Ein Freund klagte mir neulich sein Leid: Er habe einfach „Pech in der Liebe“. Er hatte schon viele „schmerzhafte Beziehung“, sein Herz sei gebrochen worden und eigentlich wollte er lieber Single bleiben, als immer wieder zu leiden. Jetzt hatte er wieder jemanden kennengelernt und wurde wieder „verarscht“.

Kennst Du solche Situationen auch?

Hast Du immer wieder Pech in der Liebe? Oder wirst Du oft benachteiligt?

Du kommst aus manchem Schlamassel einfach nicht raus? Greifst Du immer wieder in dieselbe sanitäre Anlage?

Du kriegst einen Tritt nach dem anderen? Ziehst immer wieder den Kürzeren?

Möchtest Du das ändern?

Wer würde darauf nicht mit „ja“ antworten?

Und „eigentlich“ ist das nicht schwer – nur die Wahrheit dahinter ist ein bisschen unbequem.

Das ist, was ich meinem Freund geantwortet habe:

Es ist kein Wunder, dass Dir das passiert, denn Du hältst an einer Geschichte von Dir fest, die
a) nicht ganz wahr ist und
b) Dich zum Opfer macht!

Und so lange Du das tust, wirst Du damit Deine Zukunft ebenso versauen, wie Du Deine Vergangenheit in Leid und Schmerz siehst.

Unsere Erinnerungen sind „Geschichten“, die wir uns selbst erzählen, darüber, wie es mal war. Sie sind voller Urteile und Bewertungen – und manchmal auch voller Lücken… wir tendieren nämlich auch dazu, gewisse Dinge zu ignorieren, die das „Bild stören“ könnten, dass wir mit einer Geschichte erzeugen möchten.

 

„Pech in der Liebe“ ist ein Märchen


Wir erzählen uns selbst und anderen immer eine Geschichte, wie wir sind und warum wir so sind. Wie unser Leben verläuft und ob es gut oder schlecht ist. 

Und wir halten an dieser Geschichte fest und leben und fühlen so, dass diese Geschichte wahr ist und bleibt.

Vor einigen Jahren hat Dein Partner Dich verlassen, er hat Dich auch belogen, er war unfair zu Dir, vielleicht hat er Dich sogar betrogen. Wenn einem das passiert, dann ist es „normal“ (und auch am einfachsten und schlüssigsten), dass man sich selbst  und anderen die Geschichte so erzählt, dass man das Opfer des anderen geworden ist.

Aber aus einer anderen Perspektive und mit etwas Abstand könnte man auch sehen:

  • Du hast nicht bekommen, was Du erwartet hast und bist enttäuscht, weil der andere Deine Erwartungen nicht erfüllen wollte oder konnte.
  • Du hast nicht bekommen, was Du zu brauchen (oder zu verdienen) glaubtest.
  • Deine „Taktik zum Glück“ hat nicht funktioniert.
  • Du warst so eine Nervensäge, dass dem anderen nur die Flucht blieb.
  • Dein Gegenüber war nicht ehrlich zu Dir, weil das, was er/sie „ehrlich“ gesagt hätte, von Dir gar nicht akzeptiert worden wäre.
  • ….und vielleicht noch einiges mehr.

Kaum ein Mensch, der verlassen wird, gesteht sich selbst ein, dass seine Unaufmerksamkeit, seine Eifersucht, seine Anhänglichkeit, seine Ignoranz, seine Bedürftigkeit, seine Manipulation oder ähnliches dazu geführt haben, dass der (Ex)Partner keine Liebe mehr empfinden konnte oder zumindest nicht mehr den Wunsch verspürte, noch mehr Zeit mit ihm zu verbringen.

Die Geschichte von „gut“ und „böse“

Ich erlebe immer wieder im Paarcoaching, dass mir die beiden Partner ganz unterschiedliche Geschichten von ihrer Partnerschaft erzählen und dass die größten Konflikte daraus entstehen, dass man sich selbst immer als „der Gute“ sehen möchte – und der andere hat was falsch gemacht. Man selbst ist das Opfer, das leidet und ganz schrecklich benachteiligt wurde.

Doch die Wahrheit ist:

Jeder Mensch tut immer das, was ihm in der jeweiligen Situation richtig und möglich erscheint.

Natürlich gibt es Menschen, die Dinge für richtig halten, die außer ihnen selbst wohl keiner gut findet – aber jeder Mensch hat die Wahl, sich mit einem solchen Menschen zu umgeben (und daran zu glauben, dass man ihn ändern könne) oder eben nicht.

