„Was ist Liebe überhaupt genau?“ –  gerade komme ich zurück vom Live-Workshop „Mission Liebe“, wo mir diese Frage gestellt wurde. Drei Tage lang habe ich mit 30  Menschen über die Liebe gesprochen, sie erfahrbar gemacht und erlebt. Höchste Zeit, endlich darüber zu schreiben:

Manchmal habe ich das Gefühl, wir sind von all den Hollywood-Filmen und Sitcoms schon so extrem geprägt, dass wir Liebe gar nicht mehr erkennen können – weil wir immer glauben, es muss vorher erst mal eine Verwechslungs-Story geben oder der andere muss erst arrogant oder abweisend oder vergeben sein, damit daraus eine Liebesgeschichte werden kann oder es muss tragisch enden, damit es auch wirklich echt ist… Aber all das hat mit Liebe selbst gar nichts zu tun. Und Liebe tut auch nicht weh – im Gegenteil!

Was ist Liebe?

Liebe ist ein Gefühl, eine Fähigkeit, eine Entscheidung und eine „Energie“:

Liebe ist zunächst einmal ein Gefühl – und das klingt zwar im ersten Moment sehr banal, ist aber wichtig, wenn Du der Antwort näher kommen möchtest: Ein Gefühl ist etwas, das in Dir passiert: Du spürst Deine Gefühle. Sie entstehen in Deinem Körper und werden von Dir in Dir erlebt. Was auch bedeutet: Niemand kann Deine Gefühle machen. Und auch niemand sonst kann Deine Gefühle fühlen. Nur Du fühlst Deine Gefühle.

Du fühlst nicht die Liebe eines anderen Menschen:

Wenn ein anderer Mensch Dich liebt, fühlt er Liebe zu Dir. Wenn Du einen anderen Menschen liebst, fühlst Du Liebe zu ihm. Du fühlst Dein Gefühl in Dir zu dem, was jemand für Dich darstellt, Dir zeigt, sagt oder tut.

Warum ist es so wichtig, das zu betonen?

Weil wir, wenn es um Liebe geht, das mit dem Fühlen oft durcheinander bringen:

Vielleicht empfindest Du das, was der andere tut, als liebevoll. Vielleicht aber auch nicht! Du könntest die Taten und Worte eines anderen Menschen genau so auch albern, kitschig, übergriffig, nervig empfinden – selbst wenn dieser Mensch „aus Liebe“ handelt. Du könntest auf das, was er Dir zeigt oder sagt mit einem liebevollen Gefühl in Dir reagieren – oder eben gerade nicht.

Dein Gegenüber kann Deine Aussagen und Aktionen als Zeichen der Liebe verstehen und selbst auch Liebe empfinden – oder eben auch gerade nicht. Und das hat damit zu tun, ob das, was ein anderer tut, zu dem passt, was wir erwarten und wollen. Verhält sich ein Mensch, den Du begehrenswert findest, auf eine Art, die Du als „liebevoll“ empfindest, dann wirst Du vermutlich selbst auch liebevolle Gefühle fühlen. Doch Du selbst entscheidest, ob und was Du fühlst.

Denn Du fühlst Deine Gefühle – nicht seine. Natürlich können wir versuchen, die Gefühle eines anderen Menschen nachzuempfinden – aber wir werden niemals genau wissen, wie sich etwas bei (bzw. in) jemand anderem anfühlt.

Liebe ist also erst mal ein Wort, das einen bestimmten Zustand beschreiben soll, den man fühlt.

Wenn wir uns also die Frage „Was ist Liebe?“ stellen, dann können wir das vermutlich nur für uns selbst beantworten: Liebe fühlt sich vermutlich für jeden Menschen etwas anders an. Deshalb kann man die Frage „Was ist Liebe?“ eigentlich gar nicht ganz zuverlässig beantworten.

Du kannst der Antwort allerdings näher kommen durch die Frage: „Was ist Liebe nicht?“ Denn es gibt eine Menge Dinge, die Menschen tun und die irgendwie im Zusammenhang mit Liebe passieren – aber leider überhaupt nichts mit Liebe zu tun haben:

