Schluss mit einsam – was Du wirklich tun musst, wenn Du Dir eine Partnerschaft wünschst.

Wenn die Corona-Krise und eines zeigt, dann, wie wichtig es ist, dass wir aus unseren „sozialen Kontakten“ soziale Beziehungen machen.

Wir haben heute so viele Möglichkeiten, mit Menschen in Kontakt zu sein und Menschen kennen zu lernen und dennoch sind vermutlich heute mehr Menschen einsam, als jemals zuvor.

Aktuell wird von „Social Distance“ gesprochen – doch was wir brauchen ist nicht „soziale Distanz“ – die haben wir längst! Wir brauchen lediglich räumliche Distanz – aber wir dürfe lernen, soziale Nähe herzustellen. Und jetzt ist eine gute Gelegenheit:

Einsam zu sein ist nämlich keine Frage der Möglichkeiten, sondern eine Frage der Beziehungskompetenz.

Und genau das haben viele Menschen nie gelernt.

Die meisten Menschen sind einsam, weil sie nie gelernt haben, dass sie Wert auf Kontakte und Austausch in ihrem Privatleben legen müssen. Das hat damit zu tun, dass in den meisten Familien die Eltern das auch nicht getan haben: Die hatten sich – und die Familie. Dann gab es noch die Nachbarn (Vorsicht, was die denken!) und vielleicht ein paar Bekannte. Bei den meisten waren das Leute aus dem Verein, der Kirche oder ähnlichem.

Sprich: In den meisten Familien hatten die Eltern zwar soziale Kontakte – das aber vorwiegend durch ein Hobby, ein Engagement oder eben die Familie. Keine tieferen sozialen Beziehungen außerhalb dessen. Die Beziehung zu anderen ist in den meisten Familien eher oberflächlich und beschränkt sich auf Einladungen zum Geburtstag oder regelmäßige Treffen, um etwas zu tun, aber nicht, um wirklich eine tiefergehende Verbindung zu haben.

Und so kommt es, dass wir keinen „Plan“ dafür haben, wie wir als erwachsene Singles ein „echtes Sozialleben“ organisieren sollen (und dass wir das überhaupt tun sollten). Doch Du wirst eine neue Partnerschaft am wahrscheinlichsten finden können, wenn Du ein guter „Netzwerker“ bist und weißt, wie man aus Kontakten Beziehungen entwickelt:

Was hier besonders hilfreich ist, sind die sogenannte „Social Skills“ – also die Sozialkompetenz. Laut Wikipedia lässt sich soziale Kompetenz als Kombination aus Durchsetzungsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit verstehen.

Und die Schlauen unter Euch merken jetzt direkt:

Das könnte in einer Liebesbeziehung zu einem anderen Menschen durchaus hilfreich sein. Und auch: Um das zu erreichen ist es hilfreich, wenn wir „vorher“ Beziehungen zu anderen Menschen haben, wo wir diese Mischung aus Durchsetzungsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit lernen und „üben“ können.

Und genau das ist einer der Gründe, warum wir mehr „echte Beziehungen“ brauchen:

Nicht nur eine Liebesbeziehung ist eine Beziehung. Es gibt berufliche Beziehungen, familiäre Beziehungen, Freundschaftsbeziehungen, nachbarschaftliche Beziehungen und noch vieles mehr.

 

Beziehungsbedürfnisse

Der amerikanische Therapeut und Author John Selby hat durch seine Arbeit acht grundlegende Bedürfnisse erkannt, die bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt vorhanden sind und durch Beziehungen befriedigt werden.

Vielleicht werden bei Dir einige dieser Bedürfnisse in bereits bestehenden Beziehungen befriedigt – andere jedoch sind unerfüllt. Ein Mensch, der sich einsam fühlt, hat in der Regel zu wenige Beziehungen, die seine Beziehungsbedürfnisse befriedigen. Und weil wir von Zuhause oft nichts anderes gelernt haben, als die familiären Beziehungen zwischen den Eltern sowie uns und den Eltern, versuchen die meisten von uns, Einsamkeit mit einer Liebesbeziehung zu kompensieren.

Doch das funktioniert häufig nicht – und das ist der Grund dafür:

 

Die 8 Beziehungsbedürfnisse sind

  • Die zum Überleben notwendigen Grundbedürfnisse (Nahrung, Wohnung, Kleidung) erfüllst Du in Beziehung zu Versorgern – oder brauchst Du dafür einen Partner?
  • Das Bedürfnis einer guten Beziehung im Beruflichen: ein guter Chef, ein Geschäftspartner, mit dem Du gut zurechtkommst, einen guten Kollegen oder eine Kollegin.
  • Das Verlangen nach Sex.
  • Das Bedürfnis nach Intimität und körperlicher Nähe (ja, das sind tatsächlich zwei unterschiedliche Dinge).
  • Der Wunsch nach einer Familie, familiärer Bindung und Halt.
  • Die Sehnsucht nach echter Freundschaft (Kameradschaft, das berühmte „durch Dick und Dünn gehen“)
  • Die Sehnsucht nach emotionaler Entwicklung: Hemmungen überwinden, Ängste ablegen – ein Freund oder eine Beziehung zu einer Vertrauensperson, bei der auch negative Emotionen akzeptiert sind.
  • Das Verlangen nach einem geistigen (spirituellen) Lehrer/ Freund – jemandem, der uns helfen kann, unser Bewusstsein und Verständnis von der Welt und den Menschen weiterzuentwickeln – oft ist das jemand, der älter und reifer ist, als wir selbst es sind.