Wir hängen oft an einem von uns gestalteten Bild von einem anderen Menschen und glauben daran, dass dieser Mensch so sein bzw. werden könnte, wenn er nur wollte und wenn wir ihn genug lieben und „alles richtig machen“. Und dann sind wir unglaublich enttäuscht von ihm, wenn unser Plan nicht aufgeht…

Die Falle im „Gut-und-Böse-Spiel“

Wenn uns so etwas passiert, dann ist es verführerisch, die Geschichte so zu erzählen, dass man selbst „der Gute“ ist – dann muss der andere automatisch „der Böse“ sein.

Allerdings macht man sich dann automatisch auch zum Opfer des anderen.

Das Blöde am Opfersein jedoch ist, dass es uns ohnmächtig, klein und handlungsunfähig macht.

Erzählt man sich und anderen die Geschichte vom „Opfersein“, wird man immer wieder zum Opfer.

Warum? Weil das die einzige Möglichkeit ist, Recht zu behalten. Und wir Menschen (unser sogenanntes „Ego“) – wir lieben es, im Recht zu sein, Recht zu haben, Recht zu bekommen.

Wir handeln stets so, dass wir das was wir denken und sagen auch leben. Jeder unserer Gedanken möchte Realität werden: Wir möchten dem entsprechen, was wir über uns sagen. Wir suchen und erschaffen Beweise für unsere Thesen – immer und immer wieder. „Siehst Du, ich hab es Dir doch gesagt!“

Wenn wir also sagen: „Ich wurde so schlecht behandelt von XY“ dann sagen wir auch „Ich bin ein Opfer von XY“.

Damit Du damit Recht behältst, dass er/sie der/die Böse ist (und bleibt) und Du der Gute bist, bleibst Du das Opfer.

Die Folgen

Du bleibst misstrauisch, denn die anderen sind alle potentielle „Böse“. Und so bleibst Du auch bedürftig, denn Du sehnst Dich nach Liebe, nach Anerkennung und Wertschätzung – die Du nicht bekommst, weil Du nichts tust, um das auszulösen. Du bleibst unfähig Dich zu behaupten, denn das würde Deinem Selbstbild widersprechen – Du bist der Benachteiligte!

Mit anderen Worten: Du bleibst arm und klein und fühlst Dich auch so. Und ohne dass Du es bemerkst, benimmst Du Dich auch so.

Und so ist es kein Wunder, wenn Du immer wieder „Täter“ findest, die Dir bestätigen was Du sowieso die ganze Zeit denkst und zu „wissen“glaubst…

Wenn Du angefangen hast, Dir die Geschichte davon zu erzählen, dass Du „immer Pech hast“ (egal, ob es Pech in der Liebe oder in anderen Lebensbereichen ist), dann suchst Du auch danach und Du willst diese Geschichte am Leben halten.

Du sorgst damit quasi – ohne es bewusst zu merken – selbst dafür, dass Du Pech hast oder benachteiligt wirst.

Wie Du Dir Dein Leben versaust

Noch schlimmer wird die Sache, wenn Du nicht nur den anderen zum Täter und Dich zum Opfer eines anderen machst, sondern wenn Du Dich grundsätzlich als Opfer fühlst:

Als Opfer Deiner Erziehung, Deiner Eltern, als Opfer einer Behinderung oder einer Krankheit oder als Opfer einer Situation.

Du sagst: Wenn das nicht gewesen wäre, wäre alles besser.

Du weigerst Dich damit, Dein Leben zu leben. Das Leben wie es ist – und erzählst lieber die Geschichte von, wie Dein Leben hätte laufen sollen. Und erzählst damit jedem, dass Du ein Opfer bist. Ist es da ein Wunder, wenn Du immer wieder Menschen anziehst, die für Deine Geschichte als „willige Täter“ einspringen, um Deine Leidensgeschichte zu vervollständigen?

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Du erschaffst sozusagen Deine Zukunft durch die Geschichte, die Du über Deine Vergangenheit erzählst.

Auch ich coache immer wieder Menschen, die in ihrer Vergangenheit viel Schlimmes und Ungerechtes erlebt haben. Es ist eine schlimme Sache, wenn man als Kind z.B. missbraucht wurde. Keine Frage. Doch wenn man sich entscheidet, ein Opfer zu bleiben, um im Recht zu bleiben (wie schlimm ihr/e Vater/Mutter war oder wie schrecklich ihre Kindheit war) dann versaut man sich oft bis zu 70 Jahre eines Erwachsenenlebens wegen 3 oder 4 Jahren, wo das Leben nicht so gelaufen ist, wie man es gerne gehabt hätte oder wie es „fair“ oder „richtig“ gewesen wäre.

