„Was ist Liebe überhaupt genau?“ –  gerade komme ich zurück von meinem Seminar „Die Liebe finden“, wo mir diese Frage gestellt wurde. Drei Tage lang habe ich mit 24 Menschen über die Liebe gesprochen, sie erfahrbar gemacht und erlebt. Und da fällt mir auf, dass ich tatsächlich noch nie konkret darüber gebloggt habe:

Was ist Liebe?

Liebe ist zunächst einmal ein Gefühl – und das klingt zwar im ersten Moment sehr banal, ist aber wichtig, wenn Du der Antwort auf die Frage „Was ist Liebe?“ näher kommen möchtest:

Ein Gefühl ist etwas, das in Dir passiert: Du spürst Deine Gefühle. Sie entstehen in Deinem Körper und werden von Dir in Dir erlebt.

Was auch bedeutet:

Niemand kann Deine Gefühle machen.

Und auch niemand sonst kann Deine Gefühle fühlen.

Nur Du fühlst Deine Gefühle.

Du fühlst nicht die Liebe eines anderen Menschen:

Wenn ein anderer Mensch Dich liebt, fühlt er Liebe zu Dir. Wenn Du einen anderen Menschen liebst, fühlst Du Liebe zu ihm.

Du fühlst Dein Gefühl in Dir zu dem, was jemand für Dich darstellt, Dir zeigt, sagt oder tut.

 

Warum ist es so wichtig, das zu betonen?

Weil wir, wenn es um Liebe geht, das mit dem Fühlen oft durcheinander bringen: Vielleicht empfindest Du das, was der andere tut, als liebevoll. Vielleicht aber auch nicht – Du könntest die Taten und Worte eines anderen Menschen genau so auch albern, kitschig, übergriffig, nervig empfinden – selbst wenn dieser Mensch „aus Liebe“ handelt.

Du könntest auf das, was er Dir zeigt oder sagt mit einem liebevollen Gefühl in Dir reagieren – oder eben gerade nicht.

Und Dein Gegenüber wiederum kann Deine Aussagen und Aktionen als Zeichen der Liebe verstehen und selbst auch Liebe empfinden – oder eben auch gerade nicht.

Und das hat damit zu tun, ob das, was ein anderer tut zu dem passt, was wir erwarten und wollen. Verhält sich ein Mensch, den Du begehrenswert findest, auch eine Art und Weise, die Du als „liebevoll“ empfindest, dann wirst Du vermutlich selbst auch liebevolle Gefühle fühlen. Doch du selbst entscheidest, ob und was Du fühlst. Du fühlst Deine Gefühle – nicht seine.

Natürlich können wir versuchen, die Gefühle eines anderen Menschen nachzuempfinden – aber wir werden niemals genau wissen, wie sich etwas bei (bzw. in) jemand anderem anfühlt.

Liebe ist also erst mal ein Wort, das einen bestimmten Zustand beschreiben soll, den man fühlt.

Wenn wir uns also die Frage „Was ist Liebe?“ stellen, dann können wir das vermutlich nur für uns selbst beantworten:

Liebe fühlt sich vermutlich für jeden Menschen etwas anders an. Deshalb kann man die Frage „Was ist Liebe?“ eigentlich gar nicht ganz zuverlässig beantworten.

Wie sich ein Gefühl anfühlt, kann ja niemand wirklich zur Gänze nachvollziehbar in Worten beschreiben. 

Was genau Liebe ist, hat sehr viel damit zu tun, was Du in Deinem Leben erfahren, erlebt und gelernt hast, im Zusammenhang mit Liebe. 

Du schaust Dir zum Beispiel Deine Eltern an – und gehst davon aus: „Das hat was mit Liebe zu tun!“ Wie sie miteinander umgehen und wie sie mit Dir umgehen, prägt das, was Du in Deinem Leben später mit Liebe in Verbindung bringst.

Doch genau hier lauert das erste Missverständnis – nämlich die Frage: Was ist Liebe und was ist einfach nur „menschliches Verhalten“ (oder gar Versagen) und die für andere sichtbaren Auswirkungen auf die Beziehung von zwei Menschen. Aber dazu später mehr. 

Genau deshalb gibt es ja auch Menschen, die allein vor dem Wort schon zurückschrecken. Sie haben vielleicht Dinge erlebt, die in Zusammenhang mit dem Ausdruck „Liebe“ standen bzw. für sie eine Verknüpfung haben, die mit Liebe an sich gar nichts zu tun haben muss. 

