„Warum habe ich das nur gemacht?“ oder „Wie konnte ich nur so blöd sein?“ – solche und ähnliche (rhetorischen) Fragen, stellen sich Menschen, die nach Trennungen merken, dass sie sich in der Beziehung verloren, verleugnet oder völlig verausgabt haben. Und das alles ohne das Ergebnis, dass sie sich erhofft hatten.

Natürlich höre ich im Coaching von Klienten oft ähnliche Dinge und genau hier kann man auch häufig sehr gut ansetzen, wenn es um den Aufbau von solidem und authentischem Selbstvertrauen geht.

Im November 2016 reiste ich nach Los Angeles, um dort unter anderem auch das „Museum of Broken Relationships“ (Das Museum der zerbrochenen Beziehungen) in Hollywood zu besuchen.

So viele Geschichten über Trennungen „auf einem Haufen“ sehr bzw. erfahre selbst ich sehr selten. Zum Glück. Doch gerade diese massive Ansammlung von Schicksalen zeigte mir, welche Muster sich auch häufiger wiederholen.

Hier ist ein kleines Video, das ich bei meinem Besuch gedreht habe:

Und wie versprochen habe ich auch Alexis Hyde, die Direktorin des Museum interviewt. Die beiden wichtigsten Antworten sind diese hier:

Zwei Fragen an das Museum of Broken Relationships

Alexis HydeNina: Was ist in Deinen Augen das absurdeste oder berührenste Ausstellungsstück des Museums?

Alexis: Ich kann nicht sagen, dass eines davon sehr absurd wäre, denn all diese Objekte waren wichtig und relevant für die Menschen, die sie uns gespendet haben. Welches mich am meisten berührt, kommt auf den Tag an. Diese Stücke sind wie gute abstrakte Malerei, die Dir spiegelt, was gerade für Dich wichtig ist – passend zu Deinen Erfahrungen und wo Du im Leben stehst oder was Du in Deinen eigenen Beziehung durchgemacht hast.

Nina: Was können Menschen von der Ausstellung lernen?

Alexis: Ich hoffe, dass Du lernst, dass wir alle gleich sind – egal welches Geschlecht, welchen Glauben, sozialen Status oder welche geographische Herkunft wir haben. Wir suchen alle nach einer zwischenmenschlichen Beziehung und in diesem Prozess scheitern wir alle einmal. Hoffentlich fühlen sich Menschen davon unterstützt und gestärkt, weil sie hier merken können, dass sie nicht alleine sind – dass es überall so ist.

Was ich im Museum über Beziehungen gelernt habe:

Was mir aufgefallen ist, dass während meiner zwei Besuche etwa 80 % der Besucher weiblich war. Ebenso wie bei den Spendern – als den Menschen, die Ausstellungsstücke und ihre Geschichte zur Verfügung gestellt hatten. Ich will nicht darüber urteilen oder spekulieren, wie das kommt – es war lediglich eine Beobachtung, dass deutlich mehr Frauen Interesse daran hatten – sowohl passiv als auch aktiv.

Viele Frauen beschrieben in ihren Geschichten, dass sie ihren Partner über eine lange Zeit unterstützt hätten.

Die Frau, die das Poster aus der Anfangsszene gespendet hat, schrieb, dass sie ihren Freund über Jahre finanziell unterstützt hatte und als er dann (u.a. mit diesem Poster) als Grafiker und Künstler erfolgreich wurde, hatte er sie verlassen. Und obwohl sie ihm bei diesem Poster ebenfalls sowohl inhaltlich als auch finanziell unterstützt hatte, wollte er ihr zunächst nicht einmal eines der Poster schenken.

Oder die Frau, die sich Brustimplantate einsetzen liess, weil ihrem Mann ihre Brüste zu klein waren – obwohl sie ständig Schmerzen und Komplikationen davon hatte. 

Das sind nur zwei exemplarische Geschichte von vielen, in denen Frauen sehr enttäuscht davon sind, dass sie „in einen Mann investiert“ oder „für ihren Mann gelitten“ hatten, und dieser sich so wenig dankbar zeigte.

Mir zeigten diese und einige andere Geschichten über Trennungen im Museum der zerbrochenen Beziehungen wie viele Menschen immer noch glauben, dass man sich Liebe (und ihre Erwiderung) verdienen könne und dass so eine Art Anrecht auf Glück gäbe, wenn man gemeinsam Unglück ausgehalten hat oder wenn man dem Partner in schlechten Zeiten half.

In der Liebe gibt es kein „Wenn-dann“ – es gibt immer nur ein „Jetzt“.

Die meisten der Geschichten, in denen es um große Enttäuschung ging, waren mit großen Erwartungen verbunden:
  • „Ich habe ihn finanziert….“
  • „Ich habe ihm immer geholfen…“
  • „Ich bin so oft ich konnte zu ihm / zu ihr gefahren…“
  • „Ich habe auf so viel verzichtet für unsere Beziehung…“
  • „Ich habe das nur für sie gemacht…“
  • „Ich habe so viel investiert…“
  • „Ich habe so viel ausgehalten…“

Und bei allen Trennungen galt: Je größer das „Opfer“, desto größer natürlich die Erwartung und desto größer dann die Enttäuschung. Klingt von außen eigentlich total logisch… doch es ist unser Kopf, der uns immer wieder austrickst, der uns sagt: Wenn Du richtig viel dafür tun musst, dann ist es auch richtig viel wert!

Ganz ehrlich: Das ist Quatsch.

Wenn Du mal in Los Angeles, Zagreb oder an einem anderen Ort bist, wo gerade ein Museum of Broken Relationships eröffnet hat: Schau auf die erbrachten Opfer und die damit zusammenhängende Erwartung – und Du wirst einen großen Zusammenhang mit der Enttäuschung und dem Liebeskummer feststellen.

Doch es lohnt sich auch davon abgesehen wirklich sehr – viele Geschichten sind auch tragisch und berührend (und ganz ohne „Eigenverschulden“). Andere sind fast schon lustig… Sehenswert ist es auf jeden Fall.

Museum of Broken Relationships
6751 Hollywood Boulevard
Los Angeles, CA 90028
Ein Bock östlich der Highland Avenue
Eintritt aktuell (November 2016): 15 USD

Urheberrecht:
Titelbild Bild von StockUnlimited
Bild von Alexis Hyde: (c) Alexis Hyde – Museum of Broken Relationships 2016

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