„Warum wir häufig nicht zeigen, dass wir auf jemanden stehen“ war der Titel eines Artikels von Gunda Windmüller in der ZE.TT, den ich kürzlich auf meiner Facebook-Seite geteilt habe.

Viele meiner FB-Fans fanden den Artikel sehr interessant und konnten sich damit identifizieren. Denn die Frage: „Warum sind eigentlich alle so zurückhaltend darin, ihr romantisches Interesse für jemanden öffentlich kundzutun?“ Bewegt viele Menschen, die sich einen Partner wünschen.

Zum einen will man selber, dass möglichst niemand es mitbekommt – andererseits aber leiden wir darunter, wenn wir jemanden interessant finden und dieser Mensch selbst ein Pokerface aufsetzt und sich eben nicht in die Karten schauen lässt.

Warum zeigen wir häufig nicht, dass wir auf jemanden stehen?

Im Arikel bezieht sich Gunda Windmüller auf Aziz Ansari, der bei seinen eigenen Dating-Bemühungen herausgefunden hat, dass wir nicht zugeben wollen, dass wir jemanden toll finden, weil wir ja damit auch kundtun, dass wir eine Beziehung zu der Person haben wollen und dass wir uns „entblößt“ fühlen, wenn dieser Wunsch nicht auf Gegenliebe stößt.

Natürlich kann ich das nachvollziehen… und ich möchte Dir eine mögliche Alternative bieten.

Doch dafür lass mich bitte drei Absätze weit ausholen – ich verspreche Dir, es lohnt sich!

Wer sich einen Partner wünscht, der wünscht ihn/sie sich ja, wegen eines ganz bestimmten Gefühls bzw. mehrerer: Das Gefühl von Verliebtheit, von Begehrtheit, von Geborgenheit, von Angenommensein und von Lieben und Geliebt werden.

Es ist also eigentlich gar nicht unbedingt der Mensch selbst, auf den wir „scharf“ sind, sondern die Gefühle, die wir uns erhoffen, die er oder sie bei uns erwecken und auslösen soll.

Das Verliebtsein ist so ein Gefühl – ein kribbeliges, aufgeregtes, sich zu jemandem hingezogen fühlen… Und jetzt kommt der springende Punkt:

Jemanden toll zu finden ist doch eigentlich toll. Verliebt sein ist auch toll.

Nur sind in unserer Kultur diese Gefühle direkt verquickt damit, diesen Menschen „haben zu wollen“.

Und so stellt uns das Verliebtsein oder das „jemanden lieben“ (oder für jemanden schwärmen) oft vor das Dilemma, dass wir glauben, wir müssen mit diesem Menschen auch einen partnerschaftliche Beziehung anbahnen…

Aber was, wenn er das gar nicht will?

Und so fühlt man sich schnell schlecht und landet wieder in der Angst und all den schlechten Gefühlen – obwohl man doch in der Liebe und all den guten Gefühlen sein wollte!?

Wir verwechseln oft das Lieben und Verliebtsein mit dem „Haben-wollen“ – und dann fühlen wir uns plötzlich nicht mehr so, wie wir uns fühlen möchten.

Stell Dir vor, wie es wäre, wenn Du nicht nur etwas „haben wollen“ könntest, sondern wenn Du Dir selbst darüber bewusst wärst, dass Du ein unglaublich guter Fang bist!?

Und wie wäre es, wenn Du Dich für viele Menschen begeistern könntest, unabhängig davon, ob Sie für Dich als Partner in Frage kommen oder in Frage kommen wollen: ich weiss, das ist weit weg vom „normalen“ Denken und Fühlen vieler Menschen in unserer Gesellschaft – aber was, wenn das Konzept von der Einzigartigkeit und der Liebenswertigkeit jedes Einzelnen auch mal bei jedem einzelnen ankäme: Bei Dir zum Beispiel.

Es gib Menschen, die mehr Deinem „Beuteschema“ entsprechen und andere weniger.

Es gibt Menschen, deren Beuteschema du eher bist und bei anderen weniger.

Wenn zwei Menschen zusammen kommen, dann weil Sie sich gut verstehen und weil Sie sich voneinander angezogen fühlen – und je weniger wir uns zeigen, desto weniger können wir jemals herausfinden, ob diese Anziehung da ist.

Wirklich eine Partnerschaft eingehen sollte man mit einem Menschen, von dem man sich nicht nur angezogen fühlt, sondern der auch tatsächlich zu einem passt.

Warum Du noch nie „den Falschen“ hattest

Was wäre also wenn ein „Ich fühle mich von Dir angezogen“ nicht gleichbedeutend wäre mit „Ich will eine Beziehung mit Dir“?