Je unerfüllter diese Beziehungsbedürfnisse sind, desto mehr fühlt sich ein Mensch einsam und desto wichtiger wird für ihn die Partnersuche.

Doch ist es gerade dann besonders schwer, weil Du von einem potenziellen Partner so viel erwartest und so viele Sehnsüchte und Bedürfnisse in ihn projizierst, dass Dein Gegenüber schnell überfordert ist und das Weite sucht.

 

Hier ist der Punkt, wo aus Einsamkeit Bedürftigkeit entsteht

Und dann ist es genau diese Bedürftigkeit, die dafür sorgt, dass sich niemand findet, der die Bedürfnisse erfüllen mag. Schon alleine deshalb, weil es zu viele sind.

Ein Partner kann und sollte selbstverständlich mehrere dieser Bedürfnisse in einer Person erfüllen. Es ist sicher eher unüblich und nicht unbedingt empfehlenswert, wenn ein fester Partner zwar das Bedürfnis nach Intimität und Nähe mit Dir teilt, aber das Verlangen nach Sex bei einer anderen Person gestillt wird.

Wenn eine Partnerschaft jedoch fast alle Ansprüche und Beziehungsbedürfnisse erfüllen soll, ist das zu viel und erzeugt Druck statt Anziehung.

Eine Partnerschaft kann nicht das alleinige Lebensziel sein:

Niemand möchte mit jemandem zusammen sein, nur weil dieser Mensch einsam ist. Gibt es zu viele „Baustellen“ in Deinem Leben, macht es vielleicht sogar Sinn, das Thema Partnerschaft für ein paar Monate nach hinten zu stellen, bis Du andere Themen geklärt oder im Griff hast:

  • Vielleicht bist Du nicht glücklich mit Deiner Arbeit oder Du suchst noch nach einer Stelle?
  • Vielleicht gefällt Dir Deine Wohnsituation nicht?
  • Wie sieht es mit Deinem Verhältnis zu Deiner Familie aus?

Und eben: Wie sieht es mit Freunden und Bekannten, Kameraden, Beziehung zur emotionalen oder geistigen Entwicklung aus?

Wie tief sind Deine freundschaftlichen Beziehungen?

Spürst Du, dass Du geschätzt, geliebt und respektiert wirst von Menschen, die Dir ebenfalls am Herz liegen? Oder fühlst Du Dich einsam, sobald Du gewissen Tätigkeiten nicht mehr nachgehen kannst, bei denen Du „soziale Kontakte“ hast?

Hast Du Freunde, bei denen Du das Gefühl hast, dass Du wirklich „du selbst“ sein kannst? Oder schweigst Du oft, weil Du unsicher bist ob das, was Du denkst, bei Deinen Freunden gut ankommen würde?

Gibt es jemanden, dem Du Deine Sorgen und Ängste, aber auch Deine Träume und Sehnsüchte anvertrauen kannst?

Siehst Du Menschen, die Du magst, auch mal einfach so – oder folgen Deine Treffen nur festgelegten Daten und Ritualen (der Sport-Samstag, der Spiele-Abend, der Schwimm-Treff)?

Hast Du nur Freunde vom anderen oder nur vom selben Geschlecht, oder ist die Mischung vorhanden?

Soziale Beziehungen vertiefen

Dieser Gedanke macht manchen Menschen sogar Angst!

Angst

  • vor Ablehnung, wenn man sich wirklich „zeigt“
  • vor Verurteilung für die eigenen Gedanken
  • dem anderen zu nahe zu treten
  • selbst zu viel Nähe zuzulassen
  • enttäuscht zu werden

Das hat damit zu tun, dass wir es offenbar eben nicht gewöhnt sind, tiefere soziale Beziehungen zu haben, zu Menschen, mit denen wir eben keine „klassische Liebesbeziehung“ unterhalten.