Manche Menschen sind bereit, sich ihr ganzes Leben zu versauen, weil zehn Minuten ihres Lebens etwas Schlimmes passiert ist.

Deshalb stelle ich meinen Klienten immer die Frage:

Ist es das wirklich wert?

Es bedeutet nicht nur, dass Du Dir Dein Leben – Deine Gegenwart und Deine Zukunft versaust, nur weil die Vergangenheit nicht „nach Plan“ lief.

Es bedeutet auch, dass Du in Deinen Geschichten anderen (oder bestimmten Umständen) die Macht gibst, über Dich und Dein Leben – und Deine Zukunft, Dein Schicksal – zu bestimmen. Andere hätten demnach mehr Macht über Dein Schicksal und Dein Leben, als Du selbst.

Und das nur, damit die anderen oder diese Umstände schuld sind, dass es Dir nicht gut geht?

Manche Menschen gehen sogar so weit, dass sie (meist unbewusst, aber doch sehr zielstrebig) ihr ganzes Leben verkacken, nur um ihren Eltern zu beweisen, was für schreckliche Eltern sie sind oder waren. Um zu sagen: „Ihr habt mir das angetan – und jetzt schaut Euch an, was ich für einen Mist baue!“ (oder wie schlecht es mir geht).

Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass es nicht ganz leicht ist, aus diesen Schleifen heraus zu kommen, die Geschichten überhaupt zu erkennen, in denen wir uns selbst das Wasser abgraben. Aber mit etwas Übung kann man es schaffen.

Erkenntnis ist der erste Schritt:

Wann immer Du in Dir eine „Ungerechtigkeit“ spürst und dazu tendierst, jemanden zu beschuldigen oder eine gute „Entschuldigung“ zu haben,bist Du auf einer guten Fährte, (D)eine Opferrolle zu erkennen und zu merken, das Du wieder eine Geschichte anfängst, dass jemand anders mehr Macht über Dein Leben hat, als Du selbst oder dass Du denkst, dass Du weisst, wie das Leben wirklich sein sollte.

Doch merke: Du bist nicht „Gott“ – es wird immer Menschen geben, die sich nicht so verhalten, wie Du es gerne hättest oder wie es aus Deiner Sicht „richtig“ ist. Es ist nicht Deine Aufgabe, Dich darüber aufzuregen, zu klagen oder anzuklagen, sondern einen kreativen Weg zu finden, damit umzugehen.

Willst Du wirklich die Geschichte vom Pech erzählen?

Du kannst nicht die Ereignisse und die Umstände ändern – aber Du kannst über Deine Reaktion auf diese Dinge bestimmen. Und ist die Reaktion „Das ist aber jetzt unfair!!!!“ wirklich eine, die Dir hilft? Bringt sie Dich weiter? Hilft sie Dir, die Situation zum besseren zu verändern?

Immer, wenn Du Dich dabei erwischt, dass Du sagst: „Wegen dem und dem bin ich so und so“ ist auch das eine Limitierung, die Du Dir selbst gibst. Du könntest nämlich durchaus auch anders sein, wenn Du wolltest und den Mumm dazu aufbringen würdest und das „Dem-und-dem“ nicht zum „Täter“ erklärt hättest, der es Dir erlaubt, bemitleidenswertes Opfer zu bleiben.

Du selbst bestimmst, was Du mit Deinem Leben tust

Es gibt Menschen auf dieser Welt, die werden ohne Arme und/oder Beine geboren und werden dennoch Spitzensportler, Motivationstrainer und anderes und haben ein reiches, erfülltes Leben. Es gibt Menschen, die werden in der Gosse geboren und bleiben nicht dort, sondern machen etwas aus sich. Und es gibt viele Menschen, deren Umgebung ist so arm, so lebensfeindlich und sie haben so wenige Möglichkeiten, dass sie all diese Umstände mit noch so viel Motivation und gutem Willen niemals verändern können.

Und es gibt Menschen wie uns:

Wir werden in einem der freisten, reichsten, liberalsten Länder der Erde geboren, erhalten kostenlose Schulbildung, vollumfassende medizinische Versorgung, totale Sicherheit, Wohlstand und alles was man sich nur vorstellen kann.

Und wir jammern. Wir klagen darüber, wie wenig großartig unser Leben ist oder wie oft wir Pech hätten in allen möglichen Dingen… obwohl wir eigentlich nur zugreifen bräuchten… niemand hat bessere Möglichkeiten und Chancen auf ein tolles Leben als wir!

Ich bin sicher, auch in Deinem Leben ist ein Menge gut gelaufen.

Und es kann noch besser werden…

Wenn Du willst.

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