„Zeit ist Geld“ – kennst Du diesen Spruch?

Aber stimmt der? Ich würde Dich lieber etwas anderes fragen! Ich würde Dich gerne fragen:

Wie gut bist Du?

Fragst Du Dich das manchmal?

Ich frage Dich heute mal – aber vermutlich anders, als Du denkst:

Wie gut bist Du… darin, Dich beschäftigt zu halten?

Versteh mich nicht falsch: An sich ist nichts Schlechtes dabei, sich mit den verschiedensten Dingen zu beschäftigen – im Gegenteil. Aber die interessante Frage ist doch: Wie viel von dem, womit Du Dich den ganzen Tag so beschäftigst, hat tatsächlich mit Dir zu tun?

Ich glaube, gerade aktuell merken wir das ganz besonders:

Jetzt, wo wir gerade viele Dinge nicht tun können, merken wir, mit vielen Dingen wir uns beschäftigt halten.

 

Wie war Dein Tag heute?

Stress bei der Arbeit? Auf der Fahrt ein bisschen abgeschaltet? Musik gehört, Nachrichten gelesen, die Facebook-Timeline gecheckt… geschaut, was die anderen so machen?

Und nach Feierabend – wirklich abgeschaltet oder immer noch über das ein oder andere Thema oder Problem gegrübelt? Abends noch ein bisschen Internet? Schauen was es neues gibt – bei Facebook, twitter, Instagram, Spiegel online, Parship, Elitepartner, Finya oder Datingcafe… Fernsehen und Nachrichten: Krieg, Bedrohung, kritische Finanzmärkte, Lebensmittelskandale, gesunkene Fähren in Indien, Hochwasser, Hurrikane, Aufstände, Corona… oder Netflix?

Dann noch mal kurz Mails checken und ab ins Bett.

Wo findet „Zeit ist Geld“ hier tatsächlich Anwendung?

Hast Du bei all diesen Dingen eigentlich auch mal an Dich gedacht?

Hast Du an etwas gedacht, das Dich wirklich betrifft:

An Deine Träume? Deine Ziele? Deine Wünsche, Hoffnungen, Pläne, Ideen? An das, was Dir gut tut, Dich glücklich macht, die Zufriedenheit und Inspiration schenkt?

Kennst Du sie eigentlich noch – Deine Träume?

Hältst Du ab und zu mal inne und überlegst Dir, was Du überhaupt willst vom Leben und ob Du auf dem „richtigen Weg“ bist?

Was hat das alles mit Dir zu tun gehabt heute?

 

Das ändert sich nicht

Ich hatte mal einen Freund – na sagen wir, einen guten Bekannten, der lebte auch lange nach der Devise „Zeit ist Geld“: Wenn ich ihn treffen wollte, dann musste ich die Termine schon so legen, dass wir uns da treffen konnten, wo er gerade arbeitete. Wenn ich zufällig in einer Stadt war, wo er war, dann konnte ich ihn mal abends vom Hotel abholen und mit ihm essen gehen. Wenn ich ihn zu mir einlud – zu Geburtstagen oder Festen, dann sagte er immer kurz vorher ab: „Sorry, total viel zu tun gerade“. Immer.

Eines Tages im Dezember sagte er zu mir: „Naja, ich weiss ja auch, dass ich mein Privatleben zu sehr vernachlässige. Und ich weiss, was Du jetzt sagen wirst – solange ich das tue, brauche ich mich nicht wundern, dass ich keine Familie haben werde. Ich hoffe ja, dass sich das nächstes Jahr vielleicht mal ändert.“ Ich antwortete ihm: „Das wird sich nicht ändern, wenn Du es nicht änderst. Du bist der Einzige, der das ändern kann – es wird sich nicht durch Zauberei von alleine ändern.“

Ich sagte ihm, er könne mich gern anrufen, wenn er es geändert hätte und wir uns mal treffen wollen. Das war vor knapp drei Jahren. Seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört…

Was ich damit sagen möchte:

Es ist leicht – gerade wenn man noch jung ist – den Verlockungen der „Karriere“ zu verfallen. Im Job aufzusteigen, gut zu verdienen, gelobt zu werden, wichtig zu sein – das kann ein tolles Gefühl sein. Bis ich etwa 29 war, war ich ganz genau so. Ich habe auch gedacht, das geht immer so weiter.

Tut es aber nicht.

 

Zeit ist nicht Geld – Zeit ist Leben

Es gibt für alles im Leben eine gute Zeit.

Und manchmal stellt man fest, dass die beste Zeit für manche Dinge einfach vorbei ist und man hat es gar nicht mitgekriegt.

Natürlich kann man so manches auch nachholen – aber einige Dinge, die lassen sich nicht nachholen.