Manchmal sogar noch schlimmeres: In vielen Familien haben selbst die Eltern miteinander keine Liebesbeziehung unterhalten. Vielen Menschen der älteren Generationen fehlt ein Partner oder Freund, bei dem sie beispielsweise negative Emotionen (ohne Schuldzuweisung) ausdrücken dürfen. Vielen Menschen fehlt echte Intimität oder Kameradschaft in der Partnerschaft. Genau deshalb kommt es dann in Beziehungen auch zu Streitigkeiten mit Schuldzuweisungen oder dem sogenannte „kalten Krieg“, wo die Partner zwar zusammen wohnen, aber sich nicht mehr als Liebespaar verstehen. In solchen Beziehungen fühlen sich Menschen übrigens besonders einsam, meist einsamer als allein.

Wie vertieft man eine Beziehung?

Vor der Corona-Krise riet ich in meinen Seminaren immer dazu, dass die Teilnehmer einen festen Wochentag bestimmen sollten, an dem sie beispielsweise einen „Spaghetti-Abend“ (oder wie auch immer Du ihn gestalten und nennen würdest) etablieren: Sie laden Menschen aus ihrem Umfeld zum Pasta-Essen ein. Eine Schüssel Nudel mit einer netten Soße ist schnell gemacht und kostet nicht die Welt.

Es ist einfach und möglich, unterschiedlichen Menschen aus dem Umfeld einfach anzubieten: „Hey, bei mir ist donnerstags immer Spaghetti-Abend, magst Du nicht nächste Woche dazu kommen?“ und mit diesen Worten sich einfach immer zwei bis vier Menschen einzuladen, mit denen man gerne die soziale Beziehung vertiefen möchte. Wo lässt es sich besser reden und kennenlernen, als bei einem Teller dampfender Pasta und vielleicht einem Glas Wein am Küchentisch?

Zwei Dinge, die soziale Beziehungen definitiv stärken und vertiefen und dabei gegen Einsamkeit helfen – egal ob persönlich oder am Telefon:

Echtes Interesse und Wertschätzung.

Interesse nicht nur daran, ob das jeweilige Gegenüber bereit sein könnte, die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen und wie man manipulieren muss, damit das wahrscheinlich wird… sondern wirkliches Interesse am Menschen. Der Mensch zu sein, der ebenfalls bereit ist, je nach Art der Beziehung, Halt, Intimität, Nähe, Kameradschaft, Vertrauen anzubieten.

Ruf Bekannte und Freunde an und frage sie, wie es ihnen geht („ich meine: wirklich!“) und schau mal, was sie Dir erzählen. Biete ihnen Mitgefühl an, statt Tipps. Zeige ihnen Anteilnahme anstatt Ratschläge zu geben. Und wenn Du Tipps oder Ratschläge geben möchtest, dann frag zuerst: „Kann ich Dir irgendwie helfen?“ (Das habe ich auch lange falsch gemacht – ich bin so gut im Tipps-geben… aber viel wichtiger ist Mitgefühl und einfach „da sein“.)

Sag Deinen Freunden, was Du an Ihnen schätzt – überfall sie nicht damit, aber lasse jemanden wissen, wenn Du ihn magst und wenn Du etwas an ihm bewunderst. Viele Menschen können damit im ersten Moment nur schwer umgehen (wir werden schließlich leider nur selten gelobt), aber es wird seine Wirkung auf lange Sicht entfalten.

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Was Du tun kannst, wenn Du nicht mehr einsam sein möchtest

Viele Menschen die einsam sind, sind es nicht deshalb, weil da niemand wäre, sondern weil sie niemanden an sich heranlassen. Wenn Du Einsamkeit beenden willst, wird es Zeit, dass Du das änderst.

Diese Vorgehensweise wird Dich auch stärken, wenn Du jemanden in Sachen Partnerschaft interessant findest: Das „Friendzone“ Phänomen taucht in der Regel nicht deshalb auf, weil Dein jeweiliges Gegenüber grundsätzlich keine erotische Beziehung will. Nein, er oder sie will nur keine erotische Beziehung mit Dir. Und das hat sehr oft damit zu tun, dass Du beispielsweise zu viel Einsamkeit und Bedürftigkeit ausstrahlst, zu wenig Sozialkompetenz hast (Dich beispielsweise nur anpassen, aber nie durchsetzen willst) oder kein echtes Interesse an Deinem Gegenüber zeigen kannst.

So verharrst Du immer in einer „belanglosen Oberflächlichkeit“, die keine echte Nähe und keine Intimität zulässt.

Wenn Du gelernt und geübt hast, aus sozialen Kontakten echte und tiefergehende Beziehungen zu entwickeln, wirst Du spüren, dass dies bereits einen Teil der Einsamkeit von Dir nimmt und damit auch bereits einen Teil der Bedürftigkeit. Du solltest nicht nach einer Partnerschaft streben, weil Du einsam bist – sondern weil Du viel zu bieten hast.

Und auch das wird Dir immer klarer, wenn Du echte, tiefe soziale Beziehungen eingehst.

Teile diesen Artikel gerne mit Deinen „sozialen Kontakten“ – vielleicht ist es ja eine Anregung?

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