Online-Dating hat in den letzten Jahren eine neue Dimension bekommen: Mobile Dating. Mit den sogenannten Dating-Apps kannst Du Deinen Traummann per Smartphone bzw. iPhone kennen lernen, einfach so. Soweit die Theorie. Doch wie ist die Praxis:

Was gibt es ?

Die bekanntesten Dienste sind Badoo, Lovoo und Tinder – daneben gibt’s noch Jaumo, Happn und auch die großen Online-Dating Plattformen bieten Apps für’s Handy an. Die meisten sind kostenlos, einige haben kostenpflichtige „Premium Features“.

Vorsicht!

Zunächst einmal: Wenn eine App komplett kostenfrei ist – wie verdient der Anbieter dann Geld?

Mach Dir klar, dass so eine App ein ziemlich teure und aufwändige Geschichte ist für den Entwickler. Jeder, der so etwas anbietet, möchte damit auf irgend eine Art Geld verdienen. In der Regel bezahlt der Kunde bei kostenlosen Diensten also mit seinen Daten.

Von einer Freundin, die kürzlich aus Spaß mal „Badoo“ ausprobiert hat, habe ich zwei Dinge gelernt:

  1. Kurz danach bekam sie haufenweise Spam auf die Emailadresse, die sie eigens dafür angelegt und nur dort angegeben hatte! Es wurde also offenbar ihre Emailaddresse verhökert.

  2. Auf der genannten App gab es haufenweise Männer, die Ihr in der zweiten – spätestens der dritten – Nachricht Bilder von ihren „Willies“ geschickt haben (oder direkt solche Bilder als Profilbild hatten). Ist also ziemlich eindeutig, worauf das „neue Leute treffen“ bei Badoo abzielt.

Einer der bekanntesten Dienste, der zumindest so dargestellt wird, als sei er „seriös“, ist Tinder – (zu deutsch: Zunder).

Wie funktioniert Tinder?

Tinder funktioniert nur in Verbindung mit Facebook und greift auf Deinen Vornamen, Profilbilder und auf Wunsch auch auf Interessen zurück, die Du bei Facebook eingestellt hast. Tinder postet nichts in Deinem Namen – niemand bei FB sieht also, dass Du „tinderst“. Dennoch gibst Du einem Anbieter Deine Daten frei – und damit auch Zugriff auf Deine Privatsphäre, Deine Interessen und Deine Freunde. Andererseits siehst Du dadurch auf Tinder Menschen, die so auch bei Facebook sind.

Die Vorteile:

An jedem Ort der Welt kannst Du einstellen, dass Du „mögliche Partner“ in einem bestimmten Alter und vor allem in einem bestimmten Umkreis um Dich herum angezeigt bekommst (wahlweise nur 1 KM oder bis zu 160 KM) – mit anderen Worten: Die Männer sind gegebenenfalls in diesem Moment in Deiner Nähe.

Kein Mann kann Dich anschreiben, wenn Du ihn nicht vorher „ausgewählt“ hast, denn Tinder funktioniert nach dem „Double Match Prinzip“:

  • Wisch nach rechts – oder Klick auf das Herz – heisst „den find ich gut“.
  • Wisch nach links – oder Klick auf das Kreuz – und der Typ ist raus.

Wenn Du ihn attraktiv findest und er Dich auch, könnt Ihr in Kontakt treten – sonst nicht. Das ist eigentlich ganz praktisch – es erspart einem die Emails von Männern, die man selbst nicht attraktiv findet und die einen in den Onlinedating-Portalen oft nerven.

Über die Interessen kann man eventuell schon Gemeinsamkeiten erkennen. Der kurze Profiltext ist manches Mal auch schon aussagekräftig genug um zu erahnen, ob man diesen Mann tatsächlich kennen lernen könnte – oder eben nicht.

Und natürlich: Es gibt weniger Willie-Fotos 😉

Das „Aber“:

Tinder macht seiner Wortbedeutung alle Ehre. Denn Zunder brennt leicht und schnell – aber eben nicht besonders lange. Und wie immer, wenn ein System sehr einfach ist, zieht es auch „einfache“ Menschen an bzw. bedient sehr einfache Bedürfnisse.

Kürzlich habe ich einen Blogartikel eines New Yorkers gelesen, der davon berichtete, dass er in einer Bar mit Freunden verabredet war und alle in der Bar ständig (!) auf ihre Telefone glotzten, weil sie im „Chat“ mit zig potentiellen „Kandidatinnen“ waren.  Der Freund des Autors hat sich noch am selben Abend mit zwei verschiedenen Frauen verabredet (eine um 10 und wenn die „nix ist“ dann die andere um 11 – und wenn es mit der ersten doch läuft, kann man ja der anderen noch kurzfristig absagen) – an die er sich allerdings beim nächsten Treffen ein paar Tage später beide nicht mehr erinnern konnte…

Die Möglichkeit, ständig und überall und zu jeder Zeit einen Match finden und treffen zu können, scheint süchtig zu machen. Das hat vermutlich vor allem mit der Tatsache zu tun, dass man(n) kein hohes Risiko spürt, einen Korb zu bekommen – denn wenn man von 500 möglichen Partnern 400 nach links und 100 nach rechts geschoben hat – aber von diesen 100 dann „nur“ von 40 ebenfalls auserwählt wurde, spürt man die „Ablehnung“ der anderen 60 gar nicht mehr…

Auch datenschutztechnisch gesehen ist es vermutlich nicht so ohne, dass so eine App immer weiss, wo Du gerade bist, was Du tust, wen Du gut findest und was Du sonst noch so magst.

Fassen wir also zusammen:

Mobile Dating ist schnell, noch schneller, noch einfacher – und noch oberflächlicher. Was nicht zwangsläufig heisst, dass es schlecht ist. Es zieht sehr viele einfache Menschen mit einfachen Bedürfnissen an – und ist daher genauso „Wühltisch-Dating“ wie es Online-Dating auch ist: Es kann was dabei sein, aber Du musst es finden.

Verabrede Dich schnell – beginne keine Brieffreundschaften – aber fühl dem Kerl vorher auf den Zahn. Wer länger keinen Sex hatte und unbedingt mal wieder flachgelegt werden möchte, ohne dass man stundenlang an einer Bar rumhängen und die Brüste unters Kinn schnall muss, der ist hier auf jeden Fall an der richtigen Stelle…

Und manch ein Mann ist durchaus bereit, sich auch dafür wirklich Mühe zu geben. Sehr geschmunzelt habe ich kürzlich über diesen Artikel hier auf Wunderweib: Für Tinder-Date: Mann schreibt 7-seitigen Aufsatz über seinen Penis

Eine kleine Auswahl an Anmachen, die Frauen in den USA auf Tinder bekommen, hat eine amerikanische Unterwäschefirma von den Mädels vor der Kamera vorlesen lassen. Ich bin ziemlich sicher, dass Du in Deutschland durchaus auch solche „netten“ Nachrichten bekommen kannst:

Hast Du selbst auch schon Erfahrungen mit Mobile Dating?

Erzähl uns davon!

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Neu: Der Nina Deißler Podcast

In meinem Podcast geht es um die Themen, die mich bewegen: Flirt, Dating, Partnerschaft, Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Männer, Frauen, 6 und Liebe.

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