Was Liebe nicht ist

  • Es ist nicht Liebe, wenn Du versuchst, jemand anderen dazu zu bringen, dass er sich so verhält, wie Du es gerne hättest oder wie Du es für richtig hältst. (Auch wenn das aus Deiner Sicht noch so gut für diesen Menschen wäre)
  • Es ist nicht Liebe, wenn Du dauernd Angst hast, dass er andere Dich verlässt und Du diesem Menschen ständig schlechte Gefühle einredest weil Du eifersüchtig bist
  • Es ist nicht Liebe, wenn Du versuchst, jemanden dazu zu bringen, dass er mit Dir zusammen ist, obwohl er gar nicht will
  • Es ist nicht Liebe, wenn Du versuchst, jemand zu werden, der „gut genug“ oder passend für jemanden ist – obwohl Du eigentlich gar nicht so bist oder sein willst.
  • Es ist nicht Liebe, wenn Du ständig Angst hast, dass Du Deinen Partner wieder „verlieren“ könntest
  • Es ist nicht Liebe, wenn Du jemand anderem sagst, was er tun oder lassen muss, wenn er Dich liebt oder Du ihn
  • Es ist nicht Liebe, wenn Du ständig das Gefühl hast, dass Dein Partner sich ändern müsste – und es ist genauso wenig Liebe, wenn Dein Partner Dir ständig sagt, dass Du Dich ändern müsstest.

 

Gerade das Thema „Verlustangst“ im Zusammenhang mit Liebe ist ein echter Liebeskiller:

Angst, den Partner zu verlieren

Ein weiteres Missverständnis ist die Verwechslung von Liebe und Beziehung:

Liebe und Partnerschaft sind nicht dasselbe

Oft, wenn ich Menschen frage „Was ist Liebe für Dich?“ geht es um Beziehung.

Kein Wunder! Wir verwechseln wir die Begriffe Liebe, Partnerschaft und Beziehung häufig, weil sie oft falsch verwendet werden:

  • Liebe ist ein Gefühl (uns noch etwas mehr). Dein Gefühl. In Dir.
  • Beziehung ist eine Situation zwischen Dir und jemand anderem. Beziehungen hast Du mit allen Menschen um Dich herum.
  • Eine Partnerschaft ist eine Beziehung, die von dem Gefühl der Liebe geprägt ist.

Um in einer Partnerschaft zu sein, musst Du Deinen Partner auch als solchen behandeln:

Ein Partner – gleichwertig – auf Augenhöhe. Ihr „spielt im gleichen Team“ und wollt das Beste füreinander und miteinander.

Mein Mann und ich bezeichnen und gerne als „Komplizen“. Mein Mann ist mein Komplize – er unterstützt mich bei meinen Vorhaben, ist an meiner Seite um die guten Dinge des Lebens mit zu teilen und zu genießen, inspiriert mich und schmiedet Pläne mit mir. Er spielt im selben Team wie ich. Er will mein Bestes und ich seins.

Und machmal ist „das Beste“ für den anderen auch etwas, an dem man selbst nicht beteiligt ist: Liebt man seinen Partner, gönnt man ihm alles. Und am Ende gewinnt man so mehr Freiheit, mehr Freude und mehr Stärke. Genau das macht eine echte, liebevolle Partnerschaft aus – wie heisst es so schön: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“.

Was ist Liebe? Was ist Beziehung?

Wenn Liebe und Beziehung sich miteinander vereinen, dann entsteht genau das, wonach wir uns alles sehnen und was vermutlich auch Du mit der Frage nach „Was ist Liebe“ wirklich gesucht hast: Dass Du mit einem Partner in Liebe verbunden bist und Ihr beide damit stärker, freier und besser seid, als alleine.

Und das ist der Moment, wo Liebe mehr wird, als nur ein Gefühl:

Damit aus einer ersten Verliebtheit wirklich Liebe werden kann, braucht es auch Commitment – „sich wirklich einlassen wollen“. Es braucht Güte, Geduld und Verständnis – aber auch die Fähigkeit, sich abzugrenzen und sich selbst nicht aufzugeben. Es braucht „Teamwork“: Es muss wichtiger sein, mit dem Partner zu wachsen und ein Team zu sein, als „Recht zu haben“.

Deshalb ist Liebe mehr als nur ein Gefühl – Liebe ist auch eine Fähigkeit und eine Entscheidung.

Was, wenn Dein Partner irgendwann nicht mehr „in Deinem Team“ sein möchte?

Natürlich ist das traurig. Es tut weh. Es ist enttäuschend. Das fühlt sich furchtbar an. Es gibt sogar Menschen, die trennen sich, obwohl sie sich lieben. Sie sagen: Sie lieben sich – aber das reicht nicht. Manchmal stimmt das sogar: Wir fühlen uns magisch von jemandem angezogen – doch der Lebensstil, die Bedürfnisse und Ziele passen einfach nicht zusammen. Da ist etwas zwischen uns und wir gönnen dem anderen alles – aber eine Beziehung funktioniert einfach nicht.

Jemanden zu lieben muss nicht automatisch bedeuten, mit diesem Menschen auch eine Beziehung zu führen. Denn „Ich liebe Dich“ bedeutet nicht: „Du musst bei mir bleiben und das tun, was ich brauche – auch wenn Du gar nicht willst“? Das wäre ziemlich daneben – und hat weder etwas mit Partnerschaft, noch mit Liebe zu tun, oder?