Du kannst der Antwort allerdings näher kommen durch die Frage: „Was ist Liebe nicht?“

Denn es gibt eine Menge Dinge, die Menschen tun und die irgendwie im Zusammenhang mit Liebe passieren – aber leider überhaupt nichts mit Liebe zu tun haben:

Was Liebe nicht ist

  • Es ist nicht Liebe, wenn Du versuchst, jemand anderen dazu zu bringen, dass er sich so verhält, wie Du es gerne hättest oder wie Du es für richtig hältst. (Auch wenn das aus Deiner Sicht noch so gut für diesen Menschen wäre)
  • Es ist nicht Liebe, wenn Du dauernd Angst hast, dass er andere Dich verlässt und Du diesem Menschen ständig schlechte Gefühle einredest weil Du eifersüchtig bist
  • Es ist nicht Liebe, wenn Du versuchst, jemanden dazu zu bringen, dass er mit Dir zusammen ist, obwohl er gar nicht will
  • Es ist nicht Liebe, wenn Du versuchst, jemand zu werden, der „gut genug“ oder passend für jemanden ist – obwohl Du eigentlich gar nicht so bist oder sein willst.
  • Es ist nicht Liebe, wenn Du ständig Angst hast, dass Du Deinen Partner wieder „verlieren“ könntest
  • Es ist nicht Liebe, wenn Du jemand anderem sagst, was er tun oder lassen muss, wenn er Dich liebt oder Du ihn
  • Es ist nicht Liebe, wenn Du ständig das Gefühl hast, dass Dein Partner sich ändern müsste – und es ist genauso wenig Liebe, wenn Dein Partner Dir ständig sagt, dass Du Dich ändern müsstest.

Gerade das Thema „Verlustangst“ im Zusammenhang mit Liebe ist ein echter Liebeskiller.

Warum Du einen Partner nicht verlieren kannst

Im Seminar fiel ein paar mal der Begriff „Verlustangst“ im Zusammenhang mit Partnerschaft und Liebe. Und natürlich verstehe ich durchaus, was damit gemeint ist und wie sich das in etwa anfühlt. Es hat jedoch mit Liebe nichts zu tun:

Verlustangst beruht fast immer auf einer Kindheitserfahrung:

Wer als Kind ein traumatisches Erlebnis hatte, wo er befürchten musste, von den Eltern im Stich gelassen oder verlassen zu werden – oder sogar tatsächlich verlassen wurde – der hat als Erwachsener oft übermäßige Angst davor, vom Partner verlassen zu werden… und nennt das Verlustangst.

Du kannst allerdings einen Partner nicht verlieren: Verlieren kann man nur, was einem gehört und ein Partner gehört Dir nicht: Ein Partner ist ein freier Mensch mit einem eigenen Leben und einem eigenen Willen. Ein anderer Mensch wird so lange Dein Partner bleiben, wie er glaubt, dass es für ihn gut, hilfreich, schön und nützlich (mit anderen Worten „gewinnbringend“) ist und er in sich das Gefühl von Liebe empfinden kann, wenn er mit Dir zusammen ist.

Wenn ein anderer, erwachsener Mensch – mit einem eigenen, freien Willen und einem eigenen Leben – der Meinung ist, dass es für ihn nicht mehr gut ist, mit Dir zusammen zu bleiben, dann ist das traurig, doch es sind seine Gefühle. Seine Bedürfnisse. Sein Leben. Du willst nicht, dass jemand sein Leben mit Dir verbringt, der gar nicht bei Dir sein möchte.

Du bist ebenfalls ein erwachsener Mensch mit einem eigenen Leben und einem eigenen, freien Willen.

Wenn Du als Kind von Deinen Eltern im Stich gelassen wurdest, dann ist das schlimm und traurig. Für ein Kind ist es traumatisch, wenn so etwas passiert. Die Angst und das schlechte Gefühl, das damit einhergeht, ist real und es ist auch der Tatsache geschuldet, dass Du als Kind auf Deine Eltern angewiesen bist und eine enge Bindung hast – schließlich bist Du in gewisser Weise ein Teil von ihnen.

Dein Partner allerdings ist ein eigener, erwachsener, selbständiger Mensch. Wie Du heute.

Er ist nicht Deine Mutter oder Dein Vater.

Du bist nicht auf ihn angewiesen, um zu überleben.

Er ist nicht auf der Welt, um sich um Dich zu kümmern.