Oder die sehen einfach total scheisse aus oder fühlen sich reichlich seltsam an: Mit 60 in der Disco. Mit 50 das erste Kind zur Einschulung begleiten. Mit 40 das erste mal Sex…  Ja klar, das kann man alles machen. Aber es gibt wirklich bessere Zeitpunkte im Leben dafür!

Und da muss ich direkt auch an eine frühere Freundin denken:

Sie arbeitete seit 25 Jahren bei derselben großen Firma, verdiente gut – und war todunglücklich und genervt. Sie hatte den Burnout schon zweimal geschafft und konnte sich dennoch nicht vorstellen, etwas anderes in ihrem Leben zu machen, weil sie das Geld, das sie verdiente doch brauchen würde.

Wofür? Sie brauchte das Geld, weil sie mit 50 in Rente gehen wollte. Sie brauchte also den Job, den sie hasste, um das Geld zu verdienen, das sie brauchte, um sich von genau diesem Job freizukaufen. Klingt verrückt… hat sie mir aber so erklärt.

Inzwischen müsste sie über 50 sein. Ich frage mich, wie es ihr geht. Ob sie wirklich „in Rente“ gegangen ist? Ob sie wirklich glaubt, dass sie jetzt genug Geld gespart hat? Ob sie glücklich ist? Ehrlich gesagt: ich glaube es nicht – auch wenn ich es ihr von Herzen wünsche.

Dein Leben – das besteht aus der Zeit, die Du lebst und den Erfahrungen, die Du in dieser Zeit machst.

Vielleicht wirst Du 80 Jahre alt. Dann hättest Du rund 29.000 Tage Zeit, um Erfahrungen zu machen. Dann ist Schluss.

Vielleicht hast Du aber auch weniger? Vielleicht wirst Du nur 70? Oder Du erreichst die Rente gar nicht, weil Du mit 58 einen Herzinfarkt erleidest, oder mit 45 bei einem Unfall drauf gehst… sorry – ich will nicht düster sein. Ich versuche nur, Dir klarzumachen, dass Dein „Vermögen“, Dein „Reichtum“ aus dem Tag besteht, den Du heute leben darfst. Alles andere ist Firlefanz.

Du hast kein „Recht“ auf ein langes, gesundes Leben.

Und kein Geld der Welt kann Dir Zeit kaufen.

Und deshalb ist es so wichtig, sich genau das immer wieder mal klar zu machen:

Klar sollst Du arbeiten gehen. Natürlich sollst Du Deine Steuererklärung abgeben. Auch ins Kino zu gehen, im Internet zu surfen, Serien zu schauen – klar doch – ist alles okay. Mach ich doch auch!

Aber denk doch öfter mal an Dich und was Du mit Deinem Vermögen noch anfangen möchtest. Denn Zeit ist nicht Geld – Zeit ist Vermögen – Dein einziges Vermögen. Und es wird nicht mehr… im Gegenteil:

Jeden Tag wird einer abgezogen… jeden Tag ist es ein Tag weniger, den Du Zeit hast, Spaß zu haben, etwas Neues zu lernen, die Welt zu entdecken, Dich zu verlieben, etwas zu tun, was Du schon lange mal machen wolltest.

Und Du kannst nie wissen, wie viele Tage Du noch übrig hast für die Sachen, die wirklich etwas mit Dir zu tun haben.

 

Es gibt kein „Später“

Später ist eine Illusion – ein Gedankenkonstrukt von dem Du annimmst, dass es irgendwann mal ein „jetzt“ werden wird. Aber bei vielen Menschen ist alles „später“ und damit nie „jetzt“ und damit auch nie Realität.

Im Buch „The Big Five for Life: Was wirklich zählt im Leben“ schreibt der Autor über das sogenannte Museum des Lebens:

Wenn man am Ende des Lebens eine Ausstellung machen würde, über all das, was Du als Mensch wirklich gemacht hast und auch schwerpunktmäßig so darstellen würde, wie Du es gemacht hast – wie würde das aussehen?

Wäre das eine riesige Halle, wo man Dich bei der Arbeit sieht, beim Fernsehen, beim surfen im Netz – und dann ein kleiner Raum am Rand, wo Du im Urlaub bist, Spaß hast, was schönes, tolles, aufregendes machst?

Wie viele Bilder würde man sehen, auf denen Du glücklich aussiehst? Frisch verliebt bist? Wo Du jemanden umarmst? Etwas Gutes tust? Wo Du in der Sonne liegst und die Wolken betrachtest? Mit Freunden an einem großen Tisch beim Essen sitzt? Dir einen Traum verwirklichst? Etwas erreicht hast, dass Dich stolz und zufrieden macht? Dich kaputtlachst?

Wie gut bist Du – darin Du zu sein?

Zeit ist nicht Geld – Du bist Zeit.

Du bist die Zeit, die Du hast in der Du Du sein kannst und Dein Leben leben kannst.

Wer willst Du sein?

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