Schwer vorstellbar?

Aus der Sicht von Menschen, die lieber nicht zulassen, sich angezogen zu fühlen und dann immer, wenn es doch mal so ist, auf Biegen und Brechen „es passend machen“ wollen, damit sie endlich „eine/n haben“ – ist das ganz sicher schwierig vorstellbar.

Wir leben in einer Welt, wo Beziehungen oft auf der Basis von Bedürfnissen geschlossen werden anstatt auf der Basis gegenseitiger Angebote.

Was will ich damit sagen?

Jemanden zu lieben heisst nicht, ihn besitzen zu müssen!

Und natürlich würde da vermutlich erst mal jeder zustimmen – und doch verhalten wir uns so oft genau anders herum!

„Ich liebe sie/ihn“ – heisst fast immer:

  • Ich will sie/ihn haben!
  • Ich will dass er mich auch liebt!
  • Ich will, dass er mir das Gefühl gibt, geliebt zu sein.
  • Ich will dass er mir das so zeigt, wie ich es gerne hätte…
  • Ich will, dass sie meine Bedürfnisse befriedigt.
  • Und vor allem: Ich will, dass er so ist, wie ich ihn mir vorstelle / ich will dass sie so ist, wie ich sie mir vorstelle

Und genau deshalb landen wir dann in der Angst – in der Angst enttäuscht zu werden. Denn all das ist nicht Liebe. Das hat nichts mit Liebe zu tun…

Es hat zu tun mit unserer tiefen, unstillbaren Sehnsucht danach, von jemandem angenommen zu werden und für irgendwen gut genug zu sein.

Doch wie können wir je von jemand anderem angenommen sein, wenn wir uns nicht einmal selbst annehmen?

Wie können wir angenommen werden, wenn wir so tun, als ob wir jemanden ablehnen, den wir in Wirklichkeit toll, interessant und anziehend finden?

Und das alles nur, weil wir selbst so sehr danach gieren, den anderen haben zu müssen und so sehr danach streben, dass endlich jemand unsere Bedürfnisse stillt, dass wir uns vor uns selbst schämen.

Es ist nicht leicht, sich das einzugestehen – aber es wäre ein erster Schritt… ein erster Schritt dorthin, wo tatsächlich Liebe möglich ist und nicht ein „sich gegenseitig beeindrucken müssen“ um den anderen dazu zu manipulieren, die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.

Einen Menschen toll zu finden – und das nicht gleichbedeutend zu machen damit, ihn „haben“ zu müssen, würde all den Schwachsinn obsolet machen, warum wir häufig nicht zeigen, dass wir auf jemanden stehen!

Und selbst erst mal zu akzeptieren und toll zu finden, würde dazu führen, dass wir nicht mehr von jedem anderen toll gefunden werden müssen – es würde schmeicheln – aber dann könnten wir herausfinden, ob dieser andere Mensch noch mehr mit uns teilt:

Ob er/sie gut genug für uns ist – weil wir ähnliche Werte, ähnliche Vorstellungen von Beziehung, einen ähnlichen Humor und ähnliche Ziele haben. Wir könnten herausfinden ob der andere – jenseits unserer Chemie und unserer Lust überhaupt für eine Beziehung mit uns geeignet ist, anstatt blind zu schwärmen und uns dabei so sehr zu schämen, dass wir völlig vergessen, was die Wahrheit darüber ist, warum wir häufig nicht zeigen, dass wir auf jemanden stehen:

Weil wir in Wahrheit gar nicht auf den anderen stehen – sondern weil wir so sehr darauf fixiert sind zu gefallen und zu manipulieren, dass wir vergessen, dass wir in Wahrheit eigentlich nur eins wolle: Lieben!

Wenn Du mehr und mehr in den Gefühlen bist, in denen Du sein möchtest – in den Gefühlen der Liebe – dann ist es natürlich, dass Du Menschen triffst, die dazu gut passen und das auch wollen. Und aus diesem Zustand heraus „zusammen sein zu wollen“ – ist dann quasi ganz normal.

Ergibt das Sinn für Dich?

Anziehend werden: KOMM IN KONTAKT

Bleib auf dem Laufenden

Ausführliche Informationen zum Newsletter Versandverfahren erhältst du in Abschnitt 5 der Datenschutzerklärung.

Neu: Der Nina Deißler Podcast

In meinem Podcast geht es um die Themen, die mich bewegen: Flirt, Dating, Partnerschaft, Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Männer, Frauen, 6 und Liebe.

Pin It on Pinterest