Sag nie „Ich liebe Dich“, wenn Du in Wahrheit etwas ganz anderes meinst.

Wahrscheinlich hast Du jetzt auch mit dem Kopf geschüttelt – und doch passiert so etwas in Ansätzen immer wieder: Wenn wir uns fragen „Was ist Liebe?“, dann fragt man sich in Wahrheit manchmal: „Was muss ich tun, damit der andere sich mir gegenüber so verhält, wie ich es brauche (auch wenn er vielleicht gar nicht will)?“

Zum Beispiel:

  • Wie kann ich dafür sorgen, dass der andere mit mir zusammen sein will?
  • Wie kann ich dafür sorgen, dass der andere seinen Partner verlässt?
  • Was kann ich tun, damit der andere mir mehr Sicherheit, mehr Geborgenheit, mehr Exklusivität zuspricht?

Aber genau das hat mit Liebe eben überhaupt nichts zu tun.

Was ist Liebe?

Früher habe ich gedacht, Liebe bedeutet, dass ich will, dass es dem anderen gut geht – doch was, wenn mein Partner eben gerade eine Phase hat, wo es ihm nicht so gut geht? Und wenn diese Phase vielleicht sogar wichtig ist für ihn? Wenn ich dann glaube, es ist Liebe, wenn ich will, dass es dem anderen gut geht, dann kann das auch ganz schön schief gehen… Es kann dazu führen, dass ich an meinem Partner herum manipuliere und darüber völlig das Gefühl von Liebe vergesse.

Für mich hat Liebe daher inzwischen den Aspekt, dass ich mein Gegenüber „annehme“ – auch wenn mir das in bestimmten Situationen nicht so gut gefällt oder schwer fällt, weil der andere eben gerade nicht genau so ist, wie ich es gerne hätte oder wie ich es „richtig“ fände.

  • Liebe ist, dass ich meinem Gegenüber das Beste gönne – selbst wenn es mal nichts mit mir zu tun hat.
  • Liebe ist, dass ich mein Gegenüber respektiere – dass ich seine Art, seinen Geschmack, seinen Charakter, seinen Weg, seine Vergangenheit, seine Wünsche und Bedürfnisse akzeptiere und respektiere. Das heisst nicht, dass ich sie erfüllen, verändern, rechtfertigen oder ertragen muss, wenn ich nicht will.
  • Liebe ist auch Commitment: dass ich zu diesem Menschen stehe, ja sage zu ihm und ihm Mut mache. Das heisst nicht, dass ich mich selbst dafür verleugne, klein mache oder für ihn lüge.
  • Liebe bedeutet, dass ich meinen Partner akzeptiere und ihn als gleichwertigen, freien Menschen betrachte, der mit mir in einer Beziehung steht, die – wenn alles gut geht – eine Partnerschaft ist, die so lange bestehen wird, wie sie für beide geprägt ist von Vertrauen, Wachstum, Zuneigung, Akzeptanz, Anziehung…

 

Was ist Selbstliebe?

Selbstliebe bedeutet, dass ich all das, was ich für diesen Partner tun würde, auch für mich tue. Wenn ich es für einen anderen tun würde – und wenn ich erwarte, dass ein anderer – ein eigenständiger, freier Mensch das für mich tun würde, wenn er sagt „Ich liebe Dich“, dann ist es doch an sich gar nicht so viel verlangt, wenn ich das für mich auch tue:

  • Dass ich mich annehme, auch wenn mir das in bestimmten Situationen schwer fällt, weil ich gerade nicht so bin, wie ich es gerne hätte oder wie ich es richtig fände.
  • Dass ich mir das Beste gönne.
  • Dass ich mich respektiere – meine Art, meinen Geschmack, meinen Charakter, meinen Weg, meine Vergangenheit. Dass ich meine Wünsche und Bedürfnisse respektiere und akzeptiere – auch wenn ich sie nicht immer erfüllen kann.
  • Dass ich zu mir stehe, ja sage zu mir und mir Mut  mache.
  • Dass ich mich als gleichwertigen, freien Menschen betrachte und mir vertraue, nach Wachstum strebe, mir Zuneigung und Akzeptanz zeige.

Warum sollte ich das nicht tun? Es wäre ja gar nicht so schwer… ich bin ja immer da. Deshalb ist Liebe kein Zufall! Liebe entsteht unter anderem dadurch, dass ich Nähe zulasse und dass ich mich selbst für „gut genug“ befinden kann. Denn die Liebe fragt nicht nach „Qualifikation“ – sie ist ein Gefühl. Wenn Du mehr darüber wissen möchtest, schau mal hier nach dem nächsten Termin >>>> Was denkst Du? Was ist Liebe für Dich?

 

Foto: Depositphotos.com

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