich schon, dass er dran ist noch bevor ich den Hörer in die Hand nahm. Und eigentlich haben wir nur dummes Zeug geredet und blöd gelacht – wie 14jährige… Doch danach konnte ich nicht mehr schlafen.

Ich war dabei, mich in jemanden zu verlieben, den ich überhaupt nicht kannte.

Aber ist das nicht immer so?

Wir kennen die Menschen doch eh nicht, in die wir uns verlieben… wir verlieben uns in eine Idee von jemandem.

Dennoch: Ich brauchte einen Realitätsabgleich!

„Was willst Du?“ fragte mich meine Freundin damals. „Einen Mann, der mich seinen Freunden vorstellt, mit den Worten: Das ist sie!“, sagte ich.

Und dann fuhr ich nach Berlin – für den Realtitätsabgleich.

Ich wollte wissen, was dahinter steckte:

Ich wollte wissen, wie er wirklich so war, dieser Typ. Wie er roch. Wie er mich ansehen würde. Und wie es sich anfühlen würde, wenn er mich umarmt. Ob er küssen konnte.

Ich brauchte etwa 2 Stunden, um das herauszufinden.

In diesen zwei Stunden begegneten wir Freunden von ihm – er legte den Arm um mich und sagte: „Das ist sie, das ist meine Nina!“

Ich war sprachlos. Zum ersten mal. Wir verabredeten uns für’s Wochenende in Hamburg. Tauschten unsere Shirts für den anderen zum Dran-riechen… (ist das komisch? Für mich nicht – für ihn auch nicht… Darum geht’s!) Dann fuhr ich wieder zurück nach Hamburg.

Zu meiner Freundin sagte ich einfach nur: „Den heirate ich!“

Sie machte eine alberne Bemerkung darüber.

Drei Tage später rief er mich an, und sagte mir, er habe ein Lied für mich geschrieben… und es wäre ihm jetzt etwas seltsam, denn das Lied sei ein Heiratsantrag.

Weitere zwei Tage später kam er nach Hamburg und machte ihn tatsächlich: Den Heiratsantrag beim zweiten Date.

Ich habe ja gesagt.

Das war 2007.

Viele meiner Freunde hielten das für einen Scherz. Die anderen gaben uns zwei Jahre. Höchstens.

Im Mai 2008 haben Claudius Mach und ich geheiratet.

Ich glaube, die meisten Leute, die zu unserer Hochzeit kamen, war einfach nur neugierig, weil sie nicht glauben konnten, dass wir das wirklich tun würden.

Wir taten es.

War das vernünftig?

Sicher nicht.

Aber wer will schon aus Vernunft heiraten?

Viele Menschen, die aus Vernunft geheiratet hatten, waren auch geschieden – also wo war das Risiko?

Wir kannten uns doch eigentlich kaum – ja, das stimmt irgendwie schon. Andererseits: Viele Menschen die sich gut kannten, als sie heirateten, waren ebenfalls geschieden – so what!?

Am Ende kommt es nicht darauf an, wie lange man jemanden kennt, sondern ob man die richtigen Gemeinsamkeiten hat: Werte, Visionen, Humor und was man unter „Partnerschaft“ versteht.

Wie gesagt: Mach das nicht nach! Aber ziehe in Betracht, dass es passieren kann.

Bei mir hat es von: „Sch…. doch drauf! Ich hab keine Lust mehr… ich bin genervt, mir ist das alles zu doof“ zu „Ich heirate!“ und über beide Ohren verliebt und glücklich zu sein, circa 4 Wochen gedauert.

Zwischen der angepissten Single-Frau und der glücklichen Braut, die Du da oben auf dem Foto siehst, liegen ca. 7 Monate. Und dasselbe sagt Claudius auch… er hatte nämlich den Kanal eigentlich auch voll und hätte nie gedacht, dass er „spontan“ eine eigentlich völlig fremde Frau bitten würde, ihn zu heiraten.

Und es ist vollkommen egal, welches Beziehungsmodell Du bevorzugst: Ich will Dir einfach sagen, dass es möglich ist.

Und es hat als allererstes mit Dir zu tun.

Und weisst Du was?
Es war kein „Happy End“!

Es war der Anfang.

Der Anfang einer neuen Reise. Eines neuen Abenteuers – mit allem, was das Leben bereithält: Mit Hochs und Tiefs.

Höhere Hochs und tiefere Tiefs als jemals zuvor.

Weil der Typ genauso beknackt ist, wie ich.

Weil wir uns wirklich aufeinander eingelassen haben.

Weil wir all unsere Dämonen raus- und aufeinander losgelassen haben. Und weil wir uns immer wieder daran erinnert haben, dass keiner von uns „Täter“ oder „Opfer“ ist, sondern dass wir hier sind, um zu lernen… und das der jeweils andere nicht „böse“ oder „falsch“ ist, sondern dass er nur seinen salzigen Daumen auf eine Wunde legt, die schon lange da ist, damit wir es merken und heilen können.

Und das ist furchtbar anstrengend.

Und es ist die Mühe wert. Man kann das überleben. Es lohnt sich.

Das ist meine Geschichte.

Und das ist der Grund, warum ich heute immer noch – und jetzt noch viel mehr und viel lieber – Menschen dabei unterstütze, die Liebe zu finden.

Weil ich weiss, dass es sich wirklich lohnt.

Mach das nicht nach – aber glaube, dass es möglich ist.

 

Titelfoto Nina und Claudius: He Shao Hui – danke! 

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