Er hat nicht die Aufgabe, immer für Dich da zu sein und Dir all das zu geben, was Du von Deinen Eltern nicht oder zu wenig bekommen hast.

Gerade wenn Du in dieses Muster fällst – wenn Du von Deinem Partner erwartest, dass er sich verhalten soll, wie Du es Dir von Deinen Eltern (oder Deiner Mutter, Deinem Vater) gewünscht hättest, ist dies die sicherste Methode, ihn damit loszuwerden. Denn genau das ist der Moment, wo Du von der Liebe in die Angst und in das Besitzergreifen wechselst.

Die Verlustangst, die Du auf ihn projizierst, hat nichts mit ihm und schon gar nichts mit Liebe zu tun, sondern mit einem kindlichen Trauma. Und Du glaubst unbewusst, wenn Dein Partner Dir gehört und Du ganz, ganz sicher sein kannst, dass er Dich niemals verlassen wird, dann wird es Dir besser gehen. Aber das ist leider ein Trugschluss. Und es ist keine Liebe.

Dein Partner gehört Dir nicht – wenn Du sie/ihn lieben möchtest, dann liebe – aber erwarte nicht die Befriedigung all Deiner Bedürfnisse entgegen der Bedürfnisse des anderen.

 

Ein weiteres Missverständnis ist die Verwechslung von Liebe und Beziehung:

Liebe und Partnerschaft sind zwei Paar Schuhe

Sehr häufig verwechseln wir die Begriffe Liebe, Partnerschaft und Beziehung:

  • Liebe ist ein Gefühl. Dein Gefühl. In Dir.
  • Beziehung ist eine Situation zwischen Dir und jemand anderem. Beziehungen hast Du mit allen Menschen um Dich herum.
  • Eine Partnerschaft ist eine Beziehung, die von dem Gefühl der Liebe geprägt ist.

Um in einer Partnerschaft zu sein, musst Du Deinen Partner auch als solchen behandeln: Ein Partner – gleichwertig – auf Augenhöhe. Ihr „spielt im gleichen Team“ und wollt das Beste füreinander und miteinander.

Mein Mann und ich bezeichnen und gerne als „Komplizen“. Mein Mann ist mein Komplize – er unterstützt mich bei meinen Vorhaben, ist an meiner Seite um die guten Dinge des Lebens mit zu teilen und zu genießen, inspiriert mich und schmiedet Pläne mit mir. Er spielt im selben Team wie ich. Er will mein Bestes und ich seins. Und machmal ist „das Beste“ für den anderen auch etwas, an dem man selbst nicht beteiligt ist. Liebt man seinen Partner, gönnt man ihm alles. Und am Ende gewinnt man so mehr Freiheit, mehr Freude und mehr Stärke.

Genau das macht eine echte, liebevolle Partnerschaft aus – wie heisst es so schön: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“.

Was ist Liebe? Was ist Beziehung? Wenn Liebe und Beziehung sich miteinander vereinen, dann entsteht genau das, wonach wir uns alles sehnen und was vermutlich auch Du mit der Frage nach „Was ist Liebe“ wirklich gesucht hast: Dass Du mit einem Partner in Liebe verbunden bist und Ihr beide damit stärker, freier und besser seid, als alleine.

Was, wenn Dein Partner irgendwann nicht mehr „in Deinem Team“ sein möchte?

Natürlich ist das traurig. Es tut weh. Es ist enttäuschend. Das fühlt sich furchtbar an.

Es gibt sogar Menschen, die trennen sich, obwohl sie sich lieben. Sie sagen: Sie lieben sich – aber das reicht nicht.

Manchmal stimmt das sogar: Wir fühlen uns magisch von jemandem angezogen – doch der Lebensstil, die Bedürfnisse und Ziele passen einfach nicht zusammen. Da ist etwas zwischen uns und wir gönnen dem anderen alles – aber eine Beziehung funktioniert einfach nicht.

Jemanden zu lieben muss nicht automatisch bedeuten, mit diesem Menschen auch eine Beziehung zu führen.

Denn „Ich liebe Dich“ bedeutet nicht: „Du musst bei mir bleiben und das tun, was ich brauche – auch wenn Du gar nicht willst“? Das wäre ziemlich daneben – und hat weder etwas mit Partnerschaft, noch mit Liebe zu tun, oder?

Sag nie „Ich liebe Dich“, wenn Du in Wahrheit etwas ganz anderes meinst.

Wahrscheinlich hast Du jetzt auch mit dem Kopf geschüttelt – und doch passiert so etwas in Ansätzen immer wieder: Wenn wir uns fragen „Was ist Liebe?“, dann fragt man sich in Wahrheit manchmal:

Was muss ich tun, damit der andere sich mir gegenüber so verhält, wie ich es brauche (auch wenn er vielleicht gar nicht will)?

Zum Beispiel: Wie kann ich dafür sorgen, dass der andere mit mir zusammen sein will? Wie kann ich dafür sorgen, dass der andere seinen Partner verlässt? Was kann ich tun, damit der andere mir mehr Sicherheit, mehr Geborgenheit, mehr Exklusivität zuspricht?

Aber genau das hat mit Liebe eben überhaupt nichts zu tun.

Was ist Liebe?

Früher habe ich gedacht, Liebe bedeutet, dass ich will, dass es dem anderen gut geht – doch was, wenn mein Partner eben gerade eine Phase hat, wo es ihm nicht so gut geht? Und wenn diese Phase vielleicht sogar wichtig ist für ihn?

Wenn ich dann glaube, es ist Liebe, wenn ich will, dass es dem anderen gut geht, dann kann das auch ganz schön schief gehen… Es kann dazu führen, dass ich an meinem Partner herum manipuliere und darüber völlig das Gefühl von Liebe vergesse.

Für mich hat Liebe daher inzwischen den Aspekt, dass ich mein Gegenüber „annehme“ – auch wenn mir das in bestimmten Situationen nicht so gut gefällt oder schwer fällt, weil der andere eben gerade nicht genau so ist, wie ich es gerne hätte oder wie ich es „richtig“ fände.

Liebe ist, dass ich meinem Gegenüber das Beste gönne – selbst wenn es mal nichts mit mir zu tun hat.

Liebe ist, dass ich mein Gegenüber respektiere – dass ich seine Art, seinen Geschmack, seinen Charakter, seinen Weg, seine Vergangenheit, seine Wünsche und Bedürfnisse akzeptiere und respektiere. Das heisst nicht, dass ich sie erfüllen, verändern, rechtfertigen oder ertragen muss, wenn ich nicht will.

Liebe ist auch Commitment: dass ich zu diesem Menschen stehe, ja sage zu ihm und ihm Mut mache. Das heisst nicht, dass ich mich selbst dafür verleugne, klein mache oder für ihn lüge.

Liebe bedeutet, dass ich meinen Partner akzeptiere und ihn als gleichwertigen, freien Menschen betrachte, der mit mir in einer Beziehung steht, die – wenn alles gut geht – eine Partnerschaft ist, die so lange bestehen wird, wie sie für beide geprägt ist von Vertrauen, Wachstum, Zuneigung, Akzeptanz, Anziehung…

Was ist Selbstliebe?

Selbstliebe bedeutet, dass ich all das, was ich für diesen Partner tun würde, auch für mich tue.

Wenn ich es für einen anderen tun würde – und wenn ich erwarte, dass ein anderer – ein eigenständiger, freier Mensch das für mich tun würde, wenn er sagt „Ich liebe Dich“, dann ist es doch an sich gar nicht so viel verlangt, wenn ich das für mich auch tue:

  • Dass ich mich annehme, auch wenn mir das in bestimmten Situationen schwer fällt, weil ich gerade nicht so bin, wie ich es gerne hätte oder wie ich es richtig fände.
  • Dass ich mir das Beste gönne.
  • Dass ich mich respektiere – meine Art, meinen Geschmack, meinen Charakter, meinen Weg, meine Vergangenheit. Dass ich meine Wünsche und Bedürfnisse respektiere und akzeptiere – auch wenn ich sie nicht immer erfüllen kann.
  • Dass ich zu mir stehe, ja sage zu mir und mir Mut  mache.
  • Dass ich mich als gleichwertigen, freien Menschen betrachte und mir vertraue, nach Wachstum strebe, mir Zuneigung und Akzeptanz zeige.

Warum sollte ich das nicht tun? Es wäre ja gar nicht so schwer… ich bin ja immer da.

Deshalb ist Liebe kein Zufall!

Liebe entsteht unter anderem dadurch, dass ich Nähe zulasse und dass ich mich selbst für „gut genug“ befinden kann. Denn die Liebe fragt nicht nach „Qualifikation“ – sie ist ein Gefühl. Wenn Du mehr darüber wissen möchtest, schau mal hier nach dem nächsten Termin >>>>

Was denkst Du? Was ist Liebe für Dich?

Foto: Depositphotos